Aktien fallen, Yen steigt: Die Geldschwemme in Japan kommt

Aktien fallen, Yen steigt
Die Geldschwemme in Japan kommt

Die japanische Notenbank dreht den Geldhahn weit auf. Und die Regierung findet das hervorragend. Auf die Entscheidung der Währungshüter reagieren die Akteure mit Gewinnmitnahmen. Der Yen legt überraschend zu.
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TokioJapan will den stotternden Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Tour bringen. Im Kampf gegen die Konjunkturflaute und anhaltende Deflation drehte die Notenbank des hoch verschuldeten Landes am Dienstag den Geldhahn bis zum Anschlag auf.

Die japanische Regierung flankiert dies mit einer aggressiven Rhetorik. Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte nach der Entscheidung der Notenbank an, sein Land werde einen "Regimewechsel" in seiner makroökonomischen Strategie vollziehen. Durch eine entschlossene Lockerung der Geldpolitik müsse Japan die Deflation besiegen und den starken Yen-Anstieg korrigieren. Damit kündigte er offenen einen Abwertungswettlauf an.

Die Währungshüter in Japan unterstützen diese Strategie mit unbefristeten Anleihekäufen. Das überraschte Marktteilnehmer, die eine schrittweise Ausweitung des Anleihenkaufprogramms erwartet hatten. Zugleich verdoppelte die Bank von Japan ihr Inflationsziel auf zwei Prozent.

Der Yen fiel zunächst wie erwartet und tendierte zum Dollar nahe des tiefsten Stands seit zweieinhalb Jahren. Der Dollar kletterte auf 90,18 Yen. Dann jedoch erfolgte abrupt eine Kehrtwende: Der Yen fiel deutlich auf fast 89 Yen. Dennoch gehen Experten davon aus, dass der Währungskrieg weiter gehen wird. Viele Staaten wünschen sich eine schwache Währung, um ihre Exportwirtschaft zu stärken.

An der Börse legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zunächst zu, nachdem die Währungshüter ihre Entscheidung verkündet hatten. Dann jedoch rutschte der Index nach wenigen Minuten 0,5 Prozent auf 10.688 Punkte ins Minus. So war der das Marktbarometer auch in den Tag gestartet. Bis zum Börsenschluss verlor der Nikkei-Index 37,81 Punkte oder 0,35 Prozent auf 10.709,93 Punkte. Der breit gefasste Topix büßte 4,01 Punkte oder 0,44 Prozent auf den Stand von 901,15 Zählern ein.

Die Regierung in Tokio hatte zuletzt den Druck auf die Notenbank enorm erhöht, das Ziel für die Inflation anzuheben und ihr Mandat auch auf die Förderung des Arbeitsmarktes auszudehnen. Sie ist auf die Hilfe der Notenbank angewiesen, um die Konjunkturflaute zu überwinden.

Denn angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 235 Prozent der Wirtschaftsleistung hat die Regierung kaum noch Spielraum für weitere Konjunkturpakete. Japan befindet sich nunmehr zum vierten Mal seit der Jahrtausendwende in einer Rezession. Zudem leidet das Land unter einer hartnäckigen Deflation - also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft.

Kommentare zu " Aktien fallen, Yen steigt: Die Geldschwemme in Japan kommt"

Alle Kommentare
  • Nein, die waren auch vor dem Tsunami so hoch. Äpfel, Tomaten, Reis u.ä. bauen die Japaner selber an. Der Reispreis liegt aber ganz erheblich über dem Weltmarktpreis. Japan hat bisher immer seine Bauern schützen wollen und wird das auch weiterhin tun. Die Tokugawa-Zeit ist noch nicht überwunden.
    Übrigens, weis weiss es, dass die Äpfel in Japan in einem Styropornetz verkauft werden sodass die ja keine Druckstellen bekommen.

  • soviele japanische Artikel gibt es gar nicht mehr. Die meisten japanischen Firmen lassen bereits im Ausland produzieren und Japan selbst ist genau so voll mit China- Müll wie der Rest der Welt.
    Vielleicht wird aber der Reis billiger ...

  • Das ist halt der bittere Lauf der Dinge: Wer einmal den Neokeynesianern auf den Leim gegangen ist, der muss immer mehr, immer öfter und in immer höheren Konzentrationen die Droge nachspritzen.
    Japan ist von all den Notenpressenjunkies der mit der längsten Drogenkarriere.
    Dennoch sollte man sich davor hüten zu glauben, dass das Spiel seinem baldigen Ende entgegen sieht. Das kann noch Jahre so weiter gehen.
    Bislang können ja nur Primebanken Geld umsonst und in unbegrenzter Menge ordern. Die nächste Stufe wäre z.B. direkte, offene Staatsfinanzierung (Staat bezieht seine Einnahmen offen aus der Notenpresse statt aus Steuern).
    Wenn das nicht hilft, könnte die Notenbank z.B. auch Aktien aufkaufen und so deren Preise (anfangs) in schwindelnde Höhen jagen.
    Aber am Ende wird irgendwann das immer gleiche schnöde Finale kommen: Geld wird dann für Jedermann ohne Vor- und Gegenleistung geschöpft, gedruckt und verschenkt, womit Geld natürlich kein Geld mehr ist sondern wertloser Müll: Hyperinflation !
    Japan wäre dann aber ein nach wie vor eine High-Tech Industrienation aber nun mit den billigsten Facharbeitern der Welt...sehr schlecht für China, D, USA (u.v.a.m.).
    Deren Antwort wäre dann (natürlich): Kompetitive Hyperinflationierung.

  • Wieso soll Amerika schlafen? seit 2007 drucken diese im Verborgenen der Medien ebenso Unmengen von FIAT. Das Augenmerk wird nur immer bewusst auf andere Regionen der Welt medial gelenkt. Nicht ohne Grund sind die Medien die 4. Gewalt im Staate. Die Menschen sind dumm und denken nur, was gerade angesagt ist!

  • hängt unter anderem auch damit zusammen, dass Japan so gut wie alles an Lebensmitteln importieren muss. Habe mir auch schon versucht einen Reim auf Schulden eines Nationalstaates und die Kaufkraftparität zu machen. In Japen geht diese Korrelation auf, in Beispielen wie der Schweiz widerum nicht. Japan ist ohnehin ein Phänomen, da seit Beginn der Japan-Krise Anfang der 1990er die gesamte japanische Volkswirtschaft nur auf Pump lebt. Böse Zungen behaupten, dass Japan den Startschuss zum heute normal gewordenen weltweiten Währungs-Abwertungs-Wettbewerb damit gegeben hat. Mit normalem Menschenverstand hat es ohnehin nichts mehr zu tun, wenn solide Volkswirtschaften dazu gezwungen werden, ihre eigene Währung abzuwerten!

  • Die Amerikaner schlafen noch und haben den Knall noch gar nicht gehört. Tatsächlich aber befinden wir uns mM nach in einem Währungskrieg, der die Märkte heute noch ganz schön durcheinander wirbeln wird. Bin mal gespannt, was der Dax macht, wenn der Dow 2% fallen sollte...
    Die teuren Lebensmittelpreise in Japan sind allerdings dem Tsunami geschuldet

  • German Angst. Immer wieder gut, weil sie die Preise für Aktien nach unten treibt und man zu günstigen Konditionen nachkaufen kann.

  • Das Geld ist nicht weg. Es fließt zum größeren Teil in die Passivas der Banken. Da das globale Kreditwesen für Unternehmen und Mittelstand noch immer nahezu am Boden ist. Wird das Geld von den Banken einbehalten. Erst wenn die nächste große Kreditwelle ansetzt, setzt auch die Inflation an, dann aber stark. ich habe keine ahnung, ob die Banken intern oder extern bestimmt angewiesen sind, Kredite einzubehalten. Für Banken ist es zur Zeit lukrativer und vor allem sicherer, das Geld (was sie eigentlich garnicht besitzen) bei den Zentralbanken gegen Zinsen einzulagern.

    Normal müsste bei einer Geldschwemme der Wert aller Papier-Assets steigen, doch tun sie das eben nicht, weil in erster Linie die Banken mit frisch erzeugtem Geld zugeflutet werden.

  • German Angst. Schön aber, dass sich die Kurse jetzt korrigieren. Dann kann man wieder Standardwerte zu günstigen Preisen erwerben.

  • Dass die Japaner keine Inflation haben, das kann ich nur schwerlich glauben. Schaue ich mir besonntes die Lebensmittelpreise an, dann kommt mir das grauen. Ein Apfel 2 Euro, in Tokyo 5 EUR, eine Tomate 1 EUR, Eisbergsalat 4 EUR, u.s.w.. Die Preise für Lebensmittel steigen seit Jahren. Südfrüchte welche man hier praktisch nachgeworden bekommt sind da nahezu unbezahlbar. Also irgendwie stimmt da etwas nicht. Da passt nicht wirklich richtig zusammen.

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