Aktienhandel Frankfurt
US-Zinssenkung belebt den Dax nicht

Auch nach der Senkung der Leitzinsen in den USA prägte Unsicherheit das Bild am Frankfurter Aktienmarkt. Auf breiter Front ging es am Donnerstag lange Zeit abwärts. Erst zum Handelsschluss in Frankfurt am Main nahm der Deutsche Aktienindex Fahrt auf und konnte seine zwischenzeitlichen Verluste weitgehend wettmachen.

HB FRANKFURT. Die Angst vor weiteren Kreditausfällen im Finanzsektor bestimmte das Geschehen am deutschen Aktienmarkt - trotz der zweiten Zinssenkung der US -Notenbank binnen acht Tagen. Gerüchte über Gewinnwarnungen und weiteren Abschreibungen sorgten für Verkäufe der ohnehin schon gebeutelten Banken-Aktien. Enttäuschende US-Konjunkturdaten trübten am Nachmittag die Stimmung weiter ein. Lange Zeit ging es auf breiter Front abwärts. Erst eine Erholungsrally an der Wall Street verschaffte dem Dax etwas Luft. Mit 6 851 Punkten ging der Leitindex nur noch 0,3 Prozent niedriger aus dem Handel, nachdem er zeitweise 2,7 Prozent im Minus gelegen hatte. Der MDax drehte leicht ins Plus und gewann 0,09 Prozent auf 8.718,89 Zähler, der TecDax sank um 0,15 Prozent auf 789,80 Punkte.

"Das Hin und Her zeigt, wie nervös die Anleger sind", sagte ein Händler. "Keiner weiß so recht, was er machen soll." Auslöser der Talfahrt am Vormittag war die andauernde Angst der Investoren vor einer Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft. Die US -Notenbank (Fed) hatte am Vorabend wie von den Finanzmärkten gefordert die Zinsen um weitere 50 Basispunkte auf drei Prozent gekappt und die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen.

"Jetzt wird unterstellt, dass es für die US-Wirtschaft noch schlechter aussieht als angenommen, und eine Rezession unumgänglich sein könnte", fasste Helaba -Analyst Christian Schmidt die Stimmung zusammen. Der überraschend deutliche Anstieg von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche sowie der unerwartet deutliche Rückgang des Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago im Dezember verstärkten diese Ängste noch.

Die Zinssenkung soll die Kreditaufnahme für Unternehmen und Haushalte günstiger machen und so die Konjunktur ankurbeln. Die Banken können sich durch den niedrigeren Zins ebenfalls besser refinanzieren. Zudem können ihre Kunden bei günstigeren Bedingungen ihre Schulden leichter zurückzahlen, womit es bei den Banken wiederum zu weniger Ausfällen kommen sollte.

Dennoch konnten gerade die Bankenwerte von der Zinssenkung nicht profitieren. Spekulationen auf eine Gewinnwarnung drückten die Titel von Branchenprimus Deutsche Bank um 2,7 Prozent ins Minus. Die Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Auch die Aktien der Commerzbank verloren über zwei Prozent und die der Allianz - dem Mutterkonzern der Dresdner Bank - 1,7 Prozent.

"Alle fragen sich, wie die Zahlen der deutschen Banken ausfallen werden und wie hoch die Abschreibungen sind", sagte ein Händler. Die Deutsche Bank hat den Geschäftsbericht für nächste Woche angekündigt. Die Commerzbank will in der Woche darauf folgen.

Viele Börsianer fürchten weitere Rating-Abstufungen für die angeschlagenen US-Anleiheversicherer. Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte, die Krise sei noch lange nicht überwunden und einige Großbanken in Europa könnten noch massive Verluste ausweisen. In der Schweiz verwiesen Vertreter der Bankenaufsicht darauf, dass sich die Ausfälle nicht mehr nur auf den Subprime-Berich bezögen, sondern auch Kreditkarten oder Gewerbekredite beträfen.

Mit Beginn des Börsenhandels in New York zogen die Kurse an. Für manche Bewegung hatten Händler keine Begründung. "Mit vielen Werten wird Pingpong gespielt, an einem Tag sieben Prozent runter, am nächsten vier Prozent hoch und dann wieder runter", spielte ein Händler auf die Kursbewegung beim Lkw-Bauer MAN an, dessen Aktien am Donnerstag mehr als drei Prozent im Minus schlossen. Schlusslicht waren die Henkel -Aktien mit einem Abschlag von 3,8 Prozent.

Als Gewinner empfahlen sich - ohne erkennbar fundamentale Faktoren - die Aktien von Bayer, Merck, Linde und BASF mit Kursanstiegen von zwei bis 3,6 Prozent. Im TecDax profitierte die Aktien des Laserhersteller Rofin -Sinar von der Vorlage der Quartalszahlen und dem Ausblick und zogen um 18,5 Prozent an. Im MDax ragten die Aktien von Beiersdorf nach einer Analystenempfehlung mit einem Plus von 4,5 Prozent heraus.

Auch der Euro konnte von der Senkung des Leitzinses durch die US -Notenbank nur kurz profitieren. "Die Zinssenkung der Federal Reserve hat nicht dazu beigetragen, die Stimmung zu beruhigen", sagte HSBC -Volkswirt Rainer Sartoris. Die Gemeinschaftswährung sprang am Donnerstag im frühen Geschäft bis auf 1,4914 Dollar, sackte danach aber wieder ab. Am Nachmittag notierte der Euro bei 1,4847 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs mit 1,4870 (Mittwoch: 1,4810) Dollar fest.

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