Aktien, Anleihen, Devisen Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

Die Tokioter Börse geht auf Talfahrt und auch die Dax-Anleger verkaufen lieber. Grund: Das britische Referendum rückt näher. Wie ein möglicher Brexit die Märkte durcheinanderwirbelt.
Anderthalb Wochen vor dem britischen Referendum spielen die Märkte verrückt. Quelle: AP
Wer hat Angst vor dem Brexit?

Anderthalb Wochen vor dem britischen Referendum spielen die Märkte verrückt.

(Foto: AP)

Tokio/DüsseldorfDer Trubel am Montag begann an den asiatischen Börsen: Nachdem eine Umfrage in der britischen Zeitung „The Independent“ einen deutlichen Vorsprung für die Brexit-Befürworter ergeben hatte, sackte der japanische Leitindex Nikkei um 3,5 Prozent auf 16.019 Punkte ab. Die „erhöhte Unsicherheit“ über das Ergebnis des Referendums habe die Stimmung im Markt regiert, erklärte Maki Sawada, Vizepräsident für Investment Research beim japanischen Broker Nomura, den Kursrutsch.

Der Aufwind der Brexit-Befürworter schlägt den Japanern ganz besonders aufs Gemüt, denn das Land würde gleich doppelt von einem Austritt der Briten getroffen. Zum einen macht ein Austritt Großbritanniens den Yen für die angstgeplagten Investoren zum „sicheren Hafen”. Zugleich macht er aber die Gewinnaussichten der japanischen Exporteure zunichte und treibt damit auch ihre Aktienkurse in den Keller. Wie das aussehen könnte, haben die Investoren am japanischen Devisenmarkt am Montag schon gezeigt: Der US-Dollar sackte kurzfristig in den 105-Yen-Bereich ab. Der Dollar notiert damit 20 Yen schwächer als vor Jahresfrist.

Aktien, die sich wirklich lohnen könnten

S&P 500

WKN
ISIN
Börse
ISP

+43,34 +1,60%
+2.705,90
Chart von S&P 500
S&P-500
1 von 8

„Vorsichtig bleiben“ ist die bestimmende Börsendevise der vergangenen Monate. Die Liste möglicher Stolpersteine ist lang genug: Von der sich anbahnenden Leitzinserhöhung in den USA über das Stottern im chinesischen Wirtschaftsgetriebe bis zum Ölpreisverfall und dem möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Doch aus Bedachtsamkeit sollte kein Zögern werden. Denn es gebe doch noch genug gute Ideen für ein zwar mutiges, aber gelungenes Investment, ist Dubravko Lakos überzeugt. In seinem neuesten Bericht schreibt der Anlagestratege und Chef der Global-Research-Sektion von JP Morgan, warum er auf welche US-Titel setzt. Als Referenz dient ihm der Aktienindex S&P 500, den er bei einem Kursziel von 2.000 Punkten sieht. Was keine wirkliche Veränderung zum Ist-Zustand darstellt. Vom Gesamtmarkt aber wandert sein Blick ins Detail.

VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US91913Y1001
Börse
FSE

+1,02 +1,38%
+74,74€
Chart von VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Valero Energy Group
2 von 8

Sein Szenario, nach dem eine Zinserhöhung auf der nächsten Fed-Sitzung Mitte Juni immer wahrscheinlicher wird: Value-Investment. Je strammer die Zügel der Geldpolitik, desto mehr sollten wertige Sektoren übergewichtet werden. Also rein in Branchen wie Energie und Finanzen, raus hingegen bei Konsumgütern. Sein erster Tipp: Die Valero Enery Group. Die mittelgroße Erdöl-Raffinerie könnte wie die gesamte Branche von der Konsolidierung der Industrie profitieren. Langfristig deuten sich steigende Erlöse an.

MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US56585A1025
Börse
FSE

+0,10 +0,19%
+53,50€
Chart von MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Marathon Petroleum
3 von 8

Auch der Erdöl- und Erdgasspezialist darf auf die Liste des Lakos. Der kleine Raffineur aus Ohio sollte wie die gesamte Branche vom abnehmenden Gefährdungspotenzial Chinas und der Emerging Markets im generellen profitieren. Noch klingt das ganze eher nach Zukunftsmusik, fallen die Konjunkturimpulse aus China weiterhin gemischt aus. Der Anlageprofi verweist auf weiterhin niedrige Finanzierungskonditionen in diesem aufwendungsstarken Sektor hin.

QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001

WKN
ISIN
US74762E1029
Börse
FSE

+0,01 +0,04%
+28,49€
Chart von QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001
Quanta Services
4 von 8

Wenn es um Raffinerien geht, ist die Zuliefererbranche nicht weit. Lakos nennt hier etwa Quanta Services. Die Texaner sind spezialisiert auf die Konstruktion und Instandhaltung von Systemen für die Versorgungsindustrie. Sie liefern die Infrastruktur für Breitbandkabel und Gas-Pipeline.

FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US3434121022
Börse
FSE

-0,73 -1,52%
+46,84€
Chart von FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01
Fluor
5 von 8

In der gleichen Branche angesiedelt ist auch Fluor. Der Technikspezialist aus California ist mit 7 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ein Börsenleichtgewicht mit dem Fokus auf Öl- und Gas-Infrastrukturzulieferung.

NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US63938C1080
Börse
FSE

-0,19 -1,76%
+10,63€
Chart von NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Navient
6 von 8

Als zweite Branche mit Potenzial nennt Dubravko Lakos die Finanzindustrie. Hier verdient sich Navient einen Platz, die spezialisiert sind auf Studentenkredite. Das im Steuerparadies Delaware gemeldete Unternehmen ist aus der ehemaligen Sallie Mae Bank hervorgegangen und schlägt sich 2016 etwas besser als der Gesamtmarkt.

LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US5341871094
Börse
FSE

-0,69 -1,09%
+62,29€
Chart von LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Lincoln National
7 von 8

In dem Bereich verortet Lakos auch die Lincoln National, die zu gleichen Teilen in Versicherungen und Vermögensverwaltung machen. Der Grund warum der Profi nun die Finanzbranche im Blick hat: Seiner Meinung nach hat sich das Momentum für Konsumgüter langsam aber sicher erledigt, immer mehr Investoren leiten in dem Bereich eine Untergewichtung ein.

Zweitens hat kaum eine andere Nation wie das ostasiatische Inselreich so sehr auf die britischen Inseln als Standort für ihr Europa-Geschäft gesetzt. 1300 japanische Unternehmen sind jenseits des Ärmelkanals aktiv und beschäftigen 140.000 Menschen. Seit 2012 haben sie zwölf Milliarden Pfund investiert. Die Autobauer Toyota, Nissan und Honda bilden sogar das Rückgrat der britischen Autoindustrie und beliefern aus ihren dortigen Werken das europäische Festland mit Wagen. Doch auch Technikkonzerne und Banken haben massiv in London und Umgebung investiert. Einige Konzerne wurden daher am Montag ganz besonders für ihre Treue zu den Briten bestraft.

Japan ist nicht das einzige Land, dessen Märkte in Furcht vor einem möglichen Austritt Großbritanniens am 23. Juni zittern. Der Countdown zum Brexit hat auch bei den europäischen Anlegern begonnen. Dax-Investoren beeilten sich bereits in der vergangenen Woche, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Die 10.000-Punkte-Marke gab der Index bereits am Freitagmorgen auf und sackte im Tagesverlauf um 2,5 Prozent auf 9834 Punkte ab. Am Montag ging die Abwärtsfahrt weiter. Bis zum Mittag verlor der Index weitere 1,6 Prozent und notierte zuletzt bei 9677 Punkten. „Die Nervosität in Sachen Brexit nimmt mit jedem Tag weiter zu und hält die Finanzmärkte in Atem“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. „Der Optimismus aus dem Frühjahr ist wie weggeblasen, den Börsen steht ein stürmischer Sommer bevor.“

Devisen- und Anleihemärkte in Aufruhr
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