Aktien Frankfurt
„Der MDax wird geschlachtet“

Der deutsche Aktienmarkt hat seine Talfahrt am Montag weiter fortgesetzt. Marktteilnehmern zufolge bestimmten Sorgen über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank und das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt den Handel. Im Dax gerieten vor allem die Aktien der Deutschen Börse unter Druck.

HB FRANKFURT. Der Leitindex Dax verlor im Tagesverlauf mehr als zwei Prozent und fiel erstmals seit Ende Januar mit 5 546,24 Zählern wieder unter die Marke von 5 550 Punkten. Der TecDax stürzte um über vier Prozent auf 628,10 Zähler ab, noch stärker wurde der MDax in Mitleidenschaft gezogen: Er verlor gegenüber Freitag fast sechs Prozent auf 7 723,08 Punkte.

„Fundamental lässt sich das nicht erklären“, sagte Markus Morsch, Finanzanalyst bei der Commerzbank, unter Verweis auf fallende Ölpreise und eine Stabilisierung des Dollars gegenüber dem Euro. Nachdem es in den vergangenen zwei Wochen nach einem monatelangen Aufwärtstrend erstmals zu deutlichen Korrekturen gekommen war, versuchten viele Anleger offenbar ihre Gewinne ins Trockene zu bringen. Gerade Fondsmanager stünden unter Druck, „die Anleger zu bedienen mit Liquidität“, meint Morsch. Dies erkläre auch, warum gerade starke Titel am stärksten ins Rutschen gerieten.

Es gibt derzeit nach Ansicht Morschs einen ganzen „Reigen der psychologischen Faktoren“. Vor allem die Verkäufe der institutionellen Anleger hätten aber einen Domino-Effekt am Aktienmarkt in Gang gesetzt. „Der starke Druck wird noch fünf bis zehn Tage anhalten“, prophezeit der Analyst. Danach dürften die Kurse aufgrund positiver Fundamentaldaten aber wieder steigen: „Die Gewinne der Unternehmen sprechen eine deutliche Sprache.“

Im Dax verloren die Aktien der Deutschen Börse massiv an Wert. Aus Sorge, die Deutsche Börse könnte erneut bei einem Fusionsversuch mit einem Konkurrenten scheitern, trennten sich die Investoren von den Titeln des Frankfurter Börsenbetreibers. Mit einem Abschlag von 8,5 Prozent auf 101,30 Euro bildeten die Börse-Aktien das Schlusslicht im Dax. „Die Chance der Deutschen Börse auf eine Fusion mit der Euronext schmilzt nach dem Nyse-Angebot dahin“, sagte ein Händler. Will sie nicht mit leeren Händen dastehen, kommt die Deutsche Börse nach Ansicht von Analysten wohl nicht umhin, weitere Zugeständnisse an die Euronext zu machen. Für Analyst Konrad Becker von Merck Finck ist allerdings noch keine Vorentscheidung gefallen. „Das Rennen ist noch offen“, sagte er.

Auf der Verliererseite standen auch die Titel des Industriekonzerns Thyssen-Krupp, die um 7,3 Prozent nachgaben. Verkauft wurden ebenso Papiere des Stahl-Konkurrenten Salzgitter, die mehr als 14 Prozent an Wert verloren. Händler verwiesen auf die jüngsten Preisrückgänge an den Rohstoffmärkten, die die Stahlkonzerne belasteten. Unter Druck gerieten auch die Aktien von MAN, die um acht Prozent auf 54,26 Euro einbüßten. Die Titel wurden unter Abschlag der Dividende von 1,35 Euro gehandelt.

Bei der Werten der zweiten Reihe sah es teilweise noch schlimmer aus. „Der MDax wird geschlachtet“, sagte ein Händler. „Vor allem diejenigen Werte werden verkauft, an denen noch Speck dran ist.“ Die Papiere der Immobiliengesellschaft Vivacon rasten um mehr als 20 Prozent in den Keller. „Die fetten Enten verlieren in diesen Tagen am meisten. Dazu zählt auch eine Vivacon“, erklärte ein weiterer Händler. Die Aktien des Holzverarbeiters Pfleiderer standen auf der Verkaufsliste ebenso ganz oben und verbuchten ein Minus von mehr als 13 Prozent.

Im TecDax stießen die Investoren vor allem die zuletzt noch heiß begehrten Solarwerte ab. Die Aktien von Conergy und Solarworld fielen jeweils um etwa 13 Prozent. Im Kleinwerteindex SDax brachen die Aktien von WCM zeitweise um 18 Prozent auf nur noch 0,27 Euro ein. Die Beteiligungsgesellschaft muss wegen des schwelenden Streits mit den Finanzbehörden um Steuernachforderungen Rückstellungen bilden, die zum Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals führen.

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