Zinssenkung

Knickt die Bundesbank ein?

Die Bundesbank hat lange Widerstand geleistet: Ein allzu lockere Geldpolitik war mit ihr nicht zu machen. Jetzt sind die deutschen Währungshüter anscheinend ein Stück weit eingeknickt. Der Euro gibt sofort nach.
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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Nach einem Medienbericht hat er nichts gegen eine Zinssenkung einzuwenden. Quelle: Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Nach einem Medienbericht hat er nichts gegen eine Zinssenkung einzuwenden.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Bundesbank hat sich lange gegen eine lockere Geldpolitik gewehrt. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ stimmen die deutschen Währungshüter nun aber einer Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen Insider. Als weitere Maßnahmen seien Strafzinsen für Banken denkbar, die Geld bei der EZB parken. Ein Programm zum Ankauf von Anleihen der Euro-Staaten, das sogenannte Quantitative Easing, lehnt die Bundesbank aber dem Bericht zufolge weiter ab.

An den Finanzmärkten machte die Nachricht schnell die Runde – was sich direkt am Euro ablesen ließ. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung fiel in kurzer Zeit um 0,4 Prozent auf 1,3700 Dollar.
Die Bundesbank hielt sich am Dienstag bedeckt. Es sei nicht neu, dass man die Geldpolitik der EZB bei Bedarf unterstütze, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen der deutschen Notenbank. Die Geldpolitiker schauten sich alle verfügbaren Daten an. „Der Inflationsprognose bis 2016 kommt dabei eine wichtige, aber nicht alles entscheidende Bedeutung bei“, hieß es weiter.

Die Inflationsrate in der Euro-Zone wird zunehmend wichtig für weiteren geldpolitischen Kurs der EZB. Nach Ansicht von Experten fällt die Inflation viel zu niedrig aus. Eine längere Phase mit niedriger Inflation oder sogar Deflation könnte die Konjunktur innerhalb der Euro-Zone abwürgen. EZB-Chef Mario Draghi hat bereits mehrfach vor dieser Gefahr gewarnt.

Auf ihrer Sitzung vergangene Woche beließ die EZB den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Draghi signalisierte aber, er sei bereit, bei der nächsten Sitzung am 5. Juni zu handeln.

  • rtr
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6 Kommentare zu "Zinssenkung: Knickt die Bundesbank ein?"

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  • Knickt die Bundesbank ein? Natürlich.
    Gab es jemals ernsthaften Widerstand der Bundesbank?

  • Noch nicht mitbekommen? Alle Zeichen stehen auf Abschaffung des Bargeldes. Leute holt Euer Geld vom Konto und verprasst es, am Besten in einem nicht EU Land.

  • Leute, holt Euch Euer Geld nach Hause! Lasst die Bankenzocker bei null Zinsen nicht noch mit Eurem Geld spielen! Mit Bargeld lässt sich gut umgehen!

  • Ein erster Vorgeschmack auf das, was die treu-doofen Wähler nach der EU-Wahl erwartet. Da werden wir für die schwachsinnige Eurorettung unseres Abnickvereins im Bundestag weiter ausgeplündert bis das Kartenhaus zusammenfällt. Und die beste "Alternativlos-Kanzlerin" aller Zeiten

    scheitert der Euro scheitert Europa
    der Euro ist eine Frage von Krieg und Frieden in Europa
    das Internet ist für uns Neuland
    die NSA-Affäre ist beendet

    wird dazu fettig lächeln!

  • Damit es auch der letzte Leser kapiert: Geldwertstabilität UND Wirtschaftswachstum (auf Pump) sind in einem ungedeckten Schuldgeldsystem nicht möglich. Die Kreditexpansion muss unter allen Umständen in diesem System fortgeführt werden. Die BuBa MUSS einknicken, sonst ist der Ofen aus.
    Man lese und staune:
    "Mit seinem wiederholt vorgetragenen Deflationsgemurmel gelang Greenspan also der Trick, die Zinsen trotz scharf anziehender Inflation nochmals zu drücken. Damit blies er zugleich die Bond-Blase noch weiter auf. Ja, es gelang ihm sogar das Kunststück, die ab 2000 spektakulär geplatzte Aktienbubble (der 90er Jahre) ab Sommer 2003 nochmals aufzublasen - und das vor dem Hintergrund noch immer (trotz des crashs) weit überhöhter Aktienkurse. Gigantische Blasen also bei Aktien, dann bei den Hypotheken, dann bei Immobilien, dann bei Bonds, und nun wieder bei Aktien: Greenspan, der Meister aller Blasen, ein wahrer Serien-Bubble-Künstler. Ganz am Ende wird er natürlich Recht behalten mit seiner Furcht vor Deflation und Depression, aber die tödliche Fallhöhe des Absturzes und die Tiefe des Abgrundes, in den die US-Wirtschaft (und mit ihr die Weltwirtschaft) stürzen wird, hat er selber mit seinem bis zu den Sternen aufgetürmten Scheingeld geschaffen."(Roland Baader: Geld, Gold und Gottspieler, S.107)
    Das ist übrigens von 2004(!!), weit vor der "Lehman-Krise" und ihren "Folgen", die man bekanntlich auch nur durch gigantisches welweites Gelddrucken "lösen" konnte.
    Greenspan hat also gelehrige Schüler gefunden (es bleibt ihnen ja auch keine andere Alternative).
    Erinnern wir uns auch, was er einmal so klar und deutlich über die Wahrscheinlichkeit eines amerikanischen Staasbankrotts geantwortet hat: "The United States can pay any debt it has, because we can always print money to do that. So there is zero probability of default."
    Die Kaufkraft der WeltleiDwährung und der von ihr abhängigen anderen Fiat-Währungen (EUR natürlich ebenso) wird sich da jedoch gleichfalls zero annähern.

  • Klar knickt auch Weidmann ein - ab einem bestimmten Punkt ist glaub ich alles egal. Keiner von diesen Typen will sich nachher vorwerfen lassen, er habe den Euro auf dem Gewissen, obwohl ihm dafür ein Orden gebührte. Und Draghi wird man ihn umhängen, auch wenn der Euro untergeht. In der Laudatio wird stehen "TROTZ aller Anstrengungen und unkonventionellen Maßnahmen seitens Herrn Draghi ist die Gemeinschaftswährung über den Jordan gegangen. Er hat sich stets bemüht." Was soll Herr Weidmann auch machen? Eine Kanzlerin, deren einziges Interesse ist, an der Macht zu bleiben, wird einen Teufel tun, ihm den Rücken zu stärken. Eine Heerschar von Südländern, die das Gegenteil dessen will, was Herr Weidmann will, ein potentieller Kommissionspräsident, der das Geld schneller ausgeben will, als er es einnimmt... Wo soll das enden? Ganz einfach: Erst wenn der ganze Elfenbeinturm zusammengeklappt ist, wird man wieder zur Besinnung kommen.

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