Zentralbank fürchtet weiteren Kursanstieg
Norwegen bereitet die starke Krone Sorgen

Svein Gjedrem steckt in einem Dilemma: Der norwegische Zentralbankchef müsste eigentlich in den kommenden Monaten die Zinsen anheben. Dafür sprechen die deutlich gestiegenen Immobilienpreise, die immer höhere private Verschuldung und die steigende Inflation.

HB STOCKHOLM. Gleichzeitig sprechen jedoch die schwachen makroökonomischen Daten aus Mitteleuropa für weiter konstante Zinsen im Euro-Raum. Damit wäre Norwegen, das nicht der Europäischen Union angehört, nicht mehr im Gleichschritt mit der Europäischen Zentralbank (EZB). Gjedrem hat mehrfach betont, dass er nicht die Zinserhöhungen in Europa einleiten wolle, da er durch diesen Schritt eine weitere Stärkung der norwegischen Krone befürchtet.

Auch Experten erwarten, dass der Zentralbankchef den Kurs der Krone weiter stärken würde, falls er die Leitzinsen, die mit 1,75 Prozent so niedrig sind wie nie zuvor, anhebt. Bereits in den vergangenen Monaten hat die norwegische Währung zum Euro deutlich zugelegt: Mussten im Februar noch 8,77 Kronen für einen Euro gezahlt werden, kam man gestern mit 8,24 Kronen aus. „Die Krone wird vom Öl getrieben“, sagt Markus Hallberg von Nordea dem Handelsblatt. Seine Bank geht von einem Kronen-Euro-Kurs von 8,30 Kronen in einem Jahr aus. Das wäre eine leichte Schwächung gegenüber dem aktuellen Stand, die Nordea mit der Annahme begründet, dass sich der Ölpreis nicht auf seinem hohen Niveau halten wird. Erst in zwei Jahren rechnet der Nordea-Analyst mit einem Kurs von 8,10 Kronen für einen Euro.

Norwegen ist nach Saudi Arabien und Russland der drittgrößte Ölexporteur der Welt, die Wirtschaft des Landes wird also durch das „schwarze Gold“ geschmiert. Doch das hat in der Vergangenheit auch zu Begehrlichkeiten geführt: Da ein Großteil der Einnahmen aus dem staatlich kontrollierten Ölsektor in den Ölfonds fließt, der den Wohlfahrtsstaat auch für kommende Generationen sichern soll, werden immer wieder Forderungen laut, aus diesem Fonds doch jetzt schon mehr Mittel zum Ausbau des Gesundheits- und Bildungswesens zu entnehmen. Bislang hat sich die Regierung diesen Forderungen widersetzen können. Doch durch die rekordhohen Einnahmen in diesem Jahr, dürften die Verlockungen größer werden.

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