Yen-Höhenflug: Investoren rufen Bank of Japan zur Hilfe

Yen-Höhenflug
Investoren rufen Bank of Japan zur Hilfe

Der Yen ist nicht zu bremsen. Im Vergleich zum Dollar kostet die japanische Währung so viel wie nie zuvor. Die Rufe nach einem Einschreiten der Bank of Japan werden immer lauter. Doch die Notenbank ziert sich.
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Tokio

Nach der Atom- und Naturkatastrophe in Japan setzt der Höhenflug des Yen die japanische Wirtschaft zusätzlich unter Druck. Der Yen stieg am Donnerstag auf den höchsten Stand zum US-Dollar seit dem Zweiten Weltkrieg. Damit kommt auf die stark von Exporten abhängige japanische Wirtschaft ein weiteres Problem zu, da die Produkte in wichtigen Märkten teurer werden. Die Rufe nach staatlichen Schritten gegen die Kursexzesse werden lauter. Die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer wollen am Freitag in einer Telefonkonferenz die aktuelle Lage besprechen.

Die starken Yen-Gewinne führten Händler vor allem darauf zurück, dass japanische Investoren und Versicherer dringend Geld brauchen, um die Schäden aus der Natur- und Nuklearkatastrophe in der Heimat zu bezahlen. Deshalb steigt die Nachfrage nach Yen. In der Nacht auf Donnerstag kostete der Dollar in einem chaotischen, von starken Sprüngen gekennzeichneten Handel zeitweise 76,25 Yen - so wenig wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Dollar-Käufe vor allem von japanischen Importunternehmen und Spekulanten verringerten den Anstieg des Yen zunächst. Zuletzt lag der Dollar bei rund 79 Yen und damit immer noch unter dem bisherigen Rekordtief von 79,75 Yen aus dem Jahr 1995, als das Erdbeben im japanischen Kobe den Yen nach oben trieb.

Auch im Vergleich zum Euro zog der Yen am Donnerstag deutlich an. Die europäische Gemeinschaftswährung wiederum verteuerte sich im Vergleich zum Dollar. Zuletzt kostete der Euro 1,3970 Dollar und näherte sich wieder der Marke von 1,40 Dollar. Der vor allem im Vergleich zum Dollar starke Yen ist seit Jahren eines der größten Probleme der japanischen Wirtschaft. Vor der Natur- und Nuklearkatastrophe hatte sich der Dollar in einer Bandbreite zwischen 80 und 85 Yen bewegt. Exportunternehmen wie zum Beispiel der Autohersteller Toyota erhielten damit allerdings bereits zuletzt deutlich weniger Yen für in den USA verkaufte Autos.

Viele Analysten und Experten rechnen jetzt damit, dass die japanische Regierung bald am Devisenmarkt einschreiten wird, um die Spekulationen mit der japanischen Währung einzudämmen. Dabei sei auch eine international koordinierte Aktion denkbar. Die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer wollen am Freitag in einer Telefonkonferenz über die Katastrophenfolgen auf die Wirtschaft und die Märkte sprechen. Auch die Notenbank-Chefs seien dabei, sagte der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag.

Die Notenbank hatte in den vergangenen Tagen das Finanzsystem mit Milliarden gestützt. Sie reagierte damit auf den hohen Liquiditätsbedarf der Banken. Die Börse in Tokio ging am Donnerstag weiter auf Talfahrt. Nach immensen Kursverlusten in Folge des Bebens hatte sich der Aktienmarkt am Vortag nur leicht erholen können.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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