Zucker
Zwischen Wetterkapriolen und Knappheit

Der Anstieg der Zuckerpreise versüßt Investoren den Blick auf ihr Depot. Die Preise haben sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, nachdem Wetterkapriolen das Angebot am Weltmarkt deutlich verringert haben. Experten erwarten nun, dass der Zuckerpreis seine Rekordjagd schon bald wieder aufnehmen wird.
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LONDON/DÜSSELDORF. Bis August schienen die Zuckerpreise nicht zu bremsen und schossen steil nach oben. Seither schwanken die Notierungen des in New York gehandelten Kontrakts Nummer 11 um die Marke von 23 Cent je Pfund. Noch teurer war Zucker vor 28 Jahren, als er auf dem Rekordhoch von 44 Cent notierte.

Experten blicken vor allem auf die zwei Hauptproduzentenländer Brasilien und Indien. Dort sind die Ernten 2008/09 weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In Indien brachen die Erträge um fast die Hälfte auf nur 16 Mio. Tonnen ein. Grund dafür war der regenärmste Monsun seit 30 Jahren. In Brasilien, das über 40 Prozent der weltweiten Exporte an Rohzucker stellt, litt die Ernte dagegen unter übermäßigen Regenfällen.

"Es gibt guten Grund für die Annahme, dass Indien auch im nächsten Jahr ein Nettoimporteur von Zucker sein wird", sagte Nikhil Sawhney, Direktor des indischen Zuckerproduzenten Triveni der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie viel Zucker das Land dann einführen wird, hängt laut Sawhney auch von dem Weltpreisniveau ab. Nach fünf Mio. Tonnen an Exporten 2008/09 musste Indien in diesem Jahr einen Importbedarf von über vier Mio. Tonnen decken. Insgesamt beziffert das traditionsreiche Londoner Handelshaus Czarnikow das Defizit 2009/2010 auf acht Mio. Tonnen. Der internationale Zuckermarkt wurde laut Toby Cohen, Chefanalyst bei Czarnikow, von diesen Meldungen dominiert. Nun könne sich das Marktinteresse aber auf die enttäuschenden Erntezahlen aus Brasilien richten. Es lasse sich kaum noch vermeiden, "dass die Importeure von Zucker weltweit vor einem Versorgungsdefizit stehen". Um die Nachfrage zu dämpfen, müssten die Preise steigen.

John Drake, Chefhändler für Zucker bei Cargill, dem größten Agrarprodukthändler der Welt, hatte bereits im Frühjahr den internationalen Zuckerhandel mit der Prognose geschockt, Zucker werde im Jahresverlauf 40 Cent kosten. Die Versorgungslage heute sei "wesentlich dramatischer als die Engpässe 1973/74 oder 1980/81". Hussein Allidina, Analyst bei Morgan Stanley, geht nicht ganz so weit. Aber auch er hält für Anfang 2010 einen Zuckerpreis von knapp 30 Cents je Pfund für sehr wahrscheinlich.

Etwas zurückhaltender ist die Commerzbank. Sie erwartet, dass sich die Trends im nächsten Jahr umkehren: "Eine Ausweitung des Angebots dürfte dafür sorgen, dass die Preise für Zucker wieder fallen." Entscheidend sei die Ernte in Brasilien.

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