Aktienemissionen
Tech-Börsengänge geraten ins Abseits

Die ehrgeizige Vorgabe der Bundesregierung, jährlich 15 bis 20 Börsengänge junger Unternehmen zu sehen, ist derzeit völlig unrealistisch. Das britische Brexit-Votum hat die Stimmung zusätzlich eingetrübt.

FrankfurtEs war ein erlauchter Kreis von Experten, der sich im Herbst vergangenen Jahres bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zusammenfand. Zu den Mitgliedern des „Round Table“ für „Mehr Börsengänge von jungen Wachstumsunternehmen in Deutschland“ zählten unter anderen der damalige Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts, oder auch KfW-Vorständin Ingrid Hengster.

Das 19-köpfige Gremium kam zu einer sportlichen Vorgabe für den Börsenstandort Deutschland: Ziel müsse sein, 15 bis 20 „nachhaltig erfolgreiche Börsengänge von Wachstumsunternehmen“ pro Jahr zu realisieren. Das war der Anspruch – doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Laut einer exklusiven Analyse von Barkow Consulting gab es 2015 mit dem virtuellen Babyausstatter Windeln.de gerade einmal einen Börsengang (Initial Public Offering, IPO), der die Kriterien erfüllt hat. Und auch 2016 sieht es trübe aus. Zwar bereicherten mit dem Biotech-Unternehmen Brain, dem Windradbauer Senvion und der Fintech-Firma MyBucks drei Newcomer den Kurszettel – aber teilweise waren die Emissionen extrem klein oder aber schon länger im Markt und somit kein junges Technologieunternehmen mehr.

„Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass IPOs von jungen deutschen Wachstumsunternehmen absoluten Seltenheitswert haben. Eine Zielvorgabe von 15 bis 20 dieser IPOs per annum scheint daher aktuell sehr ambitioniert“, meint Geschäftsführer Peter Barkow von Barkow Consulting.

Das Bundeswirtschaftsministerium räumte kürzlich auf Anfrage ein, dass die Empfehlung im Abschlussbericht der Arbeitsgruppen mit 15 bis 20 IPOs ambitioniert sei. „Nichtsdestotrotz ist es wichtig, die Messlatte bewusst hoch zu legen. Die Zahl ist – wenn man andere Börsenstandorte betrachtet – keineswegs unrealistisch“, teilte das Ministerium auf Anfrage des Handelsblatts mit. Das Ministerium „will diese Größenordnung als langfristiges Ziel im Blick behalten“, heißt es weiter. „Die Experten im Round Table haben deutlich gemacht, dass diese Größenordnung für einen Börsenstandort Frankfurt erreichbar sein sollte, wenn man zum Vergleich das Börsengeschehen an anderen großen Börsen betrachtet.“

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Einbruch der IPO-Erlöse

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