Zukunft der Energiemärkte Der nächste Ölpreisschock kommt bestimmt

Die Welt macht Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. Doch die Experten der Internationalen Energieagentur warnen: Der Ölpreis könnte bald extrem ansteigen, wenn die Branche nicht mehr investiert.
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Die Zahl der Elektroautos wird zwar bis 2040 deutlich steigen. Doch andere Sektoren werden den daraus folgenden Rückgang beim Ölbedarf wohl überkompensieren. Quelle: dpa
Autos im Stau

Die Zahl der Elektroautos wird zwar bis 2040 deutlich steigen. Doch andere Sektoren werden den daraus folgenden Rückgang beim Ölbedarf wohl überkompensieren.

(Foto: dpa)

LondonDie Autoren sparen nicht mit positiven Begriffen. Sie schreiben über signifikante Fortschritte, und wichtige Meilensteine, die erreicht wurden, über wirkungsvolle Aktionen und Regierungen, die in einigen Fällen sogar ihre Vorgaben übertreffen. Unter dem Strich kommen sie dennoch zu einem äußerst ernüchternden Ergebnis: Die Welt sei zwar auf einem guten Weg, etliche der Ziele, die auf dem Pariser Klimagipfel vor einem Jahr ausgegeben wurden, zu erreichen. „Das ist ausreichend, um den Anstieg an Kohlendioxid-Emissionen zu verlangsamen, aber bei weitem nicht genug, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen“, schreiben die Verfasser des jüngsten Weltenergieausblicks, den die Internationale Energieagentur (IEA) am Mittwoch in London vorgestellt hat.

Fatih Birol, Chef der Behörde, verstärkt die Botschaft: „Ja, es gibt gute Nachrichten“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt, aber es gebe noch mehr Risiken und Herausforderungen auf dem Weg in eine CO2-neutrale Welt. Dazu gehört ein möglicher Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, sobald Donald Trump Anfang nächsten Jahres ins Weiße Haus einzieht. „Das wird angesichts der Größe der US-Wirtschaft Konsequenzen haben, aber noch ist es zu früh darüber zu spekulieren“, sagt Birol.

Zu den Risiken gehört auch eine langsamere Abkehr von fossilen Brennstoffen, mit der die IEA rechnet. Damit widerspricht die Behörde einigen anderen Experten. Der Höhepunkt der globalen Ölnachfrage sei derzeit noch nicht in Sicht, so der IEA-Chef. Die Nachfrage werde zwar langsamer steigen als in den vergangenen Jahren, aber sie werde weiterhin zulegen und voraussichtlich nicht vor 2040 ihr Maximum erreichen.

Shell, einer der weltweit größten Ölförderer, erwartet dagegen, dass man den Höhepunkt möglicherweise schon in fünf bis 15 Jahren erleben wird. Die Opec, die Organisation erdölexportierender Staaten, hat erst jüngst prognostiziert, dass die Erdölnachfrage 15 Jahre nach der vollen Umsetzung des Pariser Abkommens auf ihrem Höhepunkt sein wird und mehr konventionelle betriebene Wagen durch Elektroautos ersetzt werden.

Zwar rechnet auch die IEA damit, dass die Zahl der Elektroautos von 1,3 Millionen im vergangenen Jahr auf 150 Millionen im Jahr 2040 steigen wird. Doch andere Sektoren würden diesen Rückgang beim Ölbedarf wohl überkompensieren, betont Birol. In dem zentralen Szenario, dass die Behörde in ihrem Weltenergieausblick skizziert, gehen die Experten daher davon aus, dass die Ölnachfrage von 92,5 Millionen Barrel pro Tag auf 103,5 Millionen Barrel pro Tag bis 2040 steigen wird. Diese Entwicklung werde vor allem durch Indien angetrieben, und China werde die USA als größte Nation unter den Ölverbrauchern ablösen, prognostizieren die IEA-Fachleute.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Gerade im Ölmarkt sieht die IEA noch eine weitere große Gefahr: dass es zu einem verhängnisvollen Zyklus kommen könnte und damit einer neuen Phase extrem hoher Ölpreise, wenn die Förderunternehmen nicht bald wieder mehr in die Erforschung und Erschließung neuer Ölfelder investieren.

Angesichts des Preisverfalls sei die Zahl der neu zugelassenen konventionellen Ölförderprojekte 2015 so niedrig gewesen wie zuletzt in den 1950-er Jahren. Das dürfte in diesem Jahr auf einem ähnlichen Niveau bleiben. „Sollte dies bis einschließlich 2017 oder länger andauern, wird es zunehmend unwahrscheinlich, dass Angebot und Nachfrage ohne rasante Preissteigerungen ausgeglichen werden können“, heißt es in dem IEA-Bericht. Um das zu verhindern, sei „eine noch nie dagewesene Anstrengung nötig“, sagt Tim Gould, einer der Autoren des IEA-Weltenergieausblicks.

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13 Kommentare zu "Zukunft der Energiemärkte: Der nächste Ölpreisschock kommt bestimmt"

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  • Nachdem ich heute soviel Kommentare zum Thema Atomenergie und erneuerbarer Energie geschrieben habe, werde ich in Zukunft Vorträge darüber halten.
    Habe nämlich ein paar interessante Anfragen bekommen, nachdem ich den Vergleich mit den Außerirdischen gezogen habe.
    Herr Däniken war auch dabei, und diesen verehre ich schon sehr lange.......

  • @Holger Narrog
    Kernfusion und Kernkraft sind Teile der Kernenergie.
    Es geht mir immer um die Kernforschung / Entwicklung als Ganzes.

  • Hallo Herr Hoffmann...ich denke nicht dass die Kernfusionsenergie den kommenden 100 Jahren eine wesentliche Rolle spielen wird.

    Bislang gibt es kein Konzept für die Kernfusion dass der Kernspaltung in wesentlichen Punkten überlegen ist. Bitte vergessen Sie nicht dass das Potential zur Nutzung der Kernspaltung bislang bei weitem nicht ausgenutzt ist*.

    * Vergessen Sie hierbei Phantasiereaktoren wie Quattrofluid oder dergleichen. Auch die reale Kernenergie hat noch viele Pfeile im Köcher.

  • wenn das öl bald alle ist muss die Elektroenrgie teurer gemacht werden. Eine Elektrosteuer muss auf den Weg gebracht werden, jetzt!

  • @Franz Paul
    Sie müssen mit den Energieträger und den Wissen auskommen, den wir hier auf der Erde haben/besitzen. Ein Außerirdischer wird auch seinen Energiedurst mit den Rohstoffen/Energieträgern stillen können, die er auf den jeweiligen Planeten vorfindet.
    Vorausgesetzt ein Außerirdischer kommt überhaupt mal bei uns vorbei.
    Mit Wind und Sonne wird er es auf jeden Fall nicht schaffen. Kernfusionsenergie kommt das schon besser an.

  • Ja so ist es, Die grünen Männchen haben das Gesetz zu "erneuerbaren Energie"
    geschrieben. Nur die Regierung kennt die Hintergründe und Verfahren zur Herstellung von der "erneuerbaren Energie". Es drägt sich mir der Verdacht auf, daß Frau Merkel die Pläne, für die "erneuerbare Energie" mit in ihr Grab nimmt.

  • Schon wieder ist mein Beitrag der Zensur zum Opfer gefallen. Was hab ich denn schlimmes geschrieben? @ marc hofmann: Statt der Atomenergie wären mir meine Ausserirdischen aber lieber gewesen. Ich gebe aber zu, ihre Version ist realistischer.

  • Wir schocken mal wieder die Deutschen und schüren ihre Ängst. Mann oh Mann...die Medien und ihre NGOs....ihr schockt so lange, bis es nur noch lächerlich wirkt.

    Wenn das Oel ausgehen sollte, dann wird man amdere Wege finden. Sonne und Wind werden jedoch nicht der Weg sein. Diese haben wir schon hinter uns. Die Kernenergie wird dann der Treiber für noch mehr Fortschritt und Wohlstand sein. Die Kernenergie erzeugt heute schon ausreichend billigen und zuverlässigen Strom/Energie.
    Mit Uran und Thorium ist der Energieträger unbegrenzt auf der Erde zu haben und wird uns tausende von Jahren billigen, zuverlässigen und in unbegrenzter Menge Strom und Energie zur Verfügung stellen.

  • es geht aktuell schon los!!!! Warnung SCHOCK!
    Öl (Brent) Realtime-Kurs46,58 +0,26%

  • vor wenigen Tagen gab es die Schlagzeile hier im HB "wegen Trump fällt der Ölpreis dramatisch" Chaos. Krise.
    Verstehe, wenn es keine Nachfrage mehr gibt, dann steigt der Preis ins unermessliche.

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