Kommentar zum Alibaba-Börsengang
Einzelaktien, nein Danke!

Börsianer rund um den Globus schauen heute an die Wall Street. Mit Alibaba steht ein gigantischer Börsengang an. Auch viele Privatanleger wollen dabei sein. Ein Fehler. Sie sollten die Finger von Einzeltiteln lassen.
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Auch ich bin gespannt, wie das Debüt auf dem Parkett laufen wird. Die Alibaba-Aktien kommen zu 68 Dollar an die New York Stock Exchange (Nyse), und stehen damit am oberen Ende der zwischenzeitlich erhöhten Preisspanne. Experten gehen sogar davon aus, dass der Kurs am ersten Handelstag noch einmal kräftig zulegt. Zehn bis 15 Prozent könnten es sein. Viele prognostizieren der Aktie des chinesischen Internetkonzerns eine rosige Zukunft.

Trotzdem würde ich Alibaba niemals kaufen. Das hat aber nichts mit dem Geschäftsmodell oder der Bewertung der Internetplattform zu tun. Ich kaufe grundsätzlich keine Einzeltitel mehr. Das ist mir viel zu riskant.

Natürlich bin ich nach wie vor überzeugte Aktionärin. Aktien gehören in jedes Depot. Und das nicht nur in Zeiten, in denen die Notenbanken rund um den Globus die Zinsen praktisch abgeschafft haben. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen, Beteiligungen am weltweiten Produktivvermögen. Langfristig sind sie die lukrativste Anlageklasse.

Privatanleger sollten aber lieber über Fonds auf Aktien setzen. Die Auswahl der Titel sollten wir Profis überlassen. Natürlich liegen auch die nicht immer richtig. Dennoch haben sie das bessere Handwerkszeug, um Unternehmenskennzahlen und Märkte zu analysieren.

Im Fall von Alibaba ist die Analyse gar nicht so einfach. Die rechtliche Struktur des Internetkonzerns sät Misstrauen: eine Holding auf den Kaimaninseln, Gesellschaften in China. Auf der anderen Seite stehen gigantische Chancen: Immerhin sind eine halbe Milliarde Chinesen heute noch nicht online. Viele Experten erwarten, dass Alibaba eine Gewinnmaschine bleibt. Den Neuaktionären wäre das zu wünschen.

Trotzdem würde ich die Aktie nicht kaufen, sondern lieber auf Fonds setzen. Oder noch besser: börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs). Sie bilden einen Index – beispielsweise den Dax oder den Dow Jones – eins zu eins ab und sind kostengünstig. Mit ihnen erziele ich immer die Kursentwicklung des gesamten Index. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Mit Fonds und ETFs streue ich das Risiko, kann aber trotzdem auf die Wachstumsmärkte der Zukunft setzen. Die Internetbranche, und allen voran Alibaba gehört sicherlich dazu. Etliche Fonds werden den Börsenneuling sicher schnell ins Depot nehmen, das gleiche gilt für Indizes. Ein kleines Stücken Alibaba haben also viele Investoren schon bald im Depot – auch ich.

Entpuppt sich der chinesische Internetkonzern schließlich doch als Luftnummer, wird sich der Schaden für breit investierte Anleger in Grenzen halten. Wer die einzelne Aktie kauft, setzt sein Geld einem viel zu hohen Risiko aus. Das gilt nicht nur für Alibaba, sondern für jede Aktie. Denn die wenigsten Privatanleger verfügen über genügend Kapital, um es mit Einzelaktien breit genug zu streuen.

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

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