Yen
Japan schwächt seine Währung

Die japanische Regierung weist jegliche Verantwortung für die jüngsten Kurskapriolen am Devisenmarkt von sich. Klar scheint aber: Die Notenbank will weiter gegen den Yen am Devisenmarkt intervenieren.
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TOKIO. Regierung und Notenbank in Japan drohen mit einer weiteren Abschwächung des Yens. Japans Notenbankchef Masaaki Shirakawa ließ gestern in einer Rede durchblicken, dass die Notenbank bereit sei, „angemessene Maßnahmen“ gegen den Anstieg des Yens zu ergreifen. Auch Außenminister Seiji Maehara äußerte sich ähnlich.

Aufgerüttelt hat den Markt eine Kursbewegung, die sich plötzlich am Freitag um 13.15 Uhr vollzog. Der Dollar stieg binnen Minuten zum Yen von 84,55 auf 85,40 Yen, nachdem er noch wenige Stunden zuvor am Morgen bei 84 Yen gelegen hatte. Sofort wurden Spekulationen über Interventionen laut. Doch sowohl Regierung als auch Notenbank beteuerten, dass sie dieses Mal nicht ihre Finger im Spiel gehabt hätten. Die Währungshüter des Landes hatten zuletzt am 15. September nach Schätzungen rund 16 Mrd. Euro investiert, um den Yen abzuschwächen. Es war der erste Devisenmarkteingriff seit 2004. Die Stärke der eigenen Währung belastet zunehmend Japans Exportindustrie und gefährdet damit die wirtschaftliche Erholung.

Weitere Eingriffe wollen die Japaner international absprechen

Die japanische Regierung wies zwar umgehend jede Verantwortung für die jüngsten Kurskapriolen am Devisenmarkt von sich. Glaubt man jedoch der in der Regel gut informierten Zeitung „Nikkei“, so gibt es untrügliche Zeichen dafür, dass die Regierung der Auslöser war. So habe der Finanzminister gesagt, dass die Entwicklung des Yens eine Reaktion erfordern könne. Kurz vor dem urplötzlichen Kursrutsch des Yens habe es dann viel Bewegung gegeben im Finanzministerium. Vor allem das Ministerbüro für internationale Angelegenheiten sei stark frequentiert gewesen – und das ist zuständig für eine Devisenmarktintervention.

Andere Experten meinen hingegen, Gerüchte um einen Rücktritt von Notenbankchef Shirakawa hätten den Yen gedrückt. Die Notenbank hat solche Rücktrittspläne mittlerweile dementiert. Bekannt ist jedoch, dass Premier Kan und Shirakawa nicht immer einer Meinung sind. Einen weiteren Eingriff wollen die Behörden nun mit anderen Ländern absprechen. Ein gemeinsames Vorgehen bedeutet dies jedoch nicht.

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