Zukunftsstoff Lithium
Wie Boliviens größter Schatz ungehoben bleibt

Mit dem Boom der Elektro-Autos könnte das Lebenselixier der Akkus, Lithium, knapp werden. Bolivien hat die größten Ressourcen der Welt – ausländische Investoren stehen bereit, aber das Land sucht den Alleingang.
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LA PAZ/UYUNI. Lithiumcarbonat ist ein unauffälliges Pulver. Es ist noch leicht feucht, fein und weiß, wenn es in der Fabrik vom Band fällt. In Kunststoffsäcken tonnenweise verpackt, liegt es wie Mehl oder Zement da: Nur ein weiterer Rohstoff für die Industrie, der über die Meere verschifft wird?

Nicht ganz, denn Lithiumcarbonat wird eine große Zukunft prophezeit. Es ist der wichtigste Bestandteil aufladbarer Batterien, der Lithium-Ionen-Akkus. Sie halten Millionen Laptops, Handys und Smartphones am Laufen - und sie sollen auch der Automobilindustrie den Weg in eine neue Boomzeit ebnen. Die Branche soll weg vom knappen Öl, hin zu einer sauberen, klimafreundlichen Mobilität. So gibt es die Politik vor, und Autohersteller in aller Welt arbeiten daran. Lithium-Ionen-Akkus sind das derzeit aussichtsreichste Modell, um die Antriebsenergie von Elektro- und Hybridautos zu speichern.

Doch sollten Elektro-Autos den Markt in den nächsten Jahrzehnten erobern, könnte Lithium schnell knapp werden. In höheren Konzentrationen tritt das Leichtmetall in Mineralquellen, Salinen und im Meerwasser kaum auf. Das Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung rechnet damit, dass es im Jahr 2050 bei der Versorgung eng werden könnte, falls Autos mit Verbrennungsmotor bis dahin weitgehend vom Markt verdrängt sind.

Der Wettlauf um die globalen Lithium-Vorräte ist längst entbrannt. Lithium wird derzeit vor allem in Chile gefördert, aber auch in Argentinien, den USA und China. Rund 13 Mio. Tonnen sind mit existierenden Methoden abbaubar, schätzt der US Geological Survey, die Wissenschaftsbehörde des amerikanischen Innenministeriums. 5,4 Mio. Tonnen liegen in Bolivien, mehr als irgendwo sonst. Die Ressourcen des Landes werden gar auf neun von weltweit 25,5 Mio. Tonnen geschätzt.

Den größten Anteil am Lithium-Weltmarkt haben die chilenische Aktiengesellschaft SQM und die deutsche Chemetall, die laut Chemetall jeweils rund 30 Prozent des Marktes besetzen. In Chile und in Nevada stellt Chemetall derzeit mehr als 30 000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr her, etwa ein Viertel der weltweiten Nachfrage. Ein Ausbau auf mehr als 50 000 Tonnen sei geplant, sagt Chemetall-Sprecher Thomas Krause. "Wir haben viele Besucher, vor allem aus der japanischen Automobilindustrie. Sie zeigen uns Charts der künftigen Nachfrage, und die ist unglaublich. Wir müssen vorbereitet sein", ergänzt sein chilenischer Kollege Andrés Barrientos.

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  • Ich finde den Artikel interessant. Um besser zu verstehen, warum Bolivien so an der Lithium-Industrialisierung im eigenen Land festhält, empfehle ich dieses neue Buch zum Thema: http://www.amazon.de/Das-weiße-Gold-Zukunft-Bolivien/dp/3867891265

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