Deutsche Firmen wagen IPOs

Vor der großen Börsenwelle

Die Börsianer sehen einen großen Boom voraus. Bis zum Sommer drängen namhafte Kandidaten auf das Parkett. Mindestens fünf Firmen stehen kurz vor Abschluss der Vorbereitungen. Doch nicht jeder IPO wird ein Erfolg werden.
Kommentieren
Die große IPO-Welle steht bevor: Doch nicht jeder Ritt wird gelingen. Quelle: ap
Wellenreiter in Kalifornien

Die große IPO-Welle steht bevor: Doch nicht jeder Ritt wird gelingen.

(Foto: ap)

FrankfurtDen Rekord-Börsengang des chinesischen Onlinekonzerns Alibaba im vergangenen September vor Augen, hofften die Börsianer im neuen Jahr auf reichlich Nachschub – auch in Deutschland. Was dem Englischlehrer Jack Ma mit dem Konzern aus Hangzhou gelungen war, sollte in kleinerem Maßstab auch in Deutschland machbar sein, dachten die Investmentbanker. Doch bislang wurden die Hoffnungen enttäuscht. Es blieb vor allem bei großen Plänen und vielen Worten.

Von den zum Jahreswechsel erwarteten insgesamt 15 Börsengängen fehlte bislang jede Spur. Das Geschäft lief nach dem ersten Börsengang durch den drittgrößten Kabelbetreiber Tele Columbus und dem finnischen Kleinkreditanbieter Ferratum Oyj nur sehr zäh an. Erst in den letzten Wochen folgten die Neuemissionen von Sixt Leasing und Windeln.de.

Doch kurz vor den Ferien wird es jetzt ernst: „Fünf Börsengänge bis zum Start der Sommerpause im Juli sind eine realistische Zahl. Auch Finanzinvestoren suchen den Gang an die Börse, um sich von Beteiligungen zu trennen“, sagt Armin Heuberger, der bei der Schweizer Großbank UBS das Geschäft mit Aktienemissionen im deutschsprachigen Raum leitet. Was er aber nicht sagt, ist, dass es hier insgesamt um ein Volumen von mindestens zwei Milliarden Euro geht.

Das sind die nächsten Börsenkandidaten in Deutschland
Chorus Cleam Emergy - Wind- und Solaranlagenbetreiber
1 von 19

Erstnotiz: 3. Juli. Preisspanne: 9,75 bis 12,50 Euro. Zeichnungsfrist: 22. Juni bis 1. Juli. Emissionsvolumen: bis zu 124 Millionen Euro, davon 100 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: 300 bis 400 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: 86 Prozent (vorher 60,5 Prozent). Begleitende Banken: Berenberg, BHF-Bank. Eigentümer: Peter Heidecker (20,7 Prozent), ehemalige KG-Fondsanleger (60,5 Prozent), weitere Investoren.

Deutsche Pfandbriefbank - Immobilienfinanzierer
2 von 19

Erstnotiz: im Juli geplant. Emissionsvolumen: mehr als eine Milliarde Euro aus Altbesitz. Bewertung: 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro. Streubesitz nach Börsengang: 75 bis 80 Prozent. Begleitende Banken: Deutsche Bank, Citi. Eigentümer: Bundesrepublik Deutschland über den Bankenrettungsfonds SoFFin.

Delivery Hero-Investor German Startups Group - Wagniskapitalfinanzierer
3 von 19

Erstnotiz: im Juli erwartet (im Entry Standard). Emissionsvolumen: 60 bis 70 Millionen Euro (erwartet), fast ausschließlich aus Kapitalerhöhung. Begleitende Bank: Commerzbank. Eigentümer: Investoren um Gründer Christoph Gerlinger und Familie.

CBR - Modehandel, "Street One", "Cecil"
4 von 19

Erstnotiz: 2. Juli erwartet. Preisspanne: 14 bis 18 Euro. Zeichnungsfrist: 23. Juni bis 1. Juli. Emissionsvolumen: bis zu 292 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: rund 650 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: 47 Prozent. Begleitende Banken: Deutsche Bank, Goldman Sachs. Eigentümer: EQT (Finanzinvestor).

BGP - Wohnungsgesellschaft
5 von 19

Erstnotiz: noch vor der Sommerpause erwartet. Bewertung: 1,3 Milliarden Euro (inklusive Schulden). Emissionsvolumen: bis zu 500 Millionen Euro (geschätzt). Begleitende Banken: JPMorgan, Credit Suisse, BNP Paribas und Berenberg. Eigentümer: zahlreiche Einzelinvestoren.

Ado Properties - Wohnungsgesellschaft
6 von 19

Erstnotiz: 30. Juni. Preisspanne: 20 bis 25 Euro. Zeichnungsfrist: bis 29. Juni. Emissionsvolumen: bis zu 528 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: bis zu 825 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: rund 60 Prozent. Begleitende Banken: UBS, Kempen. Eigentümer: Ado Group (Israel).

Jost Werke - Lkw-Zulieferer
7 von 19

Erstnotiz: im Herbst erwartet (Verkauf wird parallel geprüft). Bewertung: mehr als 700 Millionen Euro (erwartet). Begleitende Banken: JPMorgan, Deutsche Bank, Commerzbank. Eigentümer: Cinven.

Auch nennt er nicht die heißen Kandidaten, die in den Endvorbereitungen stecken. Dabei ist aus Finanzkreisen zu hören, dass dazu die Parfümeriekette Douglas, die Wafer-Tochter Siltronic von Wacker Chemie, der Modehändler CBR, der Immobilienkonzern Aurelis sowie die Wohnungsgesellschaft Ado Properties ‧gehören. Und bei Douglas, der Beteiligung des Finanzinvestors Advent, geht es immerhin um ein Volumen von deutlich über einer Milliarde Euro, wie aus Finanzkreisen verlautet.

Ein großer Brocken könnte auch die Deutsche Pfandbriefbank werden, die bis Ende des Jahres verkauft werden muss. In den nächsten zwei bis drei Wochen wird die Entscheidung fallen, ob es zu einem Börsengang kommt oder ein Verkauf an einen Strategen erfolgt. Hier sind noch drei Kandidaten im Rennen, berichten Finanzkreise. Dazu zählen der chinesische Versicherer Anbang sowie der Finanzinvestor Blackstone. Doch die Chancen für einen Börsengang werden unverändert als gut eingeschätzt.

Attraktiv bewertete Aktien
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Deutsche Firmen wagen IPOs - Vor der großen Börsenwelle

0 Kommentare zu "Deutsche Firmen wagen IPOs: Vor der großen Börsenwelle"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%