Yen belastet Exporte
Dollar-Schwäche schreckt Japan auf

Der japanische Yen ist - im Vergleich zum Dollar - so teuer wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die japanische Wirtschaft, die stark vom Export abhängt, fürchtet um ihre Gewinne, den Aktienindex Nikkei werfen die Sorgen zurück. Doch anders als früher, als die japanische Regierung massiv in den Devisenmarkt eingriff, hält sie jetzt still.
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HB TOKIO. Die anhaltende Schwäche des Dollars bringt Japan zunehmend in Bedrängnis. Der Yen stieg am Donnerstag auf den höchsten Stand seit 14 Jahren - dennoch sieht die Regierung keine Notwendigkeit zur Intervention. „Wir erwägen derzeit nichts Derartiges“, sagte Vize-Finanzminister Yoshihiko Noda. Dennoch sei der Yen auf einem Niveau angekommen, das man beobachten sollte, betonte Finanzminister Hirohisa Fujii.

Die japanische Wirtschaft ist ähnlich wie die deutsche stark vom Export abhängig und deshalb für Wechselkursschwankungen besonders anfällig. Shoji Muneoka, Präsident des weltweit zweitgrößten Stahlkochers Nippon Steel bezeichnete die Kursentwicklung des Yen zum Dollar als außerordentlich. „Das wird ein großes Problem für Stahlhersteller und unsere Kunden wie Autobauer, Elektrokonzerne oder Schiffswerften, weil ihre Exportniveaus derzeit ziemlich hoch sind.“

Zuletzt waren die japanischen Ausfuhren wegen der anziehenden Nachfrage aus Asien spürbar gewachsen. Hier könnten die japanischen Firmen aber die Schwäche der US-Währung besonders zu spüren bekommen: Schließlich hat China seine Währung an den Dollar gekoppelt und wertet damit de facto ebenfalls mit ab, solange der Dollar-Kurs fällt. Das wiederum kommt den chinesischen Exporteuren zugute, die ihre Produkte günstiger im Ausland verkaufen können.

Japan hatte bis 2004 massiv in den Devisenmarkt eingegriffen, um den Anstieg des Yen zu bremsen und damit die eigene Exportwirtschaft zu fördern. Finanzminister Fujii betonte jedoch zuletzt, dass er für einen starken Yen sei, um die Binnenwirtschaft zu stärken: Je höher der Yen bewertet ist, desto günstiger werden Importe, die in Dollar bezahlt werden, wie etwa Rohöl. Seit vielen Jahren schwächelt der japanische Konsum, auch wegen der alternden Gesellschaft.

Die neue japanische Regierung will sich in ihrer Konjunkturpolitik verstärkt darauf konzentrieren, die Verbraucher zu unterstützen. Allerdings ist Japan bereits jetzt das am stärksten verschuldete Industrieland - der Spielraum für neue Ausgaben ist damit begrenzt. An den Märkten wird nicht damit gerechnet, dass die japanische Regierung wieder in den Devisenmarkt eingreift, auch weil Fujii sich zuletzt für einen stärkeren Yen ausgesprochen hat.

„Die Lage an den Devisenmärkten hat sich seit Ende der 90er Jahre spürbar geändert, als die Länder noch bereit waren, den Dollar als weltweite Leitwährung zu unterstützen“, sagte Hideki Hayashi von Mizuho Securities. „Jetzt lässt die Welt den Dollar fallen.“ Am Donnerstag kostete ein Dollar zeitweise nur 86,29 Yen. Damit hat der Yen in weniger als acht Monaten 17 Prozent an Wert gewonnen. Die japanische Wirtschaft hatte sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst.

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