Aktien, Anleihen, Euro
Wie Draghi mit den Märkten spielt

EZB-Chef Draghi hat unmissverständlich klar gemacht: Im Zweifel kann die EZB weitere Asse aus dem Ärmel ziehen, um die Konjunktur zu beleben. Der Aktienmarkt dankt es. Bei Anleihen und Euro ist die Lage verzwickter.

DüsseldorfMit seiner „Whatever it takes“-Rede im Juli 2012 hat EZB-Präsident Mario Draghi bereits einmal die Märkte befriedet. Damals stand es spitz auf knapp. Die Staatsschuldenkrise hatte Europa fest im Griff. Renditen für Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten lagen im zweistelligen Bereich. Die Angst vor einem Kollaps war spürbar. Erst nachdem die EZB ihren unbeschränkten Handlungswillen bekundet hatten, beruhigten sich die Märkte.

Nun gibt es den Nachschlag. „Things have changed“ – „die Lage hat sich geändert“ – sagte Draghi bei der mit Spannung erwarteten Sitzung des EZB-Rats auf Malta. Die EZB sei gewillt und in der Lage zu handeln, indem sie „alle Instrumente nutzt“, so Draghi weiter. Die Worte lösten an den Märkten ähnliche Erleichterung aus wie damals die „Whatever it takes“-Formulierung.

Marktteilnehmer erwarten nun, dass Draghi alles unternimmt, um die Konjunktur in der Euro-Zone anzukurbeln und die Inflation zu befeuern. Wie bekannt wurde, kann der EZB-Rat sich vorstellen, das Anleihekaufprogramm sowohl zeitlich als auch im Umfangauszudehnen, künftig mehr Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten zukaufen oder aber den Einlagenzins für Banken noch weiter ins Negative zu senken.

Die Zeit drängt. Gerade haben die von der EZB befragten „professionellen Beobachtern“ ihre Inflationsprognose für die Euro-Zone weiter gesenkt. Für dieses Jahr erwarten sie noch eine Preissteigerung von 0,1 Prozent. Noch im Juli rechneten sie mit einem Plus von 0,2 Prozent. Erst 2020 werde sich demnach die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 1,9 Prozent wieder der Zielmarke der Notenbank von knapp zwei Prozent annähern.

„Der EZB-Rat hat auf seiner dieses Mal in Malta stattfindenden Tagung die Weichen für eine neue Runde monetärer Lockerungen gestellt“, schrieb Volkswirte der LBBW in einem Beitrag zu der Sitzung. Marktteilnehmer gehen jetzt davon aus, dass der Startschuss für die Jahresendrally am deutschen, und möglicherweise auch an den europäischen Aktienmärkten, gelegt ist.

So konnte der deutsche Leitindex Dax am Donnerstag mehr als zwei Prozent zulegen und ging mit einem Plus von rund 2,5 Prozent aus dem Handel. Am Freitag hielt der Auftrieb an. Im Vormittagshandel zog das Barometer um weitere 1,36 Prozent an und kletterte auf über 10.630 Punkte. Das ist beachtlich angesichts der herben Verluste in den vergangenen Wochen.

Auch in der zweiten und dritten Reihe legten die Aktienkurse zu. Der Index der mittelgroßen Werte MDax gewann am Freitag bis zum späten Vormittag 1,67 Prozent auf 20.730 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 1,28 Prozent auf 1808 Punkte. Der Euro-Zonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um mehr als ein Prozent zu.

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Italienische Anleiherenditen drehen ins Minus

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