Zentralbank-Eingriffe: Währungskrieg droht sich auszuweiten

Zentralbank-Eingriffe
Währungskrieg droht sich auszuweiten

Die von Schwellenmärkten als Währungskrieg wahrgenommene Politik der Industrieländer dürfte in Zukunft noch stärker auffallen. So sollte die Schwächung von Währungen durch die G10-Zentralbanken weiter zunehmen.
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Schwellenmärkte dürften in diesem Jahr noch mehr Grund für Klagen über die von ihnen als Währungskrieg wahrgenommene Politik der Industrieländer haben. Denn die Zentralbanken in den entwickelten Ländern werden wohl aggressiver bei ihrem Streben nach Konjunkturimpulsen mittels schwächerer Währungen.

Im zu Ende gegangenen Jahr haben Länder wie Brasilien die USA und andere Industrieländer beschuldigt, die Kurse ihrer Währungen durch die sogenannte quantitative Lockerung nach unten zu treiben. Laut einer Studie der Royal Bank of Canada dürften die G10-Zentralbanken der bei ihren Bemühungen zur Schwächung von Währungen noch aktiver werden.

“Wir haben deutliche Hinweise darauf gefunden, dass die Wechselkurse bei den geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken eine größere Rolle spielen”, schrieben die Strategen Adam Cole und Elsa Lignos in einer Studie. “Es sieht so aus, als wären die G10-Staaten dazu verurteilt, den Zentralbanken der Schwellenländer auf dem Pfad der zunehmenden Interventionen oder zumindest einer vom Wechselkurs getriebenen Geldpolitik zu folgen.”

In der Studie stellten die Strategen fest, dass viele der G10-Zentralbanker verstärkt Sorgen hinsichtlich der Währung betonten und signalisierten, dass sie in der Richtung etwas unternehmen dürften.

Um dies zu messen, schufen die Autoren einen sogenannten Verbal-Interventions-Index auf Basis der geldpolitischen Kommentare der Notenbanken und der Bewertungen von Devisenbeziehungen von drei Jahren. Dann entwickelten sie eine Wertungsliste, die von 0 bis 10 reichte. Der niedrigste Wert entsprach einer reinen Äußerung und der höchste einer expliziten Festlegung der Geldpolitik auf die Erreichung eines bestimmten Wechselkurses.

Neben der Schweizerischen Nationalbank, die für den Wechselkurs des Euro zum Franken eine Untergrenze vorgegeben hat, zeigt die norwegische Notenbank die stärksten Bedenken, indem sie häufig eine starke Krone in Verbindung mit einer möglichen Zinssenkung bringt. Die schwedische Riksbank hat steile kurze Anstiege bei den Bedenken gezeigt, wie beispielsweise im September, nachdem die Krone stärker geworden war.
Am empfindlichsten gegenüber Veränderungen bei der eigenen Währung erscheint die Reserve Bank of New Zealand, so die RBS- Studie. Im einen Monat weite die neuseeländische Zentralbank ihre Verbalinterventionen aus, im nächsten fahre sie sie zurück, hieß es. Wesentlich sorgloser sind dagegen offenbar die nächsten Nachbarn: die Reserve Bank of Australia zeigt der Studie zufolge das geringste Niveau an Bedenken.

 
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Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Im Verhältnis zu den Schwellenländern befinden sich die Industriestaaten schon längst in der Situation der PIIGS. Die letzte Waffe ist die Abwertung. Die Schwellenländer hinwieder müssen erkennen, daß der Gewinn wirtschaftlicher Stärke unvermeidbar mit einer Aufwertung ihrer Währungen verbunden ist. Das klassische Beispiel dafür ist Deutschland zur DM-Zeit. Im Spiel der Währungsverhältnisse gibt es keinen absoluten Maßstab, es kommt lediglich auf den Sichtwinkel an.

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