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Trotz Zinssenkung: Europas Aktienmärkte brechen ein

Die europäischen Börsen haben am Donnerstag nach den Zinsentscheidungen der Bank von England (BoE) und der Europäischen Zentralbank (EZB) deutliche Kursverluste erlitten und sehr schwach geschlossen.

dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Börsen haben am Donnerstag nach den Zinsentscheidungen der Bank von England (BoE) und der Europäischen Zentralbank (EZB) deutliche Kursverluste erlitten und sehr schwach geschlossen. Neben negativen Vorgaben aus Übersee drückten insbesondere schwache Finanzwerte die Indizes nach unten. Ein Händler sagte, er habe derzeit für den Markt wenig Hoffnung: Trotz der jüngsten Zinssenkungen "geht nach oben offensichtlich nichts mehr".

Der Eurostoxx 50 schloss mit minus 6,22 Prozent auf 2 542,04 Zählern. Der Londoner Ftse 100 büßte 5,70 Prozent auf 4 272,41 Punkte ein. Der französische CAC-40-Index sackte um 6,38 Prozent auf 3 387,25 Zähler ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins im Euroraum abermals deutlich reduziert und zugleich die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. Der Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld sinkt in den 15 Euro-Ländern von 3,75 auf 3,25 Prozent. Die Bank of England senkte den Leitzins ebenfalls und zwar um 1,50 Prozentpunkte auf 3,00 Prozent.

Nach ihrem drastischen Vortagesverlust rutschten die Titel von Arcelormittal erneut als schwächster Wert im europäischen Leitindex ans Indexende. Sie verloren weitere 19,12 Prozent auf 16,75 Euro. Tags zuvor hatten die Aktien des Stahlkonzerns nach enttäuschenden Zahlen bereits mehr als 15 Prozent eingebüßt. Nun stufte die Rabobank die Aktien von "Buy" auf "Hold" ab. Auch Exane BNP kappte das Kursziel sowie die Gewinnschätzungen, hielt an der "Outperform"-Empfehlung aber fest.

Titel von Sanofi-Aventis verloren 2,75 Prozent auf 45,56 Euro. Der Pharmakonzern hatte die klinischen Tests mit seiner umstrittenen Schlankheitspille Acomplia in allen Anwendungsgebieten gestoppt. Auswirkungen auf die Prognose habe dies aber nicht.

Ansonsten gaben europaweit Versicherer und Finanzunternehmen den Ton an. Aegon schlossen nach zwischenzeitlichen Gewinnen mit minus 0,75 Prozent auf 3,97 Euro als einer der stärksten Titel im Eurostoxx 50. Der angeschlagene niederländische Versicherer will durch die Weitervergabe von Krediten und Risiken seine dünne Kapitaldecke stärken. Im vierten Quartal sollten über die Rückversicherung und Verbriefung von Wertpapieren 600 bis 800 Mill. Euro frei gesetzt werden, teilte Aegon mit. Ein Händler zeigte sich insgesamt wenig überrascht von den endgültigen Zahlen. Dass Aegon die Chance einer Stärkung der Kapitaldecke sehe, sorge allerdings für etwas mehr Sicherheit.

Für Aktien des Wettbewerbers AXA ging es unterdessen um deutliche 9,15 Prozent auf 15,15 Euro nach unten. Der zweitgrößte europäische Versicherer sieht sich zwar trotz eines leichten Prämienrückgangs in den ersten neun Monaten und etwas gesunkener Liquidität in der Krise weiter gut aufgestellt. In den ersten neun Monaten war der Gesamtumsatz auf vergleichbarer Basis aber um 0,9 Prozent auf 69,46 Mrd. Euro gesunken. Angaben zum erwarteten Gewinn im laufenden Jahr und zur Dividende machte AXA nicht. Händler bemängelten insbesondere den deutlicher als erwartet gefallenen Wert des Neugeschäfts.

In London brachen Man Group um 31,17 Prozent auf 270,00 Pence ein. Der börsennotierte Hedgefonds hatte in den sechs Monaten bis Ende September wegen der Finanzkrise deutlich weniger verdient. Zudem war das verwaltete Vermögen stärker als noch vor wenigen Wochen angekündigt gesunken. "Die Abschreibungen auf Provisionseinnahmen der Sparte Man Global Strategies deutet darauf hin, dass das Management mit einem verstärkten Abzug von Kapital rechnet", kommentierte ein Analyst. Mit an der "Footsie"-Spitze legten dagegen Old Mutual 3,17 Prozent auf 56,40 Pence zu. Der Versicherer hat keine Pläne für eine Kapitalerhöhung und erwartet einen Abschluss des Verkaufs der Tochter Mutual & Federal noch vor Jahresende. Die Kapitalposition sei stark.

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