Börsengang
Wenn es auf dem Parkett rutschig wird

Der Börsengang ist eine Fingerübung? Von wegen. Zahlreiche Firmen unterschätzen die Kosten, die beim Gang aufs Parkett anfallen. Und manchmal zeigen Investoren nur die kalte Schulter. Wie kann es dennoch klappen?
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KölnUwe Bögershausen ist zufrieden: „Mit der Eröffnung unseres Vertriebsbüros in Singapur rücken wir näher an unsere asiatischen Kunden heran“, sagt der Finanzvorstand von SLM Solutions anlässlich der bevorstehenden Eröffnung der dortigen Niederlassung im September dieses Jahres. Damit setzt der Hersteller von 3D-Druckern seine angekündigte Strategie in die Tat um. Das Vertriebsnetz soll ausgebaut werden.

Das Lübecker Unternehmen muss schnell wachsen, um sich in dem jungen dynamischen Markt mit wenigen aufstrebenden Anbietern zu behaupten. Ein Zukauf ist deshalb auch noch geplant. Das nötige Kapital ist vorhanden – obwohl SLM nur gut 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aber im Mai war das Unternehmen an die Börse gegangen und nahm dadurch 75 Millionen Euro ein.

Lange mieden Firmen das deutsche Parkett. In den vergangenen beiden Jahren gab es dort nur 13 Neuemissionen. In diesem Jahr ist SLM Solutions eines von voraussichtlich zehn bis 15 Unternehmen, die hierzulande den Schritt an die Börse wagen. Und Experten sind zuversichtlich, dass sich diese Zahl stabilisieren könnte: „Es steigt der Mut, diesen Schritt zu wagen“, sagt Nadja Picard, Kapitalmarktexpertin bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften Pricewaterhouse Coopers.

Denn die Rahmenbedingungen sind gut wie lange nicht mehr. Der Dax steht konstant hoch, die lange währende Niedrigzinsphase scheint noch länger anzuhalten, hinzu kommen einige Börsendebüts der jüngeren Vergangenheit. Doch der Weg aufs Parkett und seine Folgen werden längst nicht von jedem Unternehmer richtig eingeschätzt. „Man wähnt sich gerne an der Börse, aber die Konsequenzen unterschätzen Unternehmer oft“, sagt Picard.

Vielen Kandidaten ist nicht klar, welche Art Investoren sie überhaupt ansprechen wollen. Tatsächlich erwägen auch Unternehmen mit geringer Profitabilität einen Börsengang. Eine hohe Profitabilität sei keine Voraussetzung, sagt Picard. Aber: „Stoßen Unternehmen dort auf Investoren mit hoher Dividendenerwartung, können sie die nicht erfüllen.“ Die Folge: Investoren stoßen die Aktie ab, der Kurs fällt.

Auch deshalb ist die Auswahl der begleitenden Bank wichtig. Denn vor dem Börsengang platziert sie die Anteile bei Investoren und beeinflusst damit maßgeblich, ob die angepeilte Summe tatsächlich eingenommen wird. „Man muss sich genau anschauen, welche Investoren eine Bank liefern kann“, empfiehlt Picard.

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Unternehmer sind sich über die Mehrkosten nicht im Klaren

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