Aktienhandel New York
Übernahmefieber treibt Dow zu Rekorden

Die Anleger in den USA haben den Schock vom Februar offensichtlich verdaut: Am Mittwoch übersprang der Börsenindex Dow Jones zur Mitte des Handelstages in New York den bisher höchsten Schlusskurs von 12 786 Punkten. Der Index der 30 größten amerikanischen Industriewerte ging mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 12 804 Punkten aus dem Handel.

tor NEW YORK. Die Aktienbörse schüttelte damit die schlechten Nachrichten aus dem Technologiesektor ab. Der Internetdienstleister Yahoo hatte die Gewinnerwartungen der Analysten verfehlt, und die Aktie des Technologiekonzerns IBM wurde von der Investmentbank Goldman Sachs auf "neutral" herabgestuft. Beides zusammen nährte die Sorge, dass die Ergebnisse im Technologiesektor schwächer ausfallen könnten als von der Wall Street erwartet. Die Technologiebörse Nasdaq verlor deshalb 0,26 Prozent und schloss bei 2 510 Punkten. Der breiter aufgestellte Index S&P 500 konnte dagegen um 0,07 Punkte zulegen auf 1 472 Punkte.

Für die Rally beim Dow - der Index stieg im Verkauf auf bis zu 12 838 Punkte - sorgte vor allem der Kursanstieg von JP Morgan. Die US-Großbank hatte die Wall Street mit einem Gewinnsprung von 55 Prozent positiv überrascht. Auch die Aktie des Flugzeugbauers Boeing kletterte um fast vier Prozent, nachdem US-Medien von einem neuen Großauftrag für das Modell 787 Dreamliner berichtet hatten. Unterm Strich reichte der Anstieg von zehn Dow-Aktien, um den Index nach oben zu ziehen.

Dagegen gingen Yahoo-Aktien nach der Vorlage einer enttäuschenden Bilanz 11,78 Prozent schwächer bei 28,31 Dollar aus dem Handel. Auch von den IBM-Zahlen hatten sich die Anleger offenbar mehr versprochen: Die Aktien des Unternehmens verloren 2,39 Prozent auf 94,80 Dollar.

Es war der zweite Tag hintereinander, an dem die Leitbörse der Welt ihre bisherige Höchstmarke im Handelsverlauf übertreffen konnte. "Das gibt den Leuten Zuversicht", sagte Jim Herrick, Handelschef beim Broker Robert W. Baird. Überraschend ist der neue Höhenflug der Börse aber vor allem deshalb, weil er nur wenige Wochen nach dem Beinahe-Crash am 27. Februar kommt. Damals war der Dow innerhalb von Minuten um 416 Punkte gefallen. Nach diesem Schock flohen die Anleger zunächst aus riskanten Anlagen und suchten Schutz in US-Staatsanleihen. Viele Strategen sprachen bereits von einer Trendwende und den Vorboten einer größeren Kurskorrektur. Zumal die Krisennachrichten aus dem amerikanischen Hypothekenmarkt weiter auf die Börsenlaune drückten.

Die Nerven der Anleger haben sich jedoch recht schnell beruhigt. Angetrieben vom Übernahmefieber auf dem Private-Equity-Markt ist die Kursphantasie an der Börse wieder gewachsen. Allein in diesem Jahr wurden von den Buyout-Firmen bereits Transaktionen im Wert von 183 Mrd. Dollar angekündigt. Bleibt es bei diesem Tempo, könnte das Gesamtvolumen in diesem Jahr auf einen neuen Rekord von 700 Mrd. Dollar steigen. "Mit ihrer enormen Liquidität haben die (Buyout-Firmen) ein Sicherheitsnetz unter die Märkte gespannt", sagte Byron Wien, Chef Investment Stratege des Hedge-Fonds Pequot Capital dem "Wall Street Journal".

Viele Investoren wetten inzwischen auf die Aktien jener Unternehmen, die in ihren Augen als Kandidaten für ein Buyout in Frage kommen. In der Regel führt ein Übernahmeangebot zu einem kräftigen Kursanstieg. "Die Stimmung ist momentan einfach gut - vor allem angetrieben von den zahlreichen Übernahmespekulationen", sagt Thomas Meier, Geschäftsführender Gesellschafter der Oldenburger Investmentfondsgesellschaft Loys. Prinzipiell bleibt Meier angesichts der weiter bestehenden Risiken beispielsweise am Hypothekenmarkt bei amerikanischen Titeln vorsichtig.

Bemerkenswert ist die Rally aber auch deshalb, weil sie zeitgleich mit einem Wertverfall des Dollar einhergeht. Während die Devisenhändler auf die gegenwärtige Wachstumsschwäche in den USA blicken und ihr Geld in andere Währungen umschichten, setzen die Optimisten an der Börse auf ein baldiges Comeback der US-Wirtschaft. 18 Prozent der großen Fondsmanager halten jedoch nach einer Umfrage des Brokerhauses Merrill Lynch den amerikanischen Aktienmarkt für überbewertet. Umgekehrt sind 26 Prozent der Meinung, dass die Aktien in Europa unterbewertet sind.

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