Verkauf von Paypal
Ebay knickt vor Icahn ein

Starinvestor Carl Icahn hat sich durchgesetzt: Das Online-Kaufhaus Ebay entlässt den Bezahldienst Paypal in die Unabhängigkeit. Ein riesiger Börsengang steht an und ein Gewinner steht schon fest: Icahn.
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San FranciscoEr ist 78 Jahre alt und er zeigt der der Silicon Valley-Elite, wo es lang geht: Der alternde Starinvestor Carl Icahn hat mal wieder den längeren Atem und zwingt den Onlinekonzern Ebay nach hartnäckigem Widerstand zum Einlenken. Vorstandschef John Donahoe schwenkt auf seine Linie ein und bereitet eine Ausgliederung des Bezahldienstes PayPal für 2015 vor. Das neue Unternehmen soll an die Börse gebracht werden, teilte Ebay am Dienstag mit.

Zuvor hatte Donahoe dies vehement abgelehnt und eine monatelange Kampagne gefahren, um die Aktionäre von seinem Kurs zu überzeugen. Er stand nicht mal alleine da. Einige der brillantesten Namen des Valleys, Marc Andreessen (Netspace, Venture Capital), Reid Hoffmann (Linkedin) oder Paypal-Mitgründer Pierre Omidyar stellten sich demonstrativ hinter den Vorstandschef und gegen den „Wall-Street-Kapitalisten“. Doch jetzt ist der Widerstand gebrochen.

Es ist der zweite krachende Sieg für Icahn im Valley innerhalb kurzer Zeit. Zuvor hatte er Apple-Vorstandschef Tim Cook weichgekocht. Nach langem Zögern startete der ein gigantisches, schuldenfinanziertes Aktienrückkaufprogramm, um damit einen Teil der Finanzreserven auszuschütten und die Kurse zu stabilisieren.

Jetzt auch die Kehrtwende bei Ebay: „Wir sind nach einem monatelangen Analyseprozess zu demselben Ergebnis gekommen“, so Donahoe in einem Interview. Das habe nichts mit Icahns Vorschlag zu tun, darauf besteht er. Der Verwaltungsrat von Ebay habe „jedes Jahr seit 2008“ eine mögliche Abspaltung überprüft. Es habe sich „vieles geändert in den vergangenen fünf Monaten“.

Was für Paypal, seit 2002 bei Ebay, ein Neuanfang ist, ist für Donahoe ein Ende. Er wird zurücktreten, sobald der Verkauf abgeschlossen ist. Ebay ist dann nur noch ein Schatten seiner selbst. Unter der früheren Chefin Meg Whitman, die jetzt Hewlett-Packard leitet, zu einem Handels- und Kommunikationskonzern ausgebaut, ist nach dem Verkauf von Skype an Microsoft und der baldigen Ausgliederung Paypals nichts mehr übrig als der alte Handels- und Auktionskonzern.

Erwartungsgemäß zeigte sich Carl Icahn, sechstgrößter Aktionär bei Ebay, in einer Stellungnahme zufrieden mit der Entscheidung. Er wird mit ziemlicher Sicherheit einer der größten Profiteure der Transaktion. Das ist er sogar schon jetzt: Laut Börsenaufsicht hält er 30 Millionen eBay-Aktien. Die sind heute um 3,90 Dollar gestiegen, was ihm schon mal 120 Millionen Dollar Papiergewinne eingebracht hat.


Der Verkauf Paypals hat viele Facetten. Zum einen ist es dank der aktuellen Börsenhype der richtige Zeitpunkt. Nach dem fulminanten Börsengang von Alibaba giert der Aktienmarkt nach mehr. Paypals Wert wird von Analysten auf bis zu 60 Milliarden Dollar taxiert.
Das kommt auch darauf an, ob sich andere Web-Giganten oder vielleicht Banken um den Zahlungsdient reißen werden. Carl Icahn eröffnete praktisch in seinem Statement schon den Weiterverkauf von Paypal, wenn es denn so weit ist. Er empfiehlt Paypal einen Zusammenschluss mit einem anderen Akteur oder gezielte Akquisitionen, um die Konkurrenz von Newcomern wie Square und natürlich Apple abzublocken. Das wird die Entscheidung des 56-jährigen Dan Schulman werden, der von American Express zu eBay kam und neuer CEO von PayPal werden soll.

Als potenzieller Kaufinteressent wird seit langem Google gehandelt. Deren hauseigenes Google Wallet ist bislang ein Rohrkrepierer, und die Zeit wird knapp. Mit dem iPhone 6 und Apple Pay hat Tim Cook klar seinen Anspruch auf die Führungsrolle im Online-Zahlungsmarkt angemeldet. Apple hat eine exzellente Startposition mit nach eigenen Angaben über 400 Millionen validen Kreditkartensätzen im iTunes Medien- und App-Shop.

Auch Alibaba wird als Bieter gehandelt. „Alipay“ ist zwar in China ein Gigant, aber im Westen unbekannt. Paypal wäre der ideale Einstieg in den amerikanischen Markt. Dann könnte Alibaba noch Yahoo kaufen und der Angriff wäre perfekt. Oder Jack Ma bietet direkt auch noch für Ebay. Nicht zuletzt könnte selbst Apple mit über 150 Milliarden Dollar Cash sich bei Paypal einkaufen und damit seinem Apple Pay mit einem Schlag zur Alleinherrschaft verhelfen.


Für Ebay selbst ist der Verkauf zunächst ein Befreiungsschlag. Zunächst spektakulär gewachsen, mit einem durchschnittlichem Wachstum von 46 Prozent seit 2004, zeigten sich zuletzt Ermüdungserscheinungen. Firmen speziell aus dem Handel als externe Kunden und Partner zu bekommen, wurde immer schwerer durch die vollkommene Integration in Ebay. Das wird 2015 vorbei sein.
PayPal wurde 1998 als „Fieldlink“ gegründet und begann 1999 mit Online-Zahlungsdiensten. 2002 erwarb Ebay das Start-Up für 1,5 Milliarden Dollar. Die einstigen Paypal-Gründer gingen als die „Paypal-Mafia“ in die Geschichte des Silicon Valleys ein. Sie starteten allesamt weitere Milliardenunternehmen. Im Laufe der Zeit emanzipierte sich Paypal vom Ebay-Bezahldienst zum globalen Online-Bezahldienst. Die Mehrheit der Paypal-Umsätze hängt heute nicht mehr mit Ebay zusammen.
Das Schicksal Ebays ist ungewiss. Ohne den Bezahldienst bleibt nur das schwächelnde Handels- und Auktionsgeschäft. „Die Abspaltung geschieht erkennbar nicht aus einer Position der Stärke heraus“, schreibt Analyst Ben Schachter von Macquarie Capital. Der Druck auf das Management wurde immer größer, als nach Icahn auch noch Aktionärs-Investor Daniel Lowb mit seiner Third Point LLC bei eBay eingestiegen war.

Am Dienstag nach Börsenschluss lag die Marktkapitalisierung von Ebay bei 65,5 Milliarden Dollar. Alleine 30 bis 35 Milliarden Dollar davon entfallen nach Analystenmeinung auf Paypal. Das legen die Zahlen nahe, die zur Ankündigung der Aufspaltung bekanntgegeben wurden. Demnach setzt Paypal bereits 7,2 Milliarden Dollar im Jahr um bei 19 Prozent jährlichem Wachstum. Das restliche Ebay generiert 9,9 Milliarden Dollar, wächst derzeit aber nur um gut zehn Prozent.

Das wird die Herausforderung, denen sich der neue Ebay-CEO Devin Wenig stellen muss. Bislang hat er den Marktplatz, das Handelsgeschäft geleitet. Vielleicht wird er auch Partner suchen und bald den „Kaufen Sie jetzt“-Knopf an der Börse drücken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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