Aktien fallen, Yen steigt: Die Geldschwemme in Japan kommt

Aktien fallen, Yen steigt
Die Geldschwemme in Japan kommt

Die japanische Notenbank dreht den Geldhahn weit auf. Und die Regierung findet das hervorragend. Auf die Entscheidung der Währungshüter reagieren die Akteure mit Gewinnmitnahmen. Der Yen legt überraschend zu.
  • 15

TokioJapan will den stotternden Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Tour bringen. Im Kampf gegen die Konjunkturflaute und anhaltende Deflation drehte die Notenbank des hoch verschuldeten Landes am Dienstag den Geldhahn bis zum Anschlag auf.

Die japanische Regierung flankiert dies mit einer aggressiven Rhetorik. Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte nach der Entscheidung der Notenbank an, sein Land werde einen "Regimewechsel" in seiner makroökonomischen Strategie vollziehen. Durch eine entschlossene Lockerung der Geldpolitik müsse Japan die Deflation besiegen und den starken Yen-Anstieg korrigieren. Damit kündigte er offenen einen Abwertungswettlauf an.

Die Währungshüter in Japan unterstützen diese Strategie mit unbefristeten Anleihekäufen. Das überraschte Marktteilnehmer, die eine schrittweise Ausweitung des Anleihenkaufprogramms erwartet hatten. Zugleich verdoppelte die Bank von Japan ihr Inflationsziel auf zwei Prozent.

Der Yen fiel zunächst wie erwartet und tendierte zum Dollar nahe des tiefsten Stands seit zweieinhalb Jahren. Der Dollar kletterte auf 90,18 Yen. Dann jedoch erfolgte abrupt eine Kehrtwende: Der Yen fiel deutlich auf fast 89 Yen. Dennoch gehen Experten davon aus, dass der Währungskrieg weiter gehen wird. Viele Staaten wünschen sich eine schwache Währung, um ihre Exportwirtschaft zu stärken.

An der Börse legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zunächst zu, nachdem die Währungshüter ihre Entscheidung verkündet hatten. Dann jedoch rutschte der Index nach wenigen Minuten 0,5 Prozent auf 10.688 Punkte ins Minus. So war der das Marktbarometer auch in den Tag gestartet. Bis zum Börsenschluss verlor der Nikkei-Index 37,81 Punkte oder 0,35 Prozent auf 10.709,93 Punkte. Der breit gefasste Topix büßte 4,01 Punkte oder 0,44 Prozent auf den Stand von 901,15 Zählern ein.

Die Regierung in Tokio hatte zuletzt den Druck auf die Notenbank enorm erhöht, das Ziel für die Inflation anzuheben und ihr Mandat auch auf die Förderung des Arbeitsmarktes auszudehnen. Sie ist auf die Hilfe der Notenbank angewiesen, um die Konjunkturflaute zu überwinden.

Denn angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 235 Prozent der Wirtschaftsleistung hat die Regierung kaum noch Spielraum für weitere Konjunkturpakete. Japan befindet sich nunmehr zum vierten Mal seit der Jahrtausendwende in einer Rezession. Zudem leidet das Land unter einer hartnäckigen Deflation - also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft.

Kommentare zu " Aktien fallen, Yen steigt: Die Geldschwemme in Japan kommt"

Alle Kommentare
  • Nein, die waren auch vor dem Tsunami so hoch. Äpfel, Tomaten, Reis u.ä. bauen die Japaner selber an. Der Reispreis liegt aber ganz erheblich über dem Weltmarktpreis. Japan hat bisher immer seine Bauern schützen wollen und wird das auch weiterhin tun. Die Tokugawa-Zeit ist noch nicht überwunden.
    Übrigens, weis weiss es, dass die Äpfel in Japan in einem Styropornetz verkauft werden sodass die ja keine Druckstellen bekommen.

  • soviele japanische Artikel gibt es gar nicht mehr. Die meisten japanischen Firmen lassen bereits im Ausland produzieren und Japan selbst ist genau so voll mit China- Müll wie der Rest der Welt.
    Vielleicht wird aber der Reis billiger ...

  • Das ist halt der bittere Lauf der Dinge: Wer einmal den Neokeynesianern auf den Leim gegangen ist, der muss immer mehr, immer öfter und in immer höheren Konzentrationen die Droge nachspritzen.
    Japan ist von all den Notenpressenjunkies der mit der längsten Drogenkarriere.
    Dennoch sollte man sich davor hüten zu glauben, dass das Spiel seinem baldigen Ende entgegen sieht. Das kann noch Jahre so weiter gehen.
    Bislang können ja nur Primebanken Geld umsonst und in unbegrenzter Menge ordern. Die nächste Stufe wäre z.B. direkte, offene Staatsfinanzierung (Staat bezieht seine Einnahmen offen aus der Notenpresse statt aus Steuern).
    Wenn das nicht hilft, könnte die Notenbank z.B. auch Aktien aufkaufen und so deren Preise (anfangs) in schwindelnde Höhen jagen.
    Aber am Ende wird irgendwann das immer gleiche schnöde Finale kommen: Geld wird dann für Jedermann ohne Vor- und Gegenleistung geschöpft, gedruckt und verschenkt, womit Geld natürlich kein Geld mehr ist sondern wertloser Müll: Hyperinflation !
    Japan wäre dann aber ein nach wie vor eine High-Tech Industrienation aber nun mit den billigsten Facharbeitern der Welt...sehr schlecht für China, D, USA (u.v.a.m.).
    Deren Antwort wäre dann (natürlich): Kompetitive Hyperinflationierung.

Serviceangebote