Aktiencrash in China
Davos-Veteranen haben keine Panik

Innerhalb von zwei Wochen hat Chinas Leitindex ein Sechstel seines Wertes verloren. Sorgen und Zweifel über die Wachstumsdaten der Volksrepublik nehmen zu. Top-Ökonomen mahnen jedoch zur Gelassenheit.

DavosVor einem Jahr versicherte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang auf dem Weltwirtschaftsforum, dass sein Land eine harte Landung vermeiden könne. Während sich der Schweizer Alpenort Davos auf die diesjährige Tagung vorbereitet, geben Delegierte wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam, Le Keqiang immer noch recht.

Ihre Einschätzung steht im Gegensatz zur jüngsten Stimmung an den Finanzmärkten. Ein Ausverkauf des Yuan und chinesischer Aktien lösten Schockwellen an den Rohstoffmärkten aus. Aktien büßten weltweit 5 Billionen Dollar an Marktwert ein. Anleger sorgen sich um das globale Wachstum.

„Die Stimmung ist viel zu rasch in Pessimismus abgedriftet und hat Abwärtsszenarien übertrieben“, sagt Tim Adams, ehemaliger China-Spezialist im US-Finanzministerium und nun Präsident des Institute of International Finance. „Letztlich wird China es wie jede große Volkswirtschaft machen und sich durchwursteln.“

Investoren sind zunehmend wegen China besorgt. Am Dienstag anstehende Daten dürften zeigen, dass die Wirtschaft im vergangenen Jahr mit der niedrigsten Rate seit 1990 gewachsen ist. Sorge bereiten den Investoren auch ein Schuldenüberhang, der auf 28 Billionen Dollar geschätzt wird, eine Währungsschwäche, die einen Abwertungswettlauf anderswo auslösen könnte, und das Abrutschen des Aktienmarktes in einen Bärenmarkt.

China ist weltweit zur zweitgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen. Auf das Land entfallen etwa 15 Prozent der globalen. Daher fürchten Anleger wie Investoren, dass die Probleme auf andere Länder übergreifen, wenn China weniger Rohstoffe und Fertigwaren importiert. Ein schwächerer Yuan könnt eine disinflationäre Wirkung haben.

Einige Ökonomen halten dem entgegen, dass es Grund für Optimismus gebe, da chinesische Verbraucher weiterhin konsumieren, die Immobilienpreise sich stabilisieren, die Nachfrage nach Exporten angezogen hat und es hinreichend Spielraum für fiskal- und geldpolitische Stimuli gebe, sollte dies nötig sein. Obwohl das Wachstum nachlässt, dürfte China in diesem Jahr um 6,5 Prozent expandieren, lautet die Median-Schätzung von Ökonomen in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Stiglitz: „Keine katastrophale Abschwächung“

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