Großbritannien

Das Ende des Börsenblues

Vor den Wahlen wagten nur wenige Unternehmen in London Aktienemissionen. Das dürfte sich jetzt ändern und zahlreiche IPO-Kandidaten machen sich hübsch fürs Parkett.
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Andrew Thorburn, Chef der National Australia Bank: "Es gehört zu unseren Prioritäten, aus dem britischen Geschäft auszusteigen und Clydesdale an die Börse zu bringen." Quelle: Getty Images

Andrew Thorburn, Chef der National Australia Bank: "Es gehört zu unseren Prioritäten, aus dem britischen Geschäft auszusteigen und Clydesdale an die Börse zu bringen."

(Foto: Getty Images)

LondonDer Zeitpunkt galt als denkbar ungünstig: Ausgerechnet an dem Maitag, an dem die Briten ihr neues Parlament wählten, ging Curtis Banks an die Börse. Für den Anbieter privater Altersvorsorgepläne zahlte sich dieser Mut aber am Ende aus. Um gut acht Prozent sind die Titel am ersten Handelstag gestiegen. 7,5 Millionen Pfund (zehn Millionen Euro) brachte der Sprung aufs Parkett ein - Geld, mit dem das Unternehmen seine Expansion finanzieren will.

Eine Reihe anderer britischer Börsenkandidaten hat ihre Pläne wegen der erwarteten Untersicherheit über den Wahlausgang dagegen aufgeschoben. "Die werden jetzt das Zeitfenster bis zur Sommerpause dafür nutzen", heißt es nun unter Investmentbankern. "Denn die wahlbedingte Flaute dürfte vorbei sein."

Zu diesen Unternehmen gehören unter anderem die Hotelbetreibergesellschaft Elegant Hotels und die britische Anwaltskanzlei Gateley, die ihre Erstnotierung an der Wachstumsbörse AIM der London Stock Exchange für Ende Mai planen. Der Online-Musik-Shop Gear4Music dürfte im Juni folgen.

Investmentbanker erwarten, dass nach und nach aber auch deutlich größere Unternehmen ihre Börsenpläne umsetzen - etwa der Ferienparkbetreiber Center Parcs und der Sicherheitssoftwarehersteller Sophos. Center Parcs gehört der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone und wird mit insgesamt etwa 2,5 Milliarden Pfund bewertet. Finanzkreisen zufolge ist allerdings noch nicht endgültig klar, ob Blackstone das Unternehmen an die Börse bringt oder an andere Private-Equity-Investoren verkauft.

Das sind die nächsten Börsenkandidaten in Deutschland
Chorus Cleam Emergy - Wind- und Solaranlagenbetreiber
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Erstnotiz: 3. Juli. Preisspanne: 9,75 bis 12,50 Euro. Zeichnungsfrist: 22. Juni bis 1. Juli. Emissionsvolumen: bis zu 124 Millionen Euro, davon 100 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: 300 bis 400 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: 86 Prozent (vorher 60,5 Prozent). Begleitende Banken: Berenberg, BHF-Bank. Eigentümer: Peter Heidecker (20,7 Prozent), ehemalige KG-Fondsanleger (60,5 Prozent), weitere Investoren.

Deutsche Pfandbriefbank - Immobilienfinanzierer
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Erstnotiz: im Juli geplant. Emissionsvolumen: mehr als eine Milliarde Euro aus Altbesitz. Bewertung: 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro. Streubesitz nach Börsengang: 75 bis 80 Prozent. Begleitende Banken: Deutsche Bank, Citi. Eigentümer: Bundesrepublik Deutschland über den Bankenrettungsfonds SoFFin.

Delivery Hero-Investor German Startups Group - Wagniskapitalfinanzierer
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Erstnotiz: im Juli erwartet (im Entry Standard). Emissionsvolumen: 60 bis 70 Millionen Euro (erwartet), fast ausschließlich aus Kapitalerhöhung. Begleitende Bank: Commerzbank. Eigentümer: Investoren um Gründer Christoph Gerlinger und Familie.

CBR - Modehandel, "Street One", "Cecil"
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Erstnotiz: 2. Juli erwartet. Preisspanne: 14 bis 18 Euro. Zeichnungsfrist: 23. Juni bis 1. Juli. Emissionsvolumen: bis zu 292 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: rund 650 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: 47 Prozent. Begleitende Banken: Deutsche Bank, Goldman Sachs. Eigentümer: EQT (Finanzinvestor).

BGP - Wohnungsgesellschaft
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Erstnotiz: noch vor der Sommerpause erwartet. Bewertung: 1,3 Milliarden Euro (inklusive Schulden). Emissionsvolumen: bis zu 500 Millionen Euro (geschätzt). Begleitende Banken: JPMorgan, Credit Suisse, BNP Paribas und Berenberg. Eigentümer: zahlreiche Einzelinvestoren.

Ado Properties - Wohnungsgesellschaft
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Erstnotiz: 30. Juni. Preisspanne: 20 bis 25 Euro. Zeichnungsfrist: bis 29. Juni. Emissionsvolumen: bis zu 528 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Bewertung: bis zu 825 Millionen Euro. Streubesitz nach Börsengang: rund 60 Prozent. Begleitende Banken: UBS, Kempen. Eigentümer: Ado Group (Israel).

Jost Werke - Lkw-Zulieferer
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Erstnotiz: im Herbst erwartet (Verkauf wird parallel geprüft). Bewertung: mehr als 700 Millionen Euro (erwartet). Begleitende Banken: JPMorgan, Deutsche Bank, Commerzbank. Eigentümer: Cinven.

Zu den IPO-Kandidaten zählt auch die Clydesdale Bank, die der National Australia Bank gehört. Die Mutter hat erst jüngst bekräftigt, die britische Tochtergesellschaft noch bis zum Jahresende in London an die Börse bringen zu wollen.

Clydesdale-Konkurrenten wie Shawbrook und Aldermore haben sich dagegen beeilt, um dieses Vorhaben bereits vor den Parlamentswahlen umzusetzen. Fachleute hatten lange Zeit damit gerechnet, dass es unklare Mehrheitsverhältnisse bei den Parlamentswahlen geben würde und die anschließenden Koalitionsverhandlungen sich hinziehen dürften. Das hatte nicht nur das Geschäft mit Börsengängen, sondern auch die britische Währung und den Aktienmarkt teilweise belastet.

Wider Erwarten hat es aber der konservative Premier David Cameron von der Tory-Partei geschafft, im Amt zu bleiben. Dafür braucht er zudem keinen Koalitionspartner mehr. Das hat nach den Wahlen vor allem kleineren britischen Unternehmen, die im FTSE 250 vertreten sind, Auftrieb gegeben. Der Börsenindex hat zuletzt ein Rekordhoch erreicht.

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