Fitbit-IPO
Genug Kondition?

Der Zeitpunkt für den Börsengang ist für das Unternehmen Fitbit günstig – aber gilt das auch für die potentiellen Anleger? Die sollten genau hinsehen, was aus dem Branchen-Pionier mit Fitness-Armbändern in Zukunft wird.
  • 0

DüsseldorfMit seinen Fitness-Armbändern und - Uhren will Fitbit die Menschen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren. Nun zeigt das US-Unternehmen, dass es selbst in beeindruckender Form ist: Die Zahlen, die es im Zuge seines geplanten Börsengangs vorgelegt hat, übertreffen alle Erwartungen. Damit sich die Aktie für Anleger lohnt, muss der Hersteller aber beweisen, dass ihm auf der Langstrecke nicht die Puste ausgeht.

Fitbit ist einer der ersten Anbieter von modernen Fitness-Gerätschaften, der an die Börse geht. Die Zahlen bestätigen, dass es sich um ein veritables und profitables Geschäft handelt: 2014 verkaufte das Unternehmen fast elf Millionen Geräte und verdreifachte damit den Umsatz auf 745 Millionen Dollar. Und anders als viele Internet-Firmen ist der Pionier hochprofitabel: Als Gewinn blieben 132 Millionen Dollar.

Das erste Quartal bestätigt diesen Trend, in diesem Jahr dürfte der Marktführer mehr als eine Milliarde Dollar erwirtschaften. Die Gründer bekommen den verdienten Lohn dafür, dass sie frühzeitig den Trend zu den Fitness-Gadgets erkannt haben.

Ob die Aktie mit dem Kürzel FIT für Aktionäre ein gutes Investment ist, bleibt indes unklar. Das hängt zunächst vom Preis ab: Weil die Zahlen stark sind und die Anleger die Börsen derzeit mit Geld fluten, dürfte die Firma eine ambitionierte Erstnotierung anstreben - wer dabei sein will, wird mit Sicherheit einen hohen Preis zahlen.

Gleichzeitig wird Fitbit auch in Zukunft stark wachsen müssen. Und daran sind trotz der blendenden Zahlen zumindest Zweifel angebracht. Die Trainingshelfer werden zwar nach Einschätzung von Experten zum Massenprodukt, wovon Fitbit als bekannte Marke profitieren dürfte. Allerdings wächst mit dem Markt auch der Wettbewerb: Spezialhersteller wie Garmin und Jawbone bauen konkurrenzfähige Trainingsgeräte, während chinesische Hersteller mit Kampfpreisen um die Kundschaft buhlen. Und dann sind da noch Adidas und Nike.

Gleichzeitig werfen die großen Elektronikkonzerne zahlreiche Smartwatch-Modelle auf den Markt, die neben vielen anderen Dingen auch Schritte zählen und zu mehr Aktivität motivieren - allen voran Apple mit seiner neuen Watch. Es ist gut möglich, dass die Alleskönner mit der Zeit die Spezialisten in die Nische drängen.

Überdies offenbaren die Fitbit-Zahlen eine bedenkliche Tendenz: Viele Nutzer lassen die Fitness-Tracker nach einer Zeit in der Schublade liegen. Nur ungefähr 50 Prozent aller Käufer sind heute noch aktiv, derzeit 9,5 Millionen. Dass die anderen ihre Motivationshelfer alle zwei Jahren ersetzen, wie beim Smartphone üblich, ist unwahrscheinlich. Fazit: Der Zeitpunkt für den Börsengang ist fürs Unternehmen günstig - Anleger sollten allerdings genau hinsehen, ob das auch für sie gilt.

Kommentare zu " Fitbit-IPO: Genug Kondition?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%