Zentralbank zögert mit Eingriffen
Brasilianischer Real bröckelt ab

Mit einem Überschuss in der Handelsbilanz steht Brasilien im Vergleich zu anderen Schwellenländern gut da. Doch die Investoren werden auch hier zurückhaltend. Die Wirtschaft muss sich auf einen schwächeren Real einstellen.

SAO PAULO. Rund ein Viertel seines Wertes hat der brasilianische Real seit Monatsbeginn gegenüber dem Dollar verloren. Aktuell ist ein Dollar 2,29 Real wert. Doch die Zentralbank zögert weiterhin damit, Dollar in großen Mengen auf dem Markt anzubieten. Nur 3,2 Mrd. Dollar hat die Zentralbank bisher auf den Spotmärkten eingesetzt. Ihre Reserven sind also weiterhin gut 200 Mrd. Dollar groß.

Die Weigerung der Zentralbank, weitere Kursschwankungen des Reals zu vermeiden, hat gute Gründe: Die Zentralbank will verhindern, dass der Eindruck entsteht, sie wollte Dollar opfern, um den Real zu stützen. Das würde Spekulanten anziehen, die gegen den Real wetten würden.

Die Wertverluste des Reals entstehen vor allem in der Kapitalbilanz. Investoren, Banken und Fonds ziehen ihre Gelder ab: Im Oktober haben sie fünf Mrd. ins Ausland überwiesen. Im Handel sind aber 1,3 Mrd. Dollar eingeflossen. Das heißt: Trotz Rohstoffschwäche und schwächerer internationaler Nachfrage erwirtschaftet Brasilien immer noch einen Handelsbilanzüberschuss. Das gilt auch auf Jahresfrist: Bis Oktober sammelte sich in der Handelsbilanz ein Überschuss von 44 Mrd. Dollar an, gegenüber einem Minus in der Kapitalbilanz von 31 Mrd. Dollar.

Das ist zwar immer noch beruhigend, dennoch ist auch für Brasilien das Geld knapp geworden - das ist eine neue Erfahrung: In den letzten Jahren waren es die massiven Überschüsse in der Kapitalbilanz, von ausländischen Portfolio- und Direktinvestoren sowie sonstigen Kreditgebern, die den Real stärkten. Das ist nun vorbei und Goldman Sachs rechnet damit, dass irgendwann in 2009 die Leistungsbilanz Brasiliens negativ werden könnte. Brasiliens Wirtschaft wird sich auf einen schwächeren Real einstellen müssen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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