Herausforderung IPO
So meistern Sie den Börsengang

Quartalszahlen, Pflichtmitteilungen, internationale Buchhaltung: Der Kapitalmarkt fordert ein hohes Maß an Transparenz. Insbesondere für scheue Mittelständler ist der Gang aufs Parkett eine enorme Herausforderung.
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KölnEin knappes Jahr an der Frankfurter Börse ist überstanden. Und mittlerweile sind auch die Mitarbeiter von Bastei Lübbe richtig angekommen: „Natürlich bricht alle drei Monate die Hektik aus“, sagt Thomas Schierack, Vorstandsvorsitzender des Kölner Verlagshauses, „aber man entwickelt relativ schnell eine gewisse Routine. So hoch springt der Puls jetzt nicht mehr.“ Die fälligen Quartalsberichte wurden geliefert, der erste Geschäftsbericht präsentiert. „Eigentlich lief alles recht glatt bislang“, bilanziert Schierack.
Mittelständische Unternehmen, die in den vergangenen Jahren den Schritt aufs Parkett gewagt haben, sind rar. Bremsend wirkt nicht allein das allgemeine Börsenklima. Viele scheuen auch die organisatorischen Herausforderungen: Vom Berichtswesen bis zur richtigen Unternehmensführung – vor einem Börsengang muss intern einiges auf den Prüfstand. Der gemeinsame Nenner im Unterschied zu vorherigen Strukturen: „Am Kapitalmarkt wird ein erhebliches Maß an Transparenz von den Unternehmen gefordert“, sagt Thomas Fräbel, Kapitalmarktrechtsexperte bei Rödl & Partner.

Eine Pflichtübung ist dabei das Reporting, also das ordnungsgemäße Aufbereiten und Veröffentlichen der Geschäftszahlen. Während GmbH-Unternehmen das in der Regel nur einmal im Jahr machen, werden am Kapitalmarkt regelmäßig Informationen verlangt. Statt der Hausbank lesen plötzlich auch Analysten, Investoren und Journalisten mit – und haken nach, wenn sie etwa über zu kühne Expansionspläne stolpern. „Das sind Themen, die für ein Unternehmen häufig neu sind“, sagt Lutz Krämer, Leiter der Bereiche Corporate und Capital Markets der Anwaltssozietät White & Case in Deutschland. „Plötzlich wird man von verschiedenen Seiten angegangen.“

Viele Unternehmen üben den Weg an die Börse mit der Ausgabe einer Anleihe, die ebenfalls Publizitätspflichten mit sich bringt. Ansonsten ist es spätestens mit dem Wertpapierprospekt mit den Geheimnissen vorbei: „Da müssen die Unternehmen das erste Mal Interna im großen Maße offenlegen, das ist für Mittelständler schon ein Thema“, sagt Fräbel.
Denn wo vorher häufig Verschwiegenheit zur Geschäftsphilosophie gehörte, drohen an der Börse hohe Bußgelder bei zu langsamen Reaktionen. Das gilt insbesondere für sogenannte Pflichtmitteilungen, die das Unternehmen veröffentlichen muss, wenn erhebliche Auswirkungen auf den Börsenkurs drohen. „Wichtig ist vor allem der zeitliche Vorlauf, da kann man eigentlich nicht früh genug anfangen“, sagt Krämer. „Ab Tag eins nach dem Börsengang bleibt keine Zeit mehr zum Üben.“

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