Konzerne spalten Töchter ab
Teile und herrsche . . .

. . . lautete das Motto der Könige. Moderne Konzernlenker eifern ihnen nach. Bayer, Eon, Adidas, Siemens: Eine Reihe milliardenschwerer Konzernabspaltungen drängt in Deutschland an die Börse. Eine Chance für Anleger?
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FrankfurtDeutschland - ein Land von Aktienmuffeln. Gerade einmal 8,4 Millionen Deutsche besitzen börsennotierte Unternehmensanteile oder Aktienfonds. Die Aktionärsquote liegt bei 13,1 Prozent im Vergleich zu satten 56 Prozent in den USA. Auch deshalb fällt das Volumen von Börsengängen meist eher bescheiden aus, auch wenn es vergangenes Jahr mit 3,4 Milliarden Euro ausnahmsweise ordentlich war. Doch die mageren Zeiten sind vorbei. In den nächsten Jahren werden Spin-offs, Firmenabspaltungen, für eine Welle von Mega-Emissionen sorgen.

„Es verstärkt sich der Trend, dass sich Unternehmen von nicht-strategischen Geschäftsbereichen trennen. Immer öfter geschieht das über einen Spin-off“, sagt Klaus Fröhlich, der das Kapitalmarktgeschäft für Deutschland und Österreich bei Morgan Stanley führt. Ein Spin-off ist die Abspaltung einer Geschäftseinheit aus einem Unternehmen. Die Aktionäre der Mutter erhalten „statt einer satten Dividende Anteile an einer neuen börsennotierten Gesellschaft“, erläutert Andreas Bernstorff, beim deutschen Ableger von Citi für Aktienplatzierungen zuständig.

Als Favorit für einen Spin-off zählt neben dem Bayer-Konzern, der sein Chemiegeschäft abspaltet, auch der Energieriese Eon, der sein konventionelles Kraftwerksgeschäft auslagern möchte. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Kandidaten, bei denen Investoren und Banker Druck auf eine Ausgliederung machen. In diese Gruppe fällt beispielsweise der Bereich Medizintechnik von Siemens sowie die Edelstahlsparte Inoxum von Thyssen-Krupp. Außerdem könnte die Postbank im Zuge der neuen Strategie der Mutter Deutsche Bank und Teile des Sportartikelkonzerns Adidas den Weg auf das Parkett finden.

Für Fondsmanager Ingo Speich ist Adidas ein typischer Fall, bei dem ein Spin-off Sinn ergeben würde. „Um sich auf die Kernmarke Adidas zu konzentrieren, braucht der Sportkonzern keinen Golfausrüster. Zudem muss sich das Management fragen, ob Reebok separat eine bessere Zukunft hätte“, meint der Anlageprofi von Union Investment. Grundsätzlich gilt: „Unternehmenskonglomerate müssen mit einem Abschlag auf dem Börsenkurs leben. Das Problem kann sich durch Abspaltungen lösen“, erklärt Bernstorff.

Sollte Bayer tatsächlich den Bereich Material Science an den Markt bringen, könnte allein diese eine Platzierung so viel einspielen, wie 90 Prozent aller deutschen Börsengänge im Jahr 2014. Experten rechnen mit einem Volumen von bis zu drei Milliarden Euro. Bayer will seine Kunststoffsparte verselbstständigen. „Wir haben die Weichen gestellt, die die Zukunft unseres Unternehmens auf lange Sicht prägen werden“, hatte Bayer-Chef Marijn Dekkers bei der Bilanzvorlage Ende Februar betont. Der Konzern arbeitet mit Hochdruck an den Vorbereitungen, so dass die Tochter im zweiten Halbjahr 2015 an der Börse starten könnte, wie es in Finanzkreisen heißt.

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