Aktienemissionen Tech-Börsengänge geraten ins Abseits

Die ehrgeizige Vorgabe der Bundesregierung, jährlich 15 bis 20 Börsengänge junger Unternehmen zu sehen, ist derzeit völlig unrealistisch. Das britische Brexit-Votum hat die Stimmung zusätzlich eingetrübt.
Weltweit brachen die IPO-Erlöse im ersten Halbjahr laut dem Informationsdienstleister Dealogic um 54 Prozent ein.
Einbruch

Weltweit brachen die IPO-Erlöse im ersten Halbjahr laut dem Informationsdienstleister Dealogic um 54 Prozent ein.

FrankfurtEs war ein erlauchter Kreis von Experten, der sich im Herbst vergangenen Jahres bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zusammenfand. Zu den Mitgliedern des „Round Table“ für „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland“ zählten unter anderen der damalige Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts, oder auch KfW-Vorständin Ingrid Hengster.

Das 19-köpfige Gremium kam zu einer sportlichen Vorgabe für den Börsenstandort Deutschland: Ziel müsse sein, 15 bis 20 „nachhaltig erfolgreiche Börsengänge von Wachstumsunternehmen“ pro Jahr zu realisieren. Das war der Anspruch – doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Laut einer exklusiven Analyse von Barkow Consulting gab es 2015 mit dem virtuellen Babyausstatter Windeln.de gerade einmal einen Börsengang (Initial Public Offering, IPO), der die Kriterien erfüllt hat. Und auch 2016 sieht es trübe aus. Zwar bereicherten mit dem Biotech-Unternehmen Brain, dem Windradbauer Senvion und der Fintech-Firma MyBucks drei Newcomer den Kurszettel – aber teilweise waren die Emissionen extrem klein oder aber schon länger im Markt und somit kein junges Technologieunternehmen mehr.

„Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass IPOs von jungen deutschen Wachstumsunternehmen absoluten Seltenheitswert haben. Eine Zielvorgabe von 15 bis 20 dieser IPOs per annum scheint daher aktuell sehr ambitioniert“, meint Geschäftsführer Peter Barkow von Barkow Consulting.

So verdienen Sie Geld an der Börse
Der erste Schritt
1 von 9

Börsenneulinge, die einen Teil ihres Geldes in Aktien, Fonds und ETFs investieren wollen, um ihr Erspartes zu vermehren, brauchen zunächst ein Depot. Wie das funktioniert und was es kostet, erklären wir in wenigen Schritten. Grundlage dafür ist eine Übersicht der Frankfurter Börse gewesen.

Das Depot
2 von 9

Um an der Börse mitmachen zu können, müssen Sie ein Depot bei einer klassischen Bank oder einem Discountbroker eröffnen. Dabei können Leistungen, Konditionen und Gebühren sehr unterschiedlich sein – je nachdem, wie Sie das Depot nutzen möchten. Daher lohnt sich vorab ein genauer Vergleich der Angebote.

Was kostet es?
3 von 9

Zur Orientierung finden sich im Netz etliche Broker-Vergleiche. Häufig sind Depots bei klassischen Banken teurer als bei Discountbrokern; was unter anderem daran liegt, dass Letztere keine Beratung anbieten und auch keine Filialen haben. Angebracht kann eine Bankberatung aber durchaus sein, wenn Sie eine hohe Summe über mehrere Jahre anlegen wollen. Achten Sie bei kostenlosen Depots aber genau aufs Kleingedruckte: die Verwaltungsgebühren sind häufig nur dann günstig, wenn auch regelmäßig gehandelt wird. Andernfalls können zusätzliche Kosten anfallen.

Wie wird das Depot aktiviert?
4 von 9

Keine Panik, geht alles ganz einfach. Wenn Sie ein Depot bei einem Online-Broker eröffnet und alle Daten im Anmeldeformular ausgefüllt haben, müssen Sie sich danach mit Ihrem Personalausweis über eine Postfiliale identifizieren. Sonst könnte sich ja jemand anderes einfach in Ihrem Namen anmelden. Hat der Postbeamte ihre Identität geprüft und ihr ausgedrucktes Anmelde-Formular unterschrieben, senden Sie die Unterlagen per Post zur Depotbank Ihrer Wahl. Die Zugangsdaten für Ihr eigenes Online-Depot liegen dann nach ein paar Tagen in Ihrem Briefkasten.

Welcher Risikotyp?
5 von 9

Bei der Depot-Eröffnung werden Sie auch nach Ihrer Börsenerfahrung gefragt; das ist gesetzlich vorgeschrieben und im Wertpapierhandelsgesetzt verankert. Schließlich ist der Handel mit Wertpapieren immer mit Risiken verbunden, über die Sie aufgeklärt werden müssen. Die Depotbank überträgt durch dieses Prozedere die Haftung auf ihre Kunden. Es gibt auch Broker, die bei jeder Transaktion noch mal gesondert auf ein mögliches Risiko hinweisen.

Was kaufen?
6 von 9

Für Börsenneulinge, die über einen längeren Zeitraum in einer Anlage investiert bleiben wollen, kann sich ein Aktienfonds anbieten, bei dem sogenannte Fondsmanager die konkrete Auswahl der Aktien übernehmen – dafür aber auch für ihre Leistungen eine Gebühr berechnen. Umgehen lässt sich das, wenn man in Indexfonds (ETFs) investiert, die einzelne Aktienindizes abbilden und deren Kursentwicklung unmittelbar folgen. Eine einzelne Aktie bietet sich dann an, wenn sie sich „ein Stück von Unternehmen x“ kaufen möchten. Dann sind Sie als Aktionär an dem Unternehmen beteiligt, werden zu den Hauptversammlungen eingeladen und Jahr für Jahr mit einer Dividende am Konzerngewinn beteiligt.

Wie teuer ist das Handeln?
7 von 9

Die sogenannten Order-Kosten können von Bank zu Bank und von Broker zu Broker stark schwanken. Überlegen Sie also gut, wie oft Sie handeln wollen und wie groß die Aufträge jeweils sind – gerade bei kleinen Auftragsgrößen können Mindestgebühren schnell zu Buche schlagen. Auch hier bieten die Broker-Vergleiche im Netz eine gute Übersicht, welcher Anbieter für welche Situationen der Günstigste ist.

Das Bundeswirtschaftsministerium räumte kürzlich auf Anfrage ein, dass die Empfehlung im Abschlussbericht der Arbeitsgruppen mit 15 bis 20 IPOs ambitioniert sei. „Nichtsdestotrotz ist es wichtig, die Messlatte bewusst hoch zu legen. Die Zahl ist – wenn man andere Börsenstandorte betrachtet – keineswegs unrealistisch“, teilte das Ministerium auf Anfrage des Handelsblatts mit. Das Ministerium „will diese Größenordnung als langfristiges Ziel im Blick behalten“, heißt es weiter. „Die Experten im Round Table haben deutlich gemacht, dass diese Größenordnung für einen Börsenstandort Frankfurt erreichbar sein sollte, wenn man zum Vergleich das Börsengeschehen an anderen großen Börsen betrachtet.“

Einbruch der IPO-Erlöse
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%