Aktien, Anleihen, Devisen
Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

Devisen- und Anleihemärkte in Aufruhr

Nicht nur die Aktienmärkte wirbelt die Angst vor dem Austritt Großbritanniens gehörig durcheinander. Auch an den Devisen- und Anleihenmärkten ist der Trubel groß. Seit Tagen decken sich die Anleger mit den als sicher geltenden Staatsanleihen ein. Die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe sank zuletzt auf 0,13 Prozent, die Papiere sind nur einen Katzensprung von einer Negativrendite entfernt. Bei fünfzehnjährigen japanischen Staatsanleihen ist die Rendite bereits negativ, sie liegt bei minus 0,16 Prozent. Inzwischen werden so viele mit einer Negativrendite versehenen Staatsanleihen wie noch nie gehandelt – rund 8,3 Billionen wie die Zahlen der Investmentbank JP Morgan nahe legen.

An den Devisenmärkten flüchten die Investoren nicht nur in den Yen, sondern auch in den Franken. Am kommenden Donnerstag, genau eine Woche vor dem Tag des britischen Votum, entscheidet die Schweizer Notenbank (SNB) über ihre Zinspolitik. Der Austritt Großbritanniens bereitet den Schweizer Währungshütern vor allem deshalb Sorgen, weil sie sich seit mehr einem Jahr bemühen, dem Franken den Status als sicherer Investoren-Hafen abzusprechen, um die Konjunktur des Landes anzukurbeln. Ein Brexit würde den Franken genau dem Aufwertungsdruck aussetzen, den die SNB durch die Euro-Entkopplung eigentlich vermeiden will – und damit alle Mühen der Währungshüter zunichte machen.

Ein Votum der Briten für ein Verlassen der EU würde einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einen Sprung des Franken praktisch garantieren. Bloomberg hat 23 Volkswirte zu dem Thema befragt. Die SNB würde der Aufwertung aggressive Interventionen entgegensetzen, erwartet die Mehrheit der Befragten. Einige rechnen sogar mit einer Senkung des Einlagensatzes, der sich bereits auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent befindet.

Ein kleiner Trost für alle Brexit-geplagten Investoren und Zentralbanker dürfte sein, dass es den Briten selbst mit der drohenden Entscheidung kaum besser ergeht. Schon jetzt schlägt sich das Votum nächste Woche auf die Landeswährung wieder. Der britische Pfund ist am Montag auf den tiefsten Stand seit acht Wochen gerutscht. Die Euro-Pfund-Volatilität kletterte auf 26 Prozent, zeigen Reuters-Daten. Damit ist sie höher als zu Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2008.

Für das Pfund könnte der 23. Juni zum Tag der Wahrheit werden. Entscheiden sich die Briten für den Ausstieg, könnte das Pfund gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1985 rutschen, prognostiziert eine Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten. Im Schnitt schätzen sie, dass das Pfund im Falle des Brexit unter 1,35 US-Dollar fällt. Entscheiden sie sich für den Verbleib in der EU, könnte die Währung dagegen auf ein Jahreshoch steigen – im besten Fall über 1,50 US-Dollar.

Seite 1:

Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

Seite 2:

Devisen- und Anleihemärkte in Aufruhr

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%