Zentralbank ändert Strategie
Putin spricht Machtwort, der Rubel steigt

Die russische Notenbank greift zu drastischen Maßnahmen: Sie will den Wechselkurs des Rubel freigeben – bei Bedarf aber am Devisenmarkt intervenieren. Kurz vorher hatte Putin ein Eingreifen angedeutet.
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Frankfurt/MoskauDer russische Präsident Wladimir Putin will, dass die russische Notenbank den Verfall des Rubel stoppt: „Ich gehe davon aus, dass Schwankungen bald durch ein Eingreifen der Zentralbank ausgeglichen werden“, sagte Putin am Montag vor dem Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) in Peking. „Unsere Grundlagen bei den Währungsreserven und der Zahlungsbilanz bleiben auf einem guten Stand. Das erlaubt es uns, die Situation zu beherrschen.“

Fast zeitgleich kündigte die russische Zentralbank an, dass sie den Wechselkurs des Rubel freigeben wird. Ab 2015 soll die Währung frei konvertierbar sein. Außerdem soll es keine Begrenzung bei Stützungkäufen geben. Die Notenbank werde bei Bedarf jederzeit und in großem Umfang mit Interventionen am Devisenmarkt reagieren, sagte Notenbankchefin Elwira Nabiullina.

Die russische Notenbank hatte erst am Mittwoch die Begrenzung der Rubel-Käufe auf 350 Millionen Dollar pro Tag angekündigt. Diese Summe entsprach allerdings nur ein Bruchteil dessen, was die Zentralbank in den vergangenen Wochen in die Hand genommen hat, um die Talfahrt abzubremsen. Sie intervenierte automatisch, sobald der Kurs eines Währungskorbs aus Euro und Dollar eine bestimmte Spanne zum Rubel überschritt.

Es gebe keine wirtschaftlichen Gründe für den Kursverfall der vergangenen Wochen, sagte Putin am Montag. Er machte Spekulanten dafür verantwortlich. Russland plane aber keine „Notmaßnahmen“ und keine Kapitalkontrollen zur Stützung der Währung.

Laut einem am Montag veröffentlichten Bericht der Notenbank in Moskau werden Anleger und Unternehmen in diesem Jahr 128 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro) aus Russland abziehen. Die Ukraine-Krise habe eine „massive Kapitalflucht“ ausgelöst, heißt es. Anleger und Unternehmen hätten nicht mehr in Rubel investiert, sondern in Dollar. Folge sei der Sturz des Rubel und die steigenden Preise, verschärft noch durch den von Russland verhängten Importstopp für viele Lebensmittel aus dem Westen. Die Zentralbank schätzt, dass die Preissteigerung in diesem Jahr acht Prozent erreichen wird. 3,5 Prozent davon seien „externen, nicht beeinflussbaren Faktoren“ geschuldet.

Die russische Währung legte am Montag kräftig zu: Gegen den Dollar gewann sie 3,7 Prozent. Damit liegt sie aber immer noch knapp 40 Prozent unter dem Niveau vom Jahreswechsel. Zum Euro beläuft sich das Minus auf etwa 25 Prozent. Auch die Moskauer Aktienbörse ging am Montag auf Erholungskurs. Der Leitindex RTS, dessen Aktien in Dollar notiert werden, gewann 2,7 Prozent.

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  • Der Rubel im freien Fall
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    Jetzt soll die Zentralbank eingreifen und den Rubel stützen.
    Ab 2015 soll die Währung frei konvertierbar sein.

    Um die russische "Scheinwährung" zu stützen, sollte Warlord Putin seine Kriegstreiberei in Neurussland und den Peripherie Ländern aufgeben. Dann gäbe es auch keine Sanktionen seitens des Westens.
    Aber das wird Warlord Putin nicht machen. Im Gegenteil, er will die alte UdSSR in all seiner Glorie wieder auferstehen lassen. Und da ist ihm der Rubel egal.

  • "Die Befürchtung unter Experten ist gross, dass auch künftig viel Kapital das Land verlässt – sowohl vonseiten internationaler Investoren als auch reicher Russen. Denn die Wirtschaftssanktionen des Westens wiegen schwer auf der Wirtschaft."

    http://www.handelszeitung.ch/invest/russlands-zentralbank-schlaegt-gefaehrliche-haken-695462

  • Wenn ich auf die Landkarte sehe, denke ich, daß Russland um die Krimm und die Ukraine-Gebiete ums Schwarze Meer einen Krieg führen wird. Der Rubel ist dabei egal.

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