Immobilienbranche
Officefirst-Aktien waren Investoren zu teuer

Der Büroimmobilienkonzern Officefirst legt seine Börsenpläne auf Eis, eine kurzfristige Neuauflage der Pläne ist nicht ausgeschlossen. Die begleitenden Institute, unter anderem die Deutsche Bank, waren gegen die Absage.

BerlinDer zweitgrößte Börsengang des Jahres ist abgesagt: Die Investoren, um die der Vorstand des Büroimmobilienkonzerns Officefirst eine Woche lang weltweit geworben hatte, waren nicht bereit, den geforderten Preis für die Aktien zu zahlen, wie Vorstandschef Michiel Jaski am Dienstag in Bonn einräumte.

Die Tochter der vor drei Jahren in die Pleite gerutschten IVG machte unter anderem den Abwärtstrend bei Immobilienaktien dafür verantwortlich. Der Aktienkurs des größten deutschen Konkurrenten Alstria hat binnen einer Woche mehr als fünf Prozent nachgegeben, der Index der größten europäischen Immobilienunternehmen um mehr als sechs Prozent. Die Erstnotiz war für Freitag geplant. Doch ist laut Finanzkreisen nicht ausgeschlossen, dass Officefirst seine Pläne kurzfristig wiederbelebt. „Wir stehen weiterhin zu einem Börsengang“, sagte ein Sprecher.

Mit bis zu 888 Millionen Euro wäre Officefirst der zweitgrößte Börsengang des Jahres in Deutschland gewesen, nach der RWE -Ökostromtochter Innogy. Das Unternehmen mit knapp 100 Büro- und Gewerbeimmobilien in ganz Deutschland wäre damit mit bis zu 1,8 Milliarden Euro bewertet worden. Den Investoren war das offenbar zu viel.

Auch nach gut einer Woche reichten die Zeichnungsaufträge nicht aus, um die Bücher wenigstens einmal zu füllen. Die Preisspanne von 21 bis 23 Euro sei zu ambitioniert gewesen, sagte ein Investmentbanker. Auf eine Senkung der Spanne wollten sich die IVG-Eigentümer – rund 30 Hedgefonds – aber nicht einlassen. Sie zogen am Montagabend die Reißleine, obwohl die begleitenden Banken empfahlen, noch zu warten. Organisiert wurde die Emission von den Investmentbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank.

Officefirst hatte 335 Millionen Euro aus dem Börsengang eigentlich dafür eingeplant, einen Teil seiner 1,9 Milliarden Euro Schulden zu tilgen. „Officefirst ist durchfinanziert, die nötige Flexibilität ist da“, betonte der Firmensprecher.

Die Hedgefonds, die bei der Office-First-Muttergesellschaft IVG nach deren Pleite das Kommando übernommen hatten, hatten auf eine hohe Bewertung für Officefirst gedrängt. Einigen von ihnen droht sonst aus ihrem Engagement ein Verlust. Am oberen Ende der Preisspanne von 21 bis 23 Euro wäre der Eigentümer von knapp 100 Büro- und Geschäftshäusern in Deutschland auf einen Börsenwert von gut 1,8 Milliarden Euro gekommen. „Man braucht jetzt erst einmal Zeit, sich zu sortieren“, sagte ein Insider.

Ein Vorbild könnte sich OfficeFirst am Wohnimmobilienkonzern Deutsche Annington nehmen. Der hatte 2013 seinen Börsengang abgeblasen - und ihn wenige Tage später deutlich verkleinert mit einer Blitz-Platzierung in nur zwei Tagen wieder aufgenommen. Zwei Jahre später stieg die heutige Vonovia in den Dax auf. Officefirst könnte mit dem vorliegenden Börsenprospekt noch bis Mitte November an die Börse gehen. Von einer Emission rund um die US-Präsidentenwahl am 8. November raten Investmentbanker aber ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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