Rocket Internet
Großer Hunger, große Verluste

Ein halbes Jahr nach dem Börsengang meldet Rocket Internet ein Minus. Die Start-up-Schmiede kompensiert die schlechte Nachricht mit neuen Beteiligungen: Rocket kauft bei Essenslieferdiensten zu.
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BerlinWenn die Zahlen nicht überzeugen, hilft vielleicht eine Geschichte drum herum. Das mag sich Oliver Samwer gedacht haben – und gab auf der Jahrespressekonferenz von Rocket Internet folgende Anekdote zum Besten: Er sei kürzlich in New York gewesen, da habe er jemanden getroffen, der wiederum kürzlich in Istanbul im Hotel gewesen sei. Dort habe man ihm an der Rezeption gesagt, wenn ihm das Essen auf der hauseigenen Karte nicht behage, könne er sich auch etwas im Internet bestellen: Bei Yemeksepeti, dem größten Online-Bestelldienst der Türkei.

Kurz zuvor hatte der Chef der Start-up-Schmiede, die im vergangenen Oktober an die Börse ging, bekannt gegeben, dass die Rocket-Beteiligung Delivery Hero den türkischen Wettbewerber übernimmt. Für Rocket Internet, das bislang mit rund elf Prozent an Yemeksepeti beteiligt war, bedeutet das, dass sie ihren Anteil an Delivery Hero auf 40 Prozent ausbauen können.

Der größte deutsche Lieferdienst gilt als heißer Kandidat für den nächsten Börsengang und könnte Rocket die dringend benötigte nächste Erfolgsstory bescheren.

Die Zahlen, die das Berliner Unternehmen am Dienstag vorlegte, waren aus Sicht der Anleger nämlich nicht besonders erfreulich: Das Geschäftsjahr endet mit einem Verlust von 20,2 Millionen Euro. Im Vorjahr, also vor dem Börsengang, hatte man noch einen Gewinn von 174,2 Millionen Euro ausgewiesen. Grund dafür war unter anderem der Verkauf von Anteilen an dem Modeversand Zalando.

Es ist das Prinzip von Rocket Internet: Gute Geschäftsideen kopieren, die Unternehmen groß machen, vor allem in Europa und in Schwellenländern, und dann möglichst gewinnbringend verkaufen. Was das Wachstum angeht, ist Rocket seiner Strategie treu geblieben: Der Umsatz stieg 2014 um 11 Prozent auf 28,8 Millionen Euro, vor allem dank des starken Wachstums der Beteiligungen in Brasilien. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 30.000 Leute in mehr als 110 Ländern.

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Größter Essenslieferant der Welt

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