Börse für Ausländer

Saudis wollen Investoren anlocken

Saudi-Arabien öffnet seinen abgeschotteten Aktienmarkt – so können Ausländer künftig erstmals an Börsengängen saudischer Firmen teilhaben. Doch dem Königsreich macht derzeit einiges zu schaffen.
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Dem Königreich brechen die Einnahmen weg - und der IWF warnt: Riad soll die Ausgaben reduzieren. Quelle: ap
König Salman (rechts)

Dem Königreich brechen die Einnahmen weg - und der IWF warnt: Riad soll die Ausgaben reduzieren.

(Foto: ap)

BerlinDie Revolution in Saudi-Arabien geht weiter: Nach den spektakulären Umbesetzungen in Thronfolge und Regierung vergangene Woche öffnet der Golf-Staat jetzt seinen bisher abgeschotteten Aktienmarkt für Ausländer. Bisher war es für Investoren ohne saudischen Pass äußerst schwer, die im Tadawul-Index von Riad gehandelten Papiere zu kaufen. Und das, obwohl Saudi-Arabien die größte Volkswirtschaft der Golf-Region und der Tadawul der bedeutendste Index ist.

Mit der Öffnung lenkt Riad etwas ab vom dramatischen Wechsel an der Führungsspitze und den dringenden Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Staatsausgaben des weltgrößten Ölexporteurs deutlich zu senken.

Um ein Überspringen der Revolte zu verhindern, hatte Saudi-Arabien nach Ausbruch des Arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten Megaprojekte für mehr als eine Billion Dollar aufgelegt. Dutzende nagelneue Industriestädte, Kliniken überall im Land, Universitäten, Hunderttausende Wohnungen und neue Industrien sollen aus dem Wüstensand gestampft werden. So hoffte Riad, die stark wachsende Gruppe der Jugendlichen im bevölkerungsreichsten arabischen Golfstaat zufriedenstellen zu können. Hinzu kamen massive Lohnerhöhungen für Staatsbedienstete und große Geldgeschenke an das Volk.

Seitdem der Ölpreis sich binnen eines halben Jahres fast halbiert hat, gerät auch Saudi-Arabien, die Vormacht des sunnitischen Islam, unter Druck: „Es besteht großer Bedarf für eine fiskalische Konsolidierung“, sagte der für den Mittleren Osten zuständige IWF-Direktor Masood Ahmed kürzlich in einem Interview in Dubai. „Ausgaben und Staatseinnahmen müssen wieder in eine engere Relation gebracht werden.“ Und die Öleinnahmen müssten besser für künftige Generationen angespart werden.

Bei diesen Börsengängen würden Investoren Kasse machen
Snapchat
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„Wir haben einen Plan, wie wir das machen werden“: Snapchat-Gründer Evan Spiegel will seine Firma an die Börse bringen. Es könnte der nächste Milliarden-Börsengang aus dem Silicon Valley werden. In den vergangenen Finanzierungsrunden war Snapchat von Investoren nach Medienberichten mit 15 und 19 Milliarden Dollar (13,7 bis 17,5 Mrd Euro) bewertet worden.

Snapdeal
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CEO Kunal Bahl: Sein Unternehmen gehört in Indien zu den größten E-Commerce-Anbietern im Land. Investoren haben sich an dem digitalen Marktplatz (Bekleidung, PCs, Spielzeug, Möbel, Autos) mit 1 Milliarde Euro beteiligt. Das macht Snapdeal zu einem milliardenschweren Startup. Der Unternehmenswert soll bei 2 Milliarden Euro liegen. Business Standard rechnet für 2016/2017 mit einem Börsengang.

Meituan
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Meituan ist Chinas Antwort auf das amerikanische Startup Groupon, das diverse Webseiten mit Rabatt-Angeboten und Restaurant-Reservierungen betreibt. 1 Milliarde Euro hat das Jungunternehmen bei Investoren schon eingesammelt und wird auf einen Unternehmenswert von 6,4 Milliarden Euro geschätzt. Techcrunch berichtet, dass das Startup mit einem IPO noch bis 2017 warten könnte.

(Bild: Screenshot Homepage)

Space-x
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Elon Musk, Gründer des kalifornischen Startups und Tesla-Chef, muss diese Frage oft beantworten: Wann endlich wagt Space-X, die Raketenfirma, die seit 2012 im Auftrag der Nasa Frachtkapseln zur Raumstation ISS fliegt, den Sprung an die Börse? Gegenüber Bloomberg Businessweek soll Musk gesagt haben, er werde mit der Weltraumfirma erst dann an die Börse gehen, wenn er „ganz regelmäßig der Mars anfliegt.“ Nun ja. Investoren – unter anderem auch der US-Suchmaschinengigant Google – pumpten bereits 1 Milliarde Euro in das Jungunternehmen, der Firmenwert wird aktuell auf elf Milliarden Euro geschätzt.

(Bild: Screenshot Homepage)

Pinterest
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Auch die beliebte Social-Media-Plattform für Fotos – Nutzer haben über 30 Milliarden Bilder dort gespeichert – ist bei Investoren angesagt. Das Startup hat gut 1 Milliarden Euro eingesammelt, was den Unternehmenswert bislang auf geschätzt 10,1 Milliarden Euro getrieben hat. Forbes rechnet noch in diesem Jahr mit einem IPO.

Delivery Hero
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Begehrt bei Investoren wie Rocket Internet: Der Online-Lieferdienst Delivery Hero – hierzulande auch bekannt unter Lieferheld. Die Plattform, deren Unternehmenswert mit 1,7 Milliarden Euro beziffert wird, bietet in 24 Ländern die Möglichkeit, Essen in Gaststätten über das Internet zu bestellen und geliefert zu bekommen. Eingenommenes Kapital: 1,1 Milliarden Euro. Auch dieses Berliner Unternehmen rüstet sich laut CEO Niklas Östberg für einen Börsengang. Noch völlig offen sei aber, ob das in diesem Jahr oder erst 2016 geschieht.

(Bild: Screenshot Homepage)

Bloom Energy
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Das kalifornische Startup Bloom Energy entwickelt Mini-Kraftwerke aus Brennstoffzellen, mit denen sich billig und umweltschonend Strom erzeugen lässt. Investoren haben 1,1 Milliarden Euro in die Cleantech-Firma gesteckt, womit der Unternehmenswert bei 2,7 Milliarden Euro liegt. Spekuliert wird in der Szene über einen IPO schon länger – einzig Firmenchef K.R. Sridhar mag sich dazu nicht äußern.

(Bild: Pressefoto)

Die Bilanz der Saudis färbt sich immer stärker rot. Schuld sind nicht nur die massiven Ausgabenprogramme für Megaprojekte - darunter der mehr als einen Kilometer hohe „Kingdom Tower“, das größte Hochhaus der Welt. Auch die steigenden Rüstungsausgaben für den Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat sowie der Militäreinsatz gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen gehen ins Geld. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes auf „Negativ“ gesetzt, da das Etatdefizit deutlich größer ausfallen dürfte.

Die Ölexporte tragen 90 Prozent zu den Staatseinnahmen Saudi-Arabiens bei. Allein im Februar und März hat die Regierung 36 Milliarden Dollar - fünf Prozent der Devisenreserven der Zentralbank - für den Staatskonsum ausgegeben.

Nun will der neue König Salman, der mit den Megaprojekten die saudische Wirtschaft über den Öl- und Gassektor hinaus zu diversifizieren plant, zugleich Ausländer in sein Reich locken. Zum 15. Juni wird der bisher versperrte Aktienmarkt für Ausländer geöffnet. „Wir freuen uns sehr über das dann fließende ausländische Kapital“, begründete der Chef der Kapitalmarktaufsicht CMA, Mohammed Al-Jadaan die Öffnung. Vor allem gehe es Riad um Investments institutioneller Anleger. So dürften Ausländer künftig erstmals an Börsengängen saudischer Firmen teilhaben. Vor allem Frankreich hat die wachsende Bedeutung der Golf-Region erkannt: So nahm Präsident François Hollande vergangene Woche als erster ausländischer Staatschef an einem Treffen des mächtiger werdenden Golf-Kopperationsrats teil.

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