Aktien-Anlage
Investoren bleiben bei Ägypten skeptisch

Seit Jahresanfang sind die Kurse des ägyptischen Leitindex um 50 Prozent gesunken. Doch noch immer sind Fondsmanager mit Investments zurückhaltend. Die instabile politische Lage birgt Risiken.
  • 0

KölnFinanzexperten beobachten im Moment besonders intensiv die politische Lage in Ägypten, von einer Geldanlage dort raten sie aber weiterhin ab. Die Nachrichtenlage sei nach wie vor negativ, so dass sich keine Kaufsignale für Investoren ergäben, sind sich Analysten in Ägypten und im Rest der Finanzwelt einig. „Außer auf lange Sicht sehe ich keine Indikation, in dem Markt übergewichtig aktiv zu sein“, sagt Sebastian Kahlfeld, der bei der Investmentfirma DWS den Afrika-Fonds verwaltet.

Die anhaltenden Demonstrationen in Kairo schrecken offenbar nicht nur Touristen ab, sondern auch die Anleger. Der ägyptische Leitindex EGX30 der 30 wichtigsten Unternehmen des Landes ist seit Jahresbeginn um 50 Prozent eingebrochen. Viele Fonds, die in den Nahen Osten sowie Nordafrika investieren - die sogenannten MENA-Fonds („Middle East & North Africa“) waren vor zwei Jahren noch groß in Mode bei den Anlegern –, haben den Handel für mehrere Monate ausgesetzt und mussten seitdem ihre ägyptischen Werte drastisch abschreiben. So verlor der DWS-Fonds „Invest in Africa“ seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent. Fondsmanager Kahlfeld hat den Anteil ägyptischer Papiere in seinem Fonds von 17 auf 10 Prozent heruntergefahren.

Für Michael Mewes, Experte für Emerging Markets bei JP Morgan Asset Management, spiegelt sich darin ein globaler Trend. „In den letzten Monaten herrschte eine große Risikoaversion in den Emerging Markets, vor allem auf dem Anleihe- und Währungsmarkt“, sagt Mewes.

Trotz der optisch günstigen Kurse in dem Land am Nil hält DWS-Experte Kahlfeld ägyptische Aktien nach wie vor für zu teuer. „Kaufsignale ergeben sich erst, wenn der Markt nochmal korrigieren sollte“, sagt er und vermutet, dass einige Anleger die Zeit zwischen alter und neuer Regierung einfach weiter aussitzen werden.

Ein letztes Stück Attraktivität behielten laut Kahlfeld Aktien von Firmen, die ihr Geld im Ausland verdienen und krisensicher sind. Dazu kommen defensive Titel wie Telekommunikationsunternehmen mit hohen Dividendenrenditen. So hielten sich die Titel des größten Telekom-Anbieters Orascom über dem Index-Schnitt. Das Unternehmen machte im dritten Quartal einen Nettoverlust in Höhe von einer knappen Milliarde US-Dollar. Der Mobilfunkmarkt in Ägypten gilt aber immer noch als nicht gesättigt.

Von einer Investition in den Bankensektor rät Kahlfeld ab. „Die Banken werden erst mal Rückstellungen bilden müssen“, sagt er. Das hieße auch, dass die Kreditvergabe auf der Strecke bliebe. Für das Jahr 2011 rechnen ägyptische Ökonomen nur noch mit einer Wachstumsrate zwischen einem und zwei Prozent. Fondsmanager Kahlfeld sieht sogar eine Rezession auf das Land zukommen. „Vor 2013 gibt es keine Erholung“. Vor allem der Tourismus, früher die tragende Säule der ägyptischen Wirtschaftskraft, ist eingebrochen. Wer sich auf dem Kairoer Flughafen oder an den Pyramiden von Gizeh aufhält, sieht leere Flure und einsame Landschaften.

Negative Auswirkungen auf andere Schwellenländer durch die anhaltenden Aufstände befürchtet JP-Morgan-Experte Mewes indes nicht. „Ägypten spielt in der globalen Finanzwelt keine gewichtige Rolle, und selbst unter den Emerging Markets nur eine untergeordnete“. Sollten sich nach einer Regierungsbildung die Fundamentaldaten normalisieren, kann er sich vorstellen, den Anteil ägyptischer Papiere aufzustocken.

Kommentare zu " Aktien-Anlage: Investoren bleiben bei Ägypten skeptisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%