IPO der RWE-Tochter Innogy holt alles raus

Der Börsengang des neuen Energieunternehmens ist geglückt: RWE und Innogy können die Preisspanne komplett ausreizen. Vor allem Investoren aus Großbritannien und den USA haben zugegriffen.
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Innogy Aktie kommt mit Maximalpreis auf den Markt

FrankfurtPeter Terium lässt es sich nicht nehmen, am Freitag mit der Glocke den Handel an der Frankfurter Börse einzuläuten. Der RWE-Chef wird aber auch bester Laune sein: Der Börsengang der „grünen“ Tochter Innogy, die Terium aktuell in Personalunion führt, ist perfekt geglückt.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen werden die Aktien zum Maximalpreis platziert, die Preisspanne von 32 bis 36 Euro wird komplett ausgereizt. Damit erlösen RWE und Innogy bei der Platzierung von 25 Prozent der Aktien rund fünf Milliarden Euro und Innogy wird insgesamt mit 20 Milliarden Euro bewertet. Das neue Unternehmen ist damit aus dem Stand heraus der wertvollste deutsche Energiekonzern. Zum Vergleich: RWE alleine ist aktuell weniger als neun Milliarden Euro wert und die langjährige Nummer eins, Eon weniger als zwölf Milliarden Euro.

Die Bücher werden zwar erst am frühen Nachmittag geschlossen – und es wird bis zum Abend dauern bis Vorstände und Aufsichtsräte den Ausgabepreis gebilligt haben. Wie es in den Finanzkreisen hieß, wurde den Investoren aber schon mitgeteilt, dass Gebote unter 36 Euro nicht berücksichtigt werden und den Geldgebern wurde angeboten, niedrigere Offerten nachzubessern.

Während der Zeichnungsfrist, die am Montag vor einer Woche startete, meldeten sich vor allem Investoren aus Großbritannien und den USA. Nach vorläufigen Daten dürften 45 Prozent der Anteile an britische Anleger gehen und 25 bis 30 Prozent in die US, fünf Prozent werden Anleger aus Deutschland übernehmen und der Rest ist über Kontinentaleuropa verteilt. Vor allem langfristig orientierte Fonds griffen zu.

Investoren griffen zu, weil es ein deutsches Asset sei, eine stabile Dividende winke und Innogy verlässliche Einnahmen generieren werden. Das sei alles „ideal im Niedrigzinsumfeld“, sagte ein Insider. Ein kluger Schachzug war es offenbar auch, dass schon im Vorfeld Blackrock als Ankerinvestor gewonnen wurde. Die Vermögensverwalter sagte fest zu, Aktien im Volumen von 940 Millionen Euro abzunehmen.

RWE-Chef Peter Terium hatte Ende 2015 mit der Ankündigung überrascht, den Energiekonzern aufzuspalten. Er reagiert damit auf die Energiewende und die Probleme im bisherigen Kerngeschäft, dem Betrieb der Gas- und Kohlekraftwerke. Dort sind die Erträge dramatisch eingebrochen, weil die Kraftwerke durch Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt werden.

Im April spaltete RWE das Geschäft mit der Energiewende, die Bereiche Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien in das neue Unternehmen Innogy ab. Innogy kommt auf einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten wird nach Abschluss des Konzernumbaus bei rund 40.000 liegen. RWE soll zwar auch langfristig die Mehrheit an Innogy behalten. Operativ ist der Konzern aber nur noch für die Kohle- und Gaskraftwerke und den Großhandel verantwortlich.

Wo gibt es die meisten Börsengänge?
Quelle
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Das Online-Portal Statista zeigt die Länder mit den meisten durchgeführten Börsengängen im Jahr 2014. Zugeordnet wurden die IPOs hierbei nach Unternehmenssitz. Die Angaben für Anfang Januar bis Ende Dezember basieren auf bis zum 04. Dezember durchgeführten Börsengängen sowie bis zum Jahresende erwarteten Börsengängen. Los geht's mit Rang 6, der größten Demokratie der Welt...

Platz 6: Indien
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Indien ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Mehr als 1,3 Milliarden Menschen leben hier. Seit Narendra Modi im Mai 2014 zum Premierminister gewählt wurde, hat die indische Börse – der bedeutendste Aktienindex ist hier der BSE Sensex - einen Sprung von gut 40 Prozent gemacht. Mit zuletzt rund fünf Prozent Wachstum gehört das Land zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Im vergangenen Jahr wagten gut 44 Unternehmen den Sprung aufs Parkett.

Platz 5: Australien
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In Australien leben geschätzt mehr als 23,5 Millionen Einwohner und die Wirtschaft wächst – seit mehr als 20 Jahren. Dominiert wird sie vom Dienstleistungssektor der laut Auswärtigem Amt 80 Prozent des BIP ausmacht. Der Landwirtschafts- und Bergbauanteil am BIP liegt zwar nur bei rund 10 Prozent, ist aber mit insgesamt rund 70 Prozent Anteil an Australiens Exporten erheblich. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen Zukunftsbranchen wie Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Commerce, Bio-, Nano- und Medizintechnologie. Wichtigster Leitindex ist der All Ordinaries. Im Jahr 2014 fanden 68 Börsengänge statt. 

Platz 4: Japan
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In Japan – die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China - gingen im Jahr 2014 gut 83 Unternehmen an die Börse. Wichtigster Leitindex mit Unternehmen wie Sony, Honda oder Nikon ist hier der Nikkei, der noch im April mehrfach die Marke von 20.000 Punkten übersprungen hat – dies war ihm 15 Jahre lang nicht gelungen. Derzeit pumpt die Zentralbank noch viel billiges Geld in die Wirtschaft, um die Konjunktur nach Jahren der Flaute wieder in Gang zu bringen. Experten gehen davon aus, dass die Konjunktur sich von der Erholungs- in eine expansive Phase bewegt.

Platz 3: Großbritannien
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Der wichtigste Leitindex von Großbritannien ist der FTSE 100, der in den letzten drei Jahren um rund 30 Prozent zugelegt hat. Eine gute Stimmung für IPOs: 2014 haben 92 Unternehmen einen Börsengang gewagt. Einen der größten Börsengänge in 2015 gab es gerade im April, als die Internetplattform Auto Trader (Marktwert 3,26 Milliarden Euro) erfolgreich in den Londoner Aktienmarkt gestartet ist. Die Wirtschaft legte allerdings zwischen Januar und März nur noch um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu und damit so wenig wie seit Ende 2012 nicht mehr. Zuvor hatte die Konjunktur so stark wie in kaum einem anderen großen Industrieland geboomt. Die Bank of England hält den Leitzins seit mehr als sechs Jahren auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent.

Platz 2: China
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Im bevölkerungsreichsten Land der Erde – hier leben rund 1,4 Milliarden Menschen – kommt die Industrie derzeit nicht richtig in die Gänge und auch die Dienstleistungsbranche muss kämpfen. Der Wirtschaft in China fehlen die Impulse. Die Regierung in Peking erwartet für dieses Jahr lediglich einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von rund sieben Prozent. 2014 waren es 7,4 Prozent. Das war die schwächste Rate seit 24 Jahren. Dennoch liegt das Land beim Thema Börsengänge auf dem zweiten Platz: Im Jahr 2014 gab es 206 IPOs.

Platz 1: USA
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Amerika - der Superheld in Sachen IPOs. Im vergangenen Jahr wagten hier 222 Unternehmen den Schritt an die Börse. Kein Wunder, die Stimmung im Land war gut, 2014 legte der Dow Jones – der weltweit meist beachtete Leitindex – um gut zehn Prozent zu. Zudem fand hier letztes Jahr der größte Börsengang aller Zeiten statt: der IPO des chinesischen Ecommerce-Handelsplattform Alibaba mit einem Emissionsvolumen von 25 Milliarden US-Dollar.

Zehn Prozent der nun angebotenen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung von Innogy. Der Erlös von rund zwei Milliarden Euro kommt dem neuen Unternehmen zugute. Es kann in Zukunftsfelder investieren. Die restlichen Aktien hat RWE angeboten. Den Erlös behält der Konzern zum Abbau seiner Schulden.

Vor vier Wochen hatte schon Konkurrent Eon einen Börsengang gemeistert. Teriums Konkurrent Johannes Teyssen hatte seinem Konzern schon Ende 2014 eine Aufspaltung verordnet. Auch er reagierte auf die schwierigen Rahmenbedingungen – allerdings hatte er sich für einen anderen Weg entschieden. Eon hat im neuen Unternehmen Uniper das alte Geschäft mit den Kraftwerken, den Großhandel und die Gasproduktion abgespalten. Eon selbst konzentriert sich auf Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien – wie jetzt Innogy.

Für Terium ist der Börsengang seine letzte große Amtshandlung als RWE-Chef. Er wird in den nächsten Tagen die Leitung von RWE an seinen bisherigen Vize Rolf Martin Schmitz abgeben – und sich auf die Leitung von Innogy konzentrieren.

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