Yuan und China Das Rätselspiel der chinesischen Notenbank

Chinas Währungshüter bestimmen täglich den Referenzwert des Yuan zum Dollar – doch sie halten sich nicht so recht an die selbst gesteckten Regeln. Das verwirrt Devisenhändler und erhöht die Risiken auf den Märkten.
Der Yuan steht unter Druck. Quelle: Reuters
Yuan-Banknoten

Der Yuan steht unter Druck.

(Foto: Reuters)

PekingIm Sog der China-Krise geraten weltweit die Aktienmärkte unter Druck. Auch an den Devisenmärkten waren die Ausschläge in den vergangenen Wochen extrem. Die chinesische Währung, der Yuan, geriet massiv unter Druck. Die „People's Bank of China“, die chinesische Zentralbank, versucht derzeit alles, um die Wechselkurse zu stabilisieren.

Jüngst hob sie den Referenzwert des Dollar, den der Yuan an den chinesischen Börsen maximal zwei Prozent über- oder unterschreiten darf, erneut herab und wertete die eigene Währung damit auf. Gleichzeitig kauften staatliche chinesische Banken im sogenannten Offshore-Handel in Hongkong in großem Stil Yuan auf - das stützt den Kurs der Währung. Im vergangenen Jahr hatte er wegen der schwächelnden Konjunktur zum Dollar 4,7 Prozent verloren – so viel wie noch nie.

Diese Währungen schlagen ganz besonders aus
Platz 9: Argentinischer Peso
1 von 9

Argentinien kämpft seit Jahren gegen den wirtschaftlichen Verfall. Auch während der Amtszeit von Christina Fernandez de Kirchner kam das Land nicht auf die Beine. Der frisch gewählte neue Präsident Mauricio Macri will nun die Trendwende einleiten.

Volatilität*: 2,4 Prozent
Exportvolumen**: 2,4 Milliarden Euro

*historische Volatilität (zwölf Monate)
**Exporte von Deutschland in das jeweilige Land

Platz 8: Peruanischer Nuevo Sol
2 von 9

Die Schwellenländer in Südamerika haben es derzeit nicht einfach. Einerseits belastet das schwache Wachstum in China. Auf der anderen Seite macht ihnen die bevorstehende Zinsanhebung in den USA noch mehr Sorgen. Viele Investoren ziehen ihre Gelder aus den südlichen Staaten zurück – mit gravierenden Auswirkungen auf die dortigen Währungen. Auch Peru leidet unter der Investorenflucht. Der Peruanische Nuveo Sol musste in diesem Jahr bisher starke Schwankungen hinnehmen. Für Unternehmen keine guten Voraussetzungen für eine Investition. Deutschland ist davon allerdings kaum betroffen. Das Exportvolumen nach Peru ist gering.

Volatilität: 4,8 Prozent
Exportvolumen: 0,91 Milliarden Euro

Platz 7: Chilenischer Peso
3 von 9

Der Preisverfall auf den Rohstoffmärkten lässt dem chilenischen Peso keine Ruhe. 2015 schwankt er deutlich hin und her. Im Vergleich zum Dollar hat die südamerikanische Währung seit Jahresanfang 14,9 Prozent verloren. Chile hat die größten Kupfervorkommen der Welt. Der Preis für eine Tonne Kupfer ist 2015 um satte 26,4 Prozent gesunken.

Volatilität: 9,3 Prozent
Exportvolumen: 2,1 Milliarden Euro

Platz 6: Malaysischer Ringgit
4 von 9

Nicht nur Südamerika leidet unter der Erwartung einer Zinswende in den USA. Auch in einigen asiatischen Staaten ziehen die Investoren ihre Gelder zurück. Davon betroffen ist unter anderem auch Malaysia. Gegenüber dem US-Dollar hat der malaysische Ringgit daher 17,7 Prozent verloren.

Volatilität: 11,3 Prozent
Exportvolumen: 4,8 Milliarden Euro

Platz 5: Bulgarischer Lev
5 von 9

Das zweitjüngste EU-Mitglied leidet weiterhin unter der Korruption. Kein anderes Land in der EU ist korrupter als Bulgarien. 2008 kürzte die Union deswegen 220 Millionen Euro Fördergelder für das Land. Auch die Währung leidet unter der Korruption, da viele Investoren um das Land einen Bogen machen.

Volatilität: 11,9 Prozent
Exportvolumen: 3,3 Milliarden Euro

Platz 4: Türkei
6 von 9

Die politischen Unruhen in der Türkei schaden der Lira. Die Unruhen beschränken sich dabei nicht nur auf die Innenpolitik. Auch außenpolitisch steht die Türkei spätestens seit dem Abschuss eines russischen Militärjets im Kreuzfeuer. Die Währung hat im Vergleich zum Dollar fast 19 Prozent verloren, die Volatilität der Lira ist ebenfalls bedenklich hoch. Das bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren, da das Exportvolumen mit über 19 Milliarden Euro vergleichsweise hoch ist.

Volatilität: 13,3 Prozent
Exportvolumen: 19,2 Milliarden Euro

Platz 3: Südafrikanischer Rand
7 von 9

Südafrikas Wirtschaft hatte schon mal bessere Zeiten erlebt. Einst ein hochgelobter BRICS-Staat wird das Land im kommenden Jahr vermutlich einen Anstieg der Firmenpleiten hinnehmen müssen. 2016 soll es in Südafrika zehn Prozent mehr Insolvenzen geben. Kritisch ist die hohe Abhängigkeit von den Rohstoffmärkten. Der südafrikanische Rand kam daher 2015 unter die Räder. In Pendelbewegungen verlor die Währung im Vergleich zum Dollar seit Jahresanfang rund 18 Prozent.

Volatilität: 14,0 Prozent
Exportvolumen: 8,3 Prozent

Doch Devisenhändler und Analysten verwirrt das Spiel der Notenbank, denn es lässt sich schwer vorhersagen, wie hoch der so genannte Referenzwert zum Dollar ausfallen wird. Der Referenzwert erlaubt ein Schwanken des Yuan von maximal zwei Prozent nach oben und unten. Zunächst versicherte die chinesische Notenbank sich an der jeweiligen Schwankungsbreite des Vortages für den Referenzwert des Folgetages zu orientieren. Doch dies ist nicht der Fall.

Die Bank of Canada kritisierte jüngst, dass der Referenzwert am Markt nicht mit dem übereinstimmte, den die chinesische Notenbank vorher verkündet hatte. Die chinesische Yuan-Politik lässt gestandene Devisenexperten verzweifeln. Das heizt die Spekulationen an, dass die chinesische Führung den Referenzwert benutzt, um den Wert des Yuan politisch zu beeinflussen und die Bedeutung der Märkte zu dämpfen. Der Yuan-Kurs ist so nicht alleine von Angebot und Nachfrage bestimmt.

„Die chinesische Notenbank kann den Referenzwert festlegen wie sie will. Das ist intransparent“, sagt auch Zhou Hao, Ökonomin bei der Commerzbank in Singapur. Diese Herangehensweise ermögliche der Notenbank die Währung unabhängig von Marktbewegungen zu kontrollieren. Hao rechnete kürzlich mit einem Referenzwert nahe seines am Vortag fixierten Wertes, doch dann notierte er tatsächlich 0,5 Prozent darüber.

„Ich bin davon überzeugt, dass das Spiel der Notenbank auch in den nächsten Tag weitergehen wird. Sie wird in dieser Marktphase subjektiv bestimmen, wie der Yuan bewertet wird“, sagt Roy Teo, ein Devisenexperte der niederländischen Bank ABN Amro. Unsicherheit über die Wechselkurspolitik der Zentralbank hat in den vergangenen Wochen zu großen Turbulenzen an den Weltmärkten geführt. Die Börsen verloren weltweit 2,5 Billionen Dollar, die Rohstoffpreise rauschten in den Keller.

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