Rennen um die besten Firmen
Wenn Großinvestoren im letzten Moment zuschnappen

In Europa boomen Börsengänge. Doch auch wenn IPOs gerade Hochkonjunktur haben - große und bekannte Namen gehen häufig im letzten Moment doch noch an einen einzelnen Investor.
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FrankfurtFür Anleger wurde Douglas zu einer herben Enttäuschung. Nur wenige Tage nach der Ankündigung des Börsengangs griff dann doch der Finanzinvestor CVC bei der Parfümeriekette zu. „Als zuverlässiger und langfristig orientierter Partner wird CVC uns mit zusätzlicher Industrieexpertise sowie finanziellen Mitteln unterstützen, um unser nachhaltiges Wachstum sicherzustellen“, erklärte Douglas-Chef Henning Kreke. Der Börsengang habe sich nur als zweitbeste Option für das Unternehmen herausgestellt.

Dabei wäre Douglas für Anleger durchaus interessant gewesen. In den zwei Jahren der Restrukturierung hat sich das Unternehmen von einer primär in Deutschland tätigen Einzelhandelsgruppe zu einer international tätigen, fokussierten Parfümeriekette gewandelt. Laut Unternehmensangaben hätten Anleger in den europäischen Marktführer investieren können. Und: Der Börsengang wäre Finanzkreisen zufolge auf ein Emissionsvolumen von über einer Milliarde Euro gekommen.

Das wäre das größte Debüt seit Rocket Internet im Oktober 2014 gewesen - und Douglas galt damit als Kandidat für den MDax. Doch dass sich die Alteigentümer - hier der Finanzinvestor Advent und die Familie Kreke - kurzfristig anders entscheiden, ist kein Einzelfall. Denn immer mehr Unternehmen in Deutschland und auch in Europa bereiten nicht mehr nur einfach ihren Gang auf das Börsenparkett vor. Zugleich lassen sie auch prüfen, ob ein Verkauf mehr Sinn machen könnte. Auch wenn Börsengänge derzeit Hochkonjunktur haben - große und bekannte Namen gehen häufig im letzten Moment noch an einen einzelnen Investor.

Vor allem Beteiligungsgesellschaften, die sich von Portfoliofirmen trennen wollen, loten meist alle möglichen Wege aus - den Verkauf an einen strategischen Investor, die Weitergabe an einen anderen Finanzinvestor oder den Börsengang. Bei einem Verkauf können die Alteigentümer das Unternehmen auf einen Schlag loswerden, während dies beim Börsengang in der Regel nur schrittweise erfolgt. Der Hintergedanke bei der zeitgleichen Vorbereitung eines Verkaufs und eines Börsengangs - dem sogenannten „Dual Track“ - ist, den Verkaufspreis nach oben zu treiben.

Aufgrund der starken Aktienmarktentwicklung habe bei vielen Dual Tracks in diesem Jahr zwar der Börsengang im Vordergrund gestanden, sagt Dirk Albersmeier, Co-Chef des M&A-Geschäfts in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei JP Morgan: „Die zunehmende Volatilität und die ausgesprochen guten M&A-Bewertungen haben jedoch dazu geführt, dass in letzter Zeit nahezu alle großen Dual-Track-Verfahren in Europa in einer M&A-Transaktion geendet sind.“

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