Yen sollte an Stärke gegenüber dem Dollar weiter zulegen
Euro auf Rekordhoch

Nach Bekanntgabe des US-Handelbilanzdefizits für Oktober am Freitagnachmittag reagierte der Markt mit belasteten Aktienkursen und einem schwächeren Dollar.

HB FRANKFURT/M. Der Euro erreichte mit 1,23 Dollar den höchsten Kurs seit seiner Einführung an den Finanzmärkten vor fast fünf Jahren. An den Aktienmärkten drehten die Kurse zeitweise ins Minus. Die Anleihekurse zogen dagegen kräftig an, da mit den Daten Spekulationen auf weiterhin niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft einhergingen.

Unter anderem fiel entgegen den Erwartungen der Index zum Verbrauchervertrauen in den USA, der von der Universität Michigan vorläufig für Dezember berechnet wurde. Darüber hinaus weitete sich das Defizit in der US-Handelsbilanz aus und ein überraschender Rückgang der Erzeugerpreise bestätigte schon Übernacht aufgekommene Spekulationen über ein weiterhin niedriges US-Zinsniveau. Weiterer Druck auf die US-Währung entstand an den Devisenmärkten, als US-Finanzminister John Snow die Entwicklung des Dollars als ordnungsgemäß bezeichnet. „Der ganze Angleichungsprozess war ordnungsgemäß“, sagte Snow.

Auch Erzeugerpreise waren wider Erwarten gefallen

Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus, weshalb der Index der Uni Michigan als eines der wichtigsten Konjunkturbarometer gilt. Der Index sank auf 89,6 Punkte von 93,7 Zählern im November. Von Reuters befragte Volkswirte hatten demgegenüber im Schnitt mit einem Anstieg auf 96,0 Punkte gerechnet.

Schon der überraschende Rückgang der Erzeugerpreise in den USA um 0,3 Prozent hatte kurz darauf den Dollar belastet. Auch die Ausweitung des Defizits in der US-Handelsbilanz im Oktober auf 41,77 Milliarden Dollar von revidiert 41,34 Milliarden Dollar im Vormonat nährte die Zweifel an der Finanzierbarkeit des hohen Defizits der USA in der Leistungsbilanz, das als eine der Hauptursachen der Dollar-Schwäche gilt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte noch vor den Daten den Referenzwert mit 1,2254 (Vortag 1,2187) Dollar festgestellt.
Zum Yen gab der Dollar seine Gewinne der vergangenen Tage wieder ab und fiel schon in New York auf Kurse unter 108 Yen. Am Abend rutschte der Dollar auf 107,70 Yen. Händler halten Interventionen der Bank of Japan (BoJ) zugunsten der US-Währung für möglich. Japan, dessen Wirtschaftswachstum vorwiegend von der Exportwirtschaft getragen wird, stemmt sich seit Monaten gegen die Aufwertung der Landeswährung, da diese die Ausfuhren verteuert.

FOMC-Protokoll löst Zinsspekulationen aus

Als Auslöser der Dollar-Verkäufe schon am Vorabend in New York hatten Händler die Veröffentlichung des Protokolls vom Oktober-Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am Vorabend genannt. Daraus geht hervor, dass die Notenbanker erwarten, dass aufgrund der bislang schleppenden Erholung am US-Arbeitsmarkt und angesichts der steigenden Produktivität die Inflation voraussichtlich in den nächsten ein oder zwei Jahren auf niedrigem Niveau bleiben wird. Dies löste an den US-Finanzmärkten die Spekulation aus, die Fed könnte die Zinsen doch länger als zuletzt vermutet bei einem Prozent belassen.

Bei ihrem jüngsten Treffen in dieser Woche hatten die Notenbanker erstmals wieder die Gefahr einer Inflation als ebenso hoch wie die einer ungewollten rückläufigen Inflation beschrieben, womit sie nach Angaben von Analysten eine Straffung der Geldpolitik signalisierten.

An der New Yorker Börse fiel der Dow-Jones-Index der 30 Standardwerte nach Bekanntwerden der Verbrauchervertrauensdaten zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten, erholte sich dann aber rasch und markierte ein neues Jahreshoch von 10 036 Stellen. Die Bewegung des weltweit meist beachtetesten Index dämpfte auch in Frankfurt die Stimmung der Börsianer. Der Deutsche Aktienindex rutschte gut elf Zähler ins Minus auf ein Tagestief von 3847 Punkten, nachdem er am Vormittag mit 3904 Zählern ebenfalls noch ein Jahreshoch erreicht hatte. Im Verlauf erholte sich der Index aber auch wieder.

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