Zehn Milliarden extra bei BHP
Rohstoffboom und kein Ende

Rohstoffkonzern und Marktführer BHP Billiton kauft in großen Mengen Aktien zurück – zeitgleich verlässt Chef Chip Goodyear das Unternehmen. Für die Zukunft rechnen Insider mit Rohstoffpreisen, die sich dauerhaft auf einem hohen Niveau stabilisieren. Gründe dafür liegen besonders in Asien.

(dih) LONDON. Die Rohstoff-Hausse geht weiter: Große Bergbaukonzerne rechnen auf lange Sicht mit anhaltend starker Nachfrage und hohen Preisen. Der Rohstoffhunger Chinas sei noch lange nicht gestillt und Indien beginne, dem Beispiel Chinas zu folgen, sagte Chip Goodyear, Chef des Weltmarktführers BHP Billiton, gestern in London. Wegen der guten Aussichten will der Konzern erneut Aktien in einem Wert von zehn Mrd. Dollar zurückkaufen. Damit wird BHP seit 2001 fast 27 Mrd. Dollar (21 Mrd. Euro) seinen Anteilseignern zurückgegeben haben.

Die Aktie des australisch-britischen Konzerns stieg am Mittwoch vorübergehend um sechs Prozent. Überraschend kündigte Goodyear auch an, Ende des Jahres von seinem Chefposten abzutreten.

„Die Zukunft sieht für dieses Unternehmen und für die ganze Branche ziemlich rosig aus“, sagte Goodyear auf einer Pressekonferenz in London. „China und Indien sind für uns ein Thema für mehrere Jahrzehnte.“ BHP rechnet auf mittlere Sicht nicht damit, dass die Preise auf ihre langfristigen Durchschnittswerte zurückfallen. Zuletzt hatte sich Konkurrent Rio Tinto bereits ähnlich geäußert.

Die Rohstoffkonzerne, die die Rekordjagd der Weltmarktpreise lange skeptisch beäugten, geben sich damit immer deutlicher als Anhänger der „Superzyklus“-These zu erkennen. Sie besagt, dass die Rohstoffnachfrage durch die Industrialisierung Chinas und Indiens dauerhaft auf ein höheres Niveau gehoben wird. Abnehmer der Minenkonzerne wie die Stahlindustrie müssen sich also dauerhaft auf höhere Preise einstellen.

Nach Einschätzung von Top-Managern der Branche wie Goodyear oder Rio-Tinto-Chef Leigh Clifford wird es noch Jahre dauern, bis neue Minenprojekte zum Beispiel das Eisenerz-Angebot an die erhöhte Nachfrage angepasst haben. Steigende Kosten, knappes Material und Personal bremsen die Erschließung neuer Lagerstätten. Analysten erwarten darum, dass sich die Fusionswelle in der Branche fortsetzen wird. Übernahmen seien ein schneller Weg, um eine stärkere Diversifizierung nach Rohstoffen oder Regionen zu erreichen, argumentiert etwa Standard & Poor’s. „Wenn sich große Transaktionen anbieten, dann werden wir sie machen“, sagte Goodyear. Trotz der hohen Ausschüttungen an die Aktionäre und eines Investitionsprogramms in Höhe von 17,5 Mrd. Dollar habe BHP selbst ausreichend Mittel für größere Akquisitionen, sagte Rob Clifford, Analyst bei ABN Amro.

Goodyear betonte, dass er sich von dem Boom nicht in eine blinde Expansion treiben lasse. „Es wäre wirklich spaßig, wenn wir jetzt sagen würden: Die Preise sind hoch, also lasst uns mehr Geld in die Exploration stecken.“ BHP habe sich nie von Preiszyklen treiben lassen, sondern immer darauf geachtet, große neue Vorkommen mit niedrigen Kosten zu erschließen.

Nun schießen dank steigender Preise die Renditen in die Höhe: Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern stieg im Halbjahr zum 31. Dezember auf 47 Prozent. BHP steigerte den Umsatz um 22 Prozent auf 22,1 Mrd. Dollar und den Reingewinn um 42 Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar. Die meisten Rohstoffe brachten Rekordergebnisse.

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