Spie sagt ab, andere zweifeln
Die Angst vor dem IPO-Flop

Das Beispiel Rocket Internet schreckt anscheinend ab: Der französische Industriedienstleister Spie cancelte im letzten Moment seinen Börsengang wieder. Und auch andere Unternehmen überdenken ihre Börsenpläne.
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London/ParisEine Woche nach den missglückten Börsendebüts von Zalando und Rocket Internet ist die Aktien-Euphorie in Deutschland der Ernüchterung gewichen. Zwei der nächsten drei Kandidaten für die Frankfurter Börse zögern Finanzkreisen zufolge die Entscheidung wegen der schlechten Stimmung am Aktienmarkt hinaus. Der Online-Marktplatzbetreiber Scout 24 und die Gewerbeimmobilien-Firma TLG Immobilien wollen noch einige Tage abwarten, ehe sie ihre weit gediehenen Vorbereitungen für einen Börsengang fortsetzen. „Es macht überhaupt keinen Sinn, die Aktien gegen die Stimmung am Markt an die Börse zu drücken“, sagte einer der Insider am Donnerstag. Auch eine Verkleinerung des Volumens sei möglich.

In Paris ist der größte Börsengang seit der Finanzkrise geplatzt: Der französische Industriedienstleister Spie, der bis zu 1,2 Milliarden Euro einsammeln wollte, zog am letzten Tag der Zeichnungsfrist mangels Nachfrage den Stecker. Der IPO (Initial Public Offering) werde auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Pariser Börse hat binnen fünf Wochen sieben Prozent verloren. Und bei der italienischen Kosmetikfirma Intercos<IPO-INT.MI> waren die Orderbücher kurz vor Schluss auch am unteren Ende der Spanne erst zu drei Vierteln gefüllt. Bei wackligen Märkten greifen die Anleger lieber zu bewährten, bereits an der Börse notierten Aktien, als sich auf neue, unbekanntere Werte einzulassen. „Das Interesse ausländischer Investoren lässt ein wenig nach“, sagte ein Fondsmanager.

„Rocket Internet und Zalando haben dem IPO-Markt einen Dolchstoß versetzt“, sagte ein Banker, der derzeit an mehreren Börsengängen arbeitet. „Ob es der Todesstoß war, muss sich erst noch zeigen.“ Beide Aktien waren nach der Erstnotiz um rund 20 Prozent abgestürzt, ehe sie am Donnerstag um je fünf Prozent zulegten. Scout 24 hatte eigentlich noch in dieser Woche sein Vorhaben, an die Börse zu gehen, offiziell machen wollen, wie mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Das werde sich nun bis nächste Woche verzögern. „Das wird jetzt von Tag zu Tag entschieden“, sagte einer der Insider. „Hellman & Friedman will aus dem Börsengang eine Erfolgsgeschichte machen“, sagte ein anderer. „Die müssen nicht verkaufen, wenn der Dax unter 9000 fällt.“ Bei Hellman & Friedman handelt es sich um den Haupteigner von Scout 24.

Der deutsche Leitindex Dax hatte am Mittwoch zum ersten Mal seit einem Jahr unter der Marke von 9000 Punkten geschlossen, die Hoffnung auf eine rasche Erholung zerstob am Donnerstag rasch wieder.

TLG Immobilien hatte den Börsengang vor zwei Wochen schon angekündigt, der Börsenprospekt wäre eigentlich in dieser Woche fällig gewesen. Nun zögert der US-Finanzinvestor Lone Star aber mit der Veröffentlichung, die die Zeichnungsfrist einläutet. Der TLG-Eigentümer hatte vor drei Jahren bei der Privatisierung der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG) den Zuschlag bekommen und wollte nun den Einstieg in den Ausstieg schaffen. „Lone Star wird das nicht um jeden Preis machen“, sagte ein Banker. „Wenn man jetzt an die Börse geht, ist es mutig. Macht man es nicht, wird das niemand kritisieren.“ Scout24 und TLG können den Start noch bis Ende Oktober hinauszögern, ohne aus rechtlichen Gründen mit den Vorbereitungen von vorne anfangen zu müssen.

Der Berliner Kabelanbieter Tele Columbus lässt sich dagegen bei seinen Börsenplänen nicht beirren: Der Prospekt solle wie geplant Ende der Woche veröffentlicht werden, sagten mehrere Insider. Von Anfang kommender Woche an könnten die Tele-Coolumbus-Aktien dann gezeichnet werden. Die Emission könnte rund 500 Millionen Euro schwer werden. Das Unternehmen gehört einer Vielzahl von Banken und Hedgefonds, die billig bei Tele Columbus eingestiegen waren.

Hinweis: In der ursprünglichen Version des Artikels war nur über den abgesagten Börsengang des französischen Industriedienstleisters Spie berichtet worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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