Aktien, Anleihen, Devisen
Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

Die Tokioter Börse geht auf Talfahrt und auch die Dax-Anleger verkaufen lieber. Grund: Das britische Referendum rückt näher. Wie ein möglicher Brexit die Märkte durcheinanderwirbelt.

Tokio/DüsseldorfDer Trubel am Montag begann an den asiatischen Börsen: Nachdem eine Umfrage in der britischen Zeitung „The Independent“ einen deutlichen Vorsprung für die Brexit-Befürworter ergeben hatte, sackte der japanische Leitindex Nikkei um 3,5 Prozent auf 16.019 Punkte ab. Die „erhöhte Unsicherheit“ über das Ergebnis des Referendums habe die Stimmung im Markt regiert, erklärte Maki Sawada, Vizepräsident für Investment Research beim japanischen Broker Nomura, den Kursrutsch.

Der Aufwind der Brexit-Befürworter schlägt den Japanern ganz besonders aufs Gemüt, denn das Land würde gleich doppelt von einem Austritt der Briten getroffen. Zum einen macht ein Austritt Großbritanniens den Yen für die angstgeplagten Investoren zum „sicheren Hafen”. Zugleich macht er aber die Gewinnaussichten der japanischen Exporteure zunichte und treibt damit auch ihre Aktienkurse in den Keller. Wie das aussehen könnte, haben die Investoren am japanischen Devisenmarkt am Montag schon gezeigt: Der US-Dollar sackte kurzfristig in den 105-Yen-Bereich ab. Der Dollar notiert damit 20 Yen schwächer als vor Jahresfrist.

Zweitens hat kaum eine andere Nation wie das ostasiatische Inselreich so sehr auf die britischen Inseln als Standort für ihr Europa-Geschäft gesetzt. 1300 japanische Unternehmen sind jenseits des Ärmelkanals aktiv und beschäftigen 140.000 Menschen. Seit 2012 haben sie zwölf Milliarden Pfund investiert. Die Autobauer Toyota, Nissan und Honda bilden sogar das Rückgrat der britischen Autoindustrie und beliefern aus ihren dortigen Werken das europäische Festland mit Wagen. Doch auch Technikkonzerne und Banken haben massiv in London und Umgebung investiert. Einige Konzerne wurden daher am Montag ganz besonders für ihre Treue zu den Briten bestraft.

Japan ist nicht das einzige Land, dessen Märkte in Furcht vor einem möglichen Austritt Großbritanniens am 23. Juni zittern. Der Countdown zum Brexit hat auch bei den europäischen Anlegern begonnen. Dax-Investoren beeilten sich bereits in der vergangenen Woche, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Die 10.000-Punkte-Marke gab der Index bereits am Freitagmorgen auf und sackte im Tagesverlauf um 2,5 Prozent auf 9834 Punkte ab. Am Montag ging die Abwärtsfahrt weiter. Bis zum Mittag verlor der Index weitere 1,6 Prozent und notierte zuletzt bei 9677 Punkten. „Die Nervosität in Sachen Brexit nimmt mit jedem Tag weiter zu und hält die Finanzmärkte in Atem“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. „Der Optimismus aus dem Frühjahr ist wie weggeblasen, den Börsen steht ein stürmischer Sommer bevor.“

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Devisen- und Anleihemärkte in Aufruhr

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