Zentralbankchef Macfarlane sieht anhaltende Schwäche des US-Dollars
Australien strafft geldpolitische Zügel

Die Talfahrt des US-Dollars gegenüber Währungen in Europa und Asien-Pazifik ist nach Ansicht des Gouverneurs der Reserve Bank of Australia (RBA), Ian Macfarlane, noch nicht beendet. „Die US-Behörden ermutigen den Fall des Dollars durch ihre Zinspolitik. Andernfalls hätte die Fed schon längst die Zinsen erhöht“ sagte er dem Handelsblatt in Sydney.

SYDNEY. Macfarlane widerspricht einer „sehr europäischen Auffassung“, wonach die USA den Dollarverfall nutzen, um ihre Defizitprobleme auf die Schultern ihrer Partner abzuwälzen. „Die USA haben über die letzten fünf bis zehn Jahre wichtige Impulse für die Weltwirtschaft gegeben. Ihre Wirtschaft ist schneller gewachsen als die der meisten Handelspartner, vor allem in Europa.“ Diese Differenz sei ursächlich für das Leistungsbilanzdefizit der USA. Dazu komme noch der Kapitalzufluss in die USA.

Die momentane Stärke des Euro ist nach Macfarlanes Einschätzung weniger ein Beleg für das steigende Vertrauen in die Gemeinschaftswährung, sondern Spiegelbild des Dollarverfalls. „Der Euro hat das Interesse von Anlegern geweckt, die ihn nach zweijähriger Talfahrt für unterbewertet hielten. Das sagt aber noch nichts über die europäische Wirtschaftsstärke aus.“ Gleichwohl sieht Macfarlane, dass sowohl in Europa als an der globalen Konjunkturfront eine Erholung einsetzt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine nachhaltige Belebung erleben werden.“

Das US-Leistungbilanzdefizit ist für ihn in diesem Zusammenhang kein ernsthaftes Risiko. „Auch Australien hat gezeigt, dass ein hohes Leistungsbilanzdefizit kein Hindernis für Wachstum ist.“ In den zurückliegenden Jahren hat sich Australien weitgehend von der weltweiten Wirtchaftsschwäche abkoppeln können. Seit zwölf Jahren erlebt das Land einen Dauerboom. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr schätzt der Zentralbankchef auf 4 %.

Als erste Zentralbank weltweit hatte die RBA Anfang November die Zinsen um 25 Basispunkte auf 5 % erhöht. Viele Marktbeobachter schrieben diesen Schritt den starken Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt zu, denn die Inflationsrate bleibt dank des starken Aussie-Dollars in der von der RBA beabsichtigten Bandbreite von 2 bis 3 Prozent. Macfarlane widerspricht dieser Interpretation, denn er geht davon aus, dass sich das wirtschaftliche Umfeld ändern wird. „Der starke Australien-Dollar kann die Inflation nur auf eine begrenzte Zeit kompensieren. Wir müssen uns also fragen, wie die Preise sich verhalten werden, wenn er sich stabilisiert oder gar an Wert verliert.“ Und da sieht der Zentralbankchef ein beträchtliches Risiko, vor allem durch die anhaltend hohe Binnennachfrage.

Rückendeckung von der OECD

Die Preissteigerung für Produkte, die nicht im internationalen Warenverkehr gehandelt werden, liegt jetzt schon bei rund 4 %. „Das muss nicht bedeuten, dass die Inflation tatsächlich auf 4 % hochschnellt, aber der Druck wird spürbar.“ Daher wundert es kaum, dass der RBA-Chef weitere Zinsschritte andeutet. „Wir haben bislang eine zu expansive Geldpolitik betrieben. Das war angemessen in Zeiten, in der die Weltkonjunktur für uns ein Risiko darstellte. Jetzt, da sich die Wirtschaft global erholt, wollen wir zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren.“

Rückendeckung erhält Macfarlane von der OECD. Sie empfiehlt der RBA in ihrem Economic Outlook, zur Sicherung einer langfristigen Preisstabilität eine neutrale geldpolitische Position einzunehmen. Macfarlane sieht das ähnlich. Angesichts einer Inflationsrate von 2,6 % hält er einen Zinssatz von rund 5,6 % für angemessen. „Es gibt aber keinen zwingenden Grund, sprunghaft zu diesem Niveau zu gelangen. Alles hängt davon ab, wie sich die Konjunktur entwickelt.“ Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die RBA noch in diesem Jahr erneut an der Zinsschraube drehen wird.

Die starke Nachfrage nach Immobilien, die sich manchen Experten zufolge zu einer handfesten Marktblase auswachsen könnte, gibt der RBA im derzeitigen Stadium noch keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge. „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Banken in Schwierigkeiten geraten, selbst wenn wir eines Tages einen scharfen Verfall der Hauspreise erleben sollten“, sagt Macfarlane.

Im Unterschied zu vielen australischen Exporteuren ist Macfarlane nicht so sehr von der derzeitigen Stärke (1A $ = 0,72 US Cent) der australischen Währung unangenehm überrascht. Überrascht zeigt er sich vielmehr von der Tatsache, dass sie zwischenzeitlich bis auf 0,47 Cent gesunken war. Der Aussie-Dollar reflektiere jetzt die Stärke der australischen Wirtschaft, die sich seit den frühen neunziger Jahren auf einem ununterbrochenen Höhenflug befindet. „In der vergangenen Dekade hat Australien alle OECD-Länder hinter sich gelassen,“ sagt er.

Das Geheimnis hinter dem australischen Wirtschaftswunder liegt für den Gouverneur in der überdurchschnittlichen Zuwanderung sowie der steigenden Produktivität, die „nicht einmal die USA“ erreicht haben. Macfarlkane: „Das ist der Lohn für Deregulierung und Privatisierung, eine funktionierende Wettbewerbspolitik, Zollsenkungen und Reformen auf dem Arbeitsmarkt.“

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