Pro
Dem Mutigen gehört die Stunde

Wenn Anleger nur Negatives sehen und nicht abwägen zwischen dem, was schlecht ist, und Argumenten, die für Börsengänge sprechen, sollten sie ihr Geld gleich unter das Kopfkissen legen. Das gilt auch für Rocket Internet.
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DüsseldorfEin Hoch auf die Bedenkenträger. Was gibt es nicht alles für Gründe, nicht in Aktien wie Alibaba und Zalando zu investieren. Bleiben wir bei Alibaba: Die rechtliche Struktur des Internetkonzerns sät Misstrauen mit einer Holding auf den Kaimaninseln, einer Steueroase, und Gesellschaften in China. Ohnehin weiß keiner, wie die chinesische Regierung in ein, zwei Jahren zu Alibaba steht. Vielleicht verbietet sie die Internetplattform. Außerdem bringt das wenig gefestigte chinesische Rechtssystem große Unsicherheiten mit sich. Gleichzeitig machen die Altaktionäre Kasse. Ein schlechtes Zeichen. Das haben wir doch in Zeiten der Blase am Neuen Markt schon gesehen. Alles gute Argumente. Aber geschenkt.

Ernsthaft. Wenn Anleger immer nur das Negative herauspicken und nicht wirklich abwägen zwischen dem, was schlecht ist, und Argumenten, die für ein Investment sprechen, sollten sie ihr Geld am besten gleich unter das Kopfkissen legen. Aber Vorsicht: Da kann es schnell gestohlen werden. Fakt ist, Aktien wie speziell Alibaba haben eine Menge zu bieten. Zuallererst geht es um die riesigen (leider oftmals auch strapazierten) Wachstumschancen in China. Davon profitiert die Internetplattform bereits heute, wie sich an den saftigen Gewinnen ablesen lässt. Und das Wachstum sollte gigantisch bleiben.

Gesetzt den Fall, Alibaba kann den Marktanteil von 50 bis 60 Prozent halten, dann bleibt das Unternehmen eine Gewinnmaschine, denn der Siegeszug des Internets als Verkaufsplattform geht weiter. Ein Anteil von 30 bis 40 Prozent an allen Verkäufen erscheint realistisch. 500 Millionen Chinesen sind noch nicht online. Das entspricht der Bevölkerung Europas!

Den Börsengang von Alibaba deshalb als einen Markstein in der Entwicklung der weltweiten Onlineaktivitäten zu bezeichnen ist sicherlich nicht zu weit gegriffen. Und machen wir uns nichts vor: In einem Jahrzehnt wird der Wettbewerb im Internet nicht mehr gesondert im Westen und etwa auch in Asien stattfinden, sondern weltweit, überall. Mit der Aktienemission positionieren sich Jack Ma und seine Manager gerade hierfür. Trotz der enormen Chancen in China werden die USA sicherlich und auch zu Recht zu den nächsten Zielen gehören, wo es zu wachsen gilt. Alibaba ist irgendwie eine Mischung aus Ebay und Paypal und hat im Vergleich zu Amazon höhere Margen zu bieten, da es keine Infrastruktur wie Logistikzentren besitzt. Hinzu kommt, dass die Bewertung mit einem Verhältnis von Emissionskurs zu Gewinn von 24 zwar gewiss kein Schnäppchen darstellt, aber immer noch günstiger ist als bei anderen Internet-Titeln wie Facebook oder Google.

Was für Alibaba gilt, lässt sich in gewisser Weise auch auf andere Internetfirmen wie Zalando oder Rocket Internet übertragen. Allerdings gilt es, noch genauer hinzusehen und das Geschäftsmodell zu analysieren. Hier handelt es sich nicht um Weltkonzerne. Deswegen sind Fragen wichtig wie: Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Wann wird die Gewinnschwelle erreicht? Dient das Geld aus dem Börsengang dem Wachstum? Wer führt die Firmen? Zufriedenstellende Antworten sind nötig. Erst dann lohnt es sich zu investieren, am besten nicht direkt, sondern in der Form von Fonds, die sich etwa auf Internetfirmen spezialisiert haben. Dann macht das Investment Freude in einer Zeit, in der Cash keine Rendite mehr abwirft und der Kauf von Anleihen auch keinen Sinn ergibt. Mit der erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed drohen hier kräftige Kursverluste. Dieses Risiko lässt sich angesichts der Minizinsen nicht auffangen. Es bleiben lediglich Aktien.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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