Zukunft des Bargelds
Der Zwist der Weisen

Ein Streit um die Bedeutung des Bargelds tobt: Ist es Mittel der persönlichen Freiheit, da es anonymes Bezahlen ermöglicht? Oder Werkzeug der Schattenwirtschaft? Selbst die fünf Wirtschaftsweisen sind sich nicht einig.
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Düsseldorf/FrankfurtMit Äußerungen im „Spiegel“ hat der Würzburger Wirtschaftsprofessor Peter Bofinger am Wochenende für Aufsehen gesorgt. Er forderte das Ende des Bargelds, da es genug technische Möglichkeiten zum Bezahlen gäbe. Der Vorteil seiner Meinung nach: Schwarzarbeit und Geldwäsche könnten so besser bekämpft werden. Im Handelsblatt argumentiert Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff ähnlich.

Doch Bofinger – Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung („Fünf Weisen“) – bekommt aus dem Experten-Gremium heftigen Gegenwind. „Bofinger vernachlässigt offenbar die verfassungspolitischen Aspekte dieses Vorschlags“, so Lars Feld, Freiburger Wirtschaftswissenschaftler und ebenfalls einer der „Fünf Weisen“ zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bargeld habe eben nicht nur die Zahlungsfunktion, sondern ermögliche es auch, die Währung dem Zugriff des Staates zu entziehen, so Feld. Bargeld sei „geprägte Freiheit“.

Auch Verbraucherschützer argumentieren ähnlich. „Der Tod des Bargeldes wäre falsch, da an Online-Zahlungen gerne mit verdient wird und Daten neugierig machen“, sagt Klaus Müller, Vorsitzender des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.

In den vergangenen Monaten ist wegen der Niedrigzins-Politik die eher akademisch geführte Debatte zur Bargeld-Abschaffung aufgeflammt. Grund: Etwa in der Schweiz bemühen sich selbst institutionelle Anleger darum, Bargeld in großen Mengen zu halten, um auf Geschäftskonten nicht dem negativen Zins ausgesetzt zu sein.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Zukunft des Bargelds: Der Zwist der Weisen"

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  • In der Diskussion wegen der Bargeldabschaffung geht es den Befürwortern eigentlich darum, das Geld der Sparer, die es im Strumpf oder unter dem Kopfkissen angesichts des Abzockerverhaltens der Regierungen und aus Angst vor Bankenpleiten aufbewahren, zu vernichten. Was sind schon 1 % oder 2 % Negativzins, wenn mit einem Schlag vielleicht 10 % verbrannt werden können. Das Motiv Schwarzgeld ist genau so verlogen, wie die vollzogene Aufgabe des Bankgeheimnisses zur Enttarnung von Terroristen oder Drogenkurieren. Übrigens: Bofinger fällt schon immer wegen seiner kruden Ideen auf... Einfach zu viel Silvaner!

  • Die Abschaffung von Bargeld bedeutet eigentlich einen Fortschritt, wenn die Bundesbank die Buchgeldforderung gegen die Bank garantiert wie beim Papiergeld. Insofern muss ein reines Zahlungssystem installiert werden, welches unabhängig von einem Kredit- und Investmentsystem agiert. Genau das sehen die Vorschläge aber nicht vor, weswegen man zurecht andere als Fortschrittsinteressen vermutet. Der Staat - auch wenn man das nicht hören mag - ist da noch der mit Abstand fairste Partner im System: totale parlamentarische Kontrolle, strenge Bindung an Gesetze und Grundrechte, richterliche Überprüfung staatlicher Massnahmen und Transparenz - das bietet keine Bank, keine Lebensversicherung. Nicht einmal die Konzernlenker von Banken und Versicherungen wissen eigentlich genau, welche komplexen Risiken sie sich aufgeladen haben. Sie sind persönlich überwiegend lediglich Aktionären verantwortlich, nicht den Kunden, deren Geld sie verwalten. Zahlungsverkehr ist Daseinsvorsorge und muss wie Trinkwasser dem Risiko entzogen sein, das kann nur der Staat garantieren. Wenn er das ohne Bargeld schafft, warum nicht.

  • Hach wie schön, wenn das Bargeld abgeschaft wird, dann stören uns auch nicht mehr die Bettler in den Innenstädten. Hat schon mal einer daran gedacht, dass dann deren Geschäftssystem zerstört wird. Dann bleibt Bettler Bettler!

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