Yen fällt auf Langzeittief
Warum Japan seine schwache Währung unheimlich ist

Der Yen verliert an Wert, doch anders als zuvor profitiert nicht die japanische Börse. Selbst den Exporteuren im Inselstaat wird der Yen unheimlich, obwohl sie eigentlich profitieren. Aus einem Bonus wird ein Malus.
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TokioDer japanische Yen hat am Dienstag entgegen allen Unkenrufen seine Talfahrt fortgesetzt. Kurzzeitig purzelte der Kurs zum US-Dollar auf unter 0,008 Yen – ein Dollar war also kurzzeitig mehr als 125 Yen wert, was zuletzt 2002 der Fall war. Solide Konjunkturdaten hatten die Erwartung an den Märkten gestärkt, dass die US-Notenbank Fed Ende des Jahres die Zinsen erhöhen könnte. Auch gegenüber dem Euro gab die Währung auf 136 Yen nach.

Doch die negative Reaktion der Börse zeigte, dass dieser neuerliche Fall politisch und wirtschaftlich an Schmerzgrenzen zu stoßen beginnt. Der Schwung könnte den Yen zwar noch tiefer führen, sagen Analysten. Aber gleichzeitig mehren sich die Zeichen, dass das Pendel zurückschlagen könnte.

Tatsächlich scheint das bisherige Wechselspiel zwischen Wechsel- und Aktienkurs langsam aus dem Tritt zu geraten. Bislang trieb ein Fall des Yen die Aktienkurse gerade der Exportunternehmen und damit das Börsenbarometer, den Nikkei-225 Aktienpreisdurchschnitt, in die Höhe. Denn je schwächer die Währung, desto höher steigen in Yen gerechnet die Gewinne im Ausland und bei Exporten.

Doch am Dienstag schloss der Nikkei mit 20543,19 Yen und damit 0,13 Prozent leichter als am Vortag. Mehr noch: Die größten Gewinner der jüngsten Kursrally, die Mitte Mai begann, waren nicht etwa Exportkonzerne. Selbst die Autobauer stiegen weniger als der Durchschnitt. Dafür profitierten Banken überdurchschnittlich von ihren guten Jahresbilanzen und den verbesserten Konjunkturaussichten.

Der fehlende Jubel hat mehrere Gründe: Erstens plagt die Anleger die Sorge, dass der schwache Yen sich vom Bonus zum Malus für die Japan AG entwickeln könnte. „Generell betrachtet, profitieren wir vom schwachen Yen“, sagte Hideki Hiraki, der neue CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Managers, SuMI Trust, jüngst im Handelsblatt-Interview. „Wenn er jedoch weiter abwertet, auf mehr als 120 Yen je Dollar, müssen wir langsam aufpassen.“

Denn nicht mehr nur binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen leiden dann darunter, dass sie immer mehr für Importe von Rohstoffen, Bauteilen oder Endprodukten zahlen müssen. Auch für Exportkonzerne habe der positive Effekt seine Grenze erreicht, warnt Tomomi Yamashita, Fund Manager bei Shinkin Asset Management.

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