Aktien
Unruhe bei den Anlegern wächst

Nach den jüngsten Kurseinbrüchen hat sich am deutschen Aktienmarkt Unruhe breit gemacht. Erneut schwache Vorgaben aus Übersee einerseits und kurzfristige Käufer auf der anderen Seite sorgten beim Leitindex Dax am Donnerstag für Nervosität:

HB FRANKFURT. Nach einem Start im Minus ging es bei unruhigem Handel erst einmal wieder nach oben. Zwar erwarten die meisten Experten für die kommenden Tage weitere Kursverluste, auf lange Sicht geben sich viele jedoch weiter gelassen. Insgesamt wächst aber unter Anlegern die Unsicherheit, wohin die Reise am Aktienmarkt gehen wird.

Mit Blick auf die jüngsten Kursverluste sagt Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers: "Wir hatten keinen Crash, sondern einen sehr schwachen Markt." Der Dax war am Vorabend gegen Handelsschluss massiv ins Minus abgeglitten. Händler hatten teils sogar von Panikverkäufen gesprochen. Als Ursache galten Konjunkturdaten aus den USA, die die Sorge vor Inflation und steigenden Leitzinsen genährt hatten. Der Leitindex fiel um 3,40 Prozent und damit fast 200 Punkte auf 5 652,72 Zähler. Das entsprach den Kursgewinnen von mehr als drei Monaten. Ähnlich sah es bei den deutschen Nebenwerten sowie bei den europäischen Börsen aus.

Manfred Hübner von Sentix nimmt eine wachsende Unruhe bei den Investoren wahr. Das Marktanalysehaus fragt wöchentlich unter mehr als 2000 Anlegern die Kapitalmarktstimmung ab. Bereits in der vergangenen Woche habe sich bei den Investoren ein Vertrauensverlust bemerkbar gemacht: "Auslöser war die US-Nationalbank, die entgegen der Markterwartungen nicht ein Ende der Leitzinserhöhungen in Aussicht stellte, sondern dies von der weiteren Entwicklung der Rahmendaten abhängig machte", sagt Hübner.

Zu dieser Unsicherheit seien nun fallende Kurse gekommen, es zeichne sich Ratlosigkeit ab: "Die Anleger stehen mit leeren Händen da: Sie sehen ein Minus im Depot, und zudem fehlt es ihnen an klaren Aussagen für die Zukunft." Viele wüssten vermutlich noch nicht, wie sie sich in den kommenden Wochen verhalten sollten.

Vorübergehenden Kurserholungen wurden am Donnerstag mit Vorsicht betrachtet: "Das sind erstmal technische Gegenreaktionen ", meint Marktstratege Christian Schmidt von Helaba Trust. Am Markt tauchten kurzfristig orientierte Schnäppchenjäger auf. Diese griffen bei dem ersten Anzeichen einer Aufwärtsbewegung zu, bei einer Wende nach untern stiegen sie aber genauso schnell wieder aus. "Sie unterstützen den Markt nicht nachhaltig, verstärken eher die Auf- und Abbewegungen", sagt Schmidt. Zu sehen war dies etwa an der K+S-Aktie . Die Titel des Düngemittelherstellers verzeichneten zwischen ihrem Höchst- und Tiefstand einen Unterschied von mehr als fünf Euro.

Dennoch sehen Marktexperten die derzeitige Situation an Europas Börsen gelassen. So etwa der Chef der Deutschen Bank , Josef Ackermann: „Wir hatten so eine gute Entwicklung in den ersten Monaten, dass man erwarten musste, dass einmal eine Korrekturphase kommt. Die ist jetzt eingetreten“, sagt er am Rande des St. Gallen Symposiums. Derzeit gebe es eine gesunde Pause im bisher stabilen Aufwärtstrend. „Das macht mich überhaupt nicht nervös. Wer wirklich das Geschäft versteht, zeigt sich immer in schwierigen Phasen.“

Helmer sieht das ähnlich: "Nach der Kursrallye der vergangenen Monate lag es auf der Hand, dass es eine kräftige technische Reaktion geben würde", sagt der Aktienhändler. Die Absicherungsverkäufe hätten in einem zuletzt von Kaufzurückhaltung geprägten Markt zu einem Kurssturz geführt. "Das ist nicht schön, aber auch nicht schlimm", sagt Helmer. Die Rahmenbedingungen - darunter der Dollarkurs, der Ölpreis sowie vor allem auch die Bilanzen der Unternehmen in Deutschland - stimmten weiterhin. "So gilt wohl wieder das alte Sprichwort 'Sell in May and go away', also 'Steige im Mai aus dem Markt aus'." Doch sollten die Anleger seiner Meinung nach nicht zulange fortbleiben: "Im August, September geht es wieder richtig los."

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