Yuan-Aufwertung
Analysten erwarten höhere Preise für Öl und Metalle

An den Warenmärkten ruft die Aufwertung der chinesischen Währung gemischte Gefühle hervor. In einer ersten Reaktion stiegen in London und New York – dort sind die großen Rohstoffbörsen – der Ölpreis und die Metallnotierungen. Allerdings hat etwa Öl die Preisaufschläge schnell wieder abgeben.

LONDON/DÜSSELDORF. Viele Analysten begründeten den Preisanstieg damit, dass die Aufwertung des Yuan die Kaufkraft der chinesischen Abnehmer stärkt. Dies wiederum könnte zu einer größeren Nachfrage aus China führen, wenn dort die zuletzt herunter gefahrenen Bestände und Importe wieder aufgestockt werden. Das Riesenreich ist weltweit größter Verbraucher von Metallen und gilt nach den USA als zweitgrößter Ölverbraucher. Auch der Preisanstieg der letzten zwei Jahre ist zum großen Teil auf den enormen Rohstoffhunger der Volksrepublik zurückzuführen.

Nach Einschätzung von Konrad Aigner, Rohstoffspezialist der Deutschen Bank, wird der handelsgewichtete Dollar in Zukunft noch weiter abwerten. „Diese Abwertung ist generell positiv für die Rohstoffe“, sagt Aigner. Er geht ebenfalls davon aus, dass die Importe für China billiger werden und damit tendenziell eher zunehmen. Ein Beispiel dafür finde sich beim Rohöl, wo die Importmengen bei Preisen von über 50 Dollar nicht mehr so stark zugelegt hätten. Bei niedrigeren Preisen seien dann die Mengen wieder erhöht worden. „China ist preisbewusster geworden“, sagt Aigner.

„Die Aufwertung des Yuan wird der Ölnachfrage Chinas zumindest kurzfristig Auftrieb geben“, meint Ingrid Sternby von Barclays Capital. Wegen der erwarteten Neubewertung und interner Preisentwicklungen dürften die Chinesen von Vorräten gelebt haben. Das Wirtschaftswachstum von über neun Prozent – die Industrieproduktion nahm sogar um 16 Prozent zu – deute aber vielmehr auf eine Belebung der Ölnachfrage und damit der Importe hin. Diese waren nach Angaben aus Peking im ersten Halbjahr nur um 3,9 Prozent auf 63,4 Mill. Tonnen gestiegen. Auswirkungen sind auch bei den Metallen denkbar. „Das könnte die knappe Versorgungslage insbesondere bei Kupfer noch verschärfen“, meint Sternby.

Einige Experten sehen die Yuan-Aufwertung gelassener. „Wir erwarten keine großen Veränderungen“, sagt Melanie Fischinger, Rohstoffexpertin der Commerzbank. Zwar verschlechtere sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen etwas, heißt es bei der Commerzbank. Doch würden dadurch wohl kaum die Exporte nach Westeuropa und Nordamerika „spürbar beeinträchtigt“. Ein solches Szenario wurde von einigen Rohstoffakteuren als Begründung dafür angeführt, warum die Nachfrage Chinas doch nicht zunehmen werde. Andy Tie von Morgan Stanley schließt aber für diesen Fall nicht aus, dass Peking einer solchen Entwicklung möglicherweise mit Steuervergünstigungen für Exporteure begegnen werde.

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