Aktienmärkte
Ben Bernanke lässt die Börsen erzittern

Den Märkten droht ein Ende der Geldflut aus den USA. Investoren sind schockiert. Weltweit brechen die Aktien ein und auch die Anleihemärkte spielen verrückt. Der Dax verliert mehr als drei Prozent. Korrektur oder Crash?
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FrankfurtDie Aussicht auf ein Ende der Geldschwemme in den USA hat den Finanzmärkten am Donnerstag ordentlich zugesetzt. Aktien, Anleihen und Rohstoffe gingen auf Talfahrt. Lediglich der US-Dollar verbuchte satte Gewinne.

Ausgelöst wurde der Ausverkauf an den Märkten von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Er hatte am Mittwochabend angekündigt, die Zentralbank Fed könnte ihren extrem laxen geldpolitischen Kurs noch in diesem Jahr verlassen und ihre milliardenschweren monatlichen Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres beenden. Etliche Investoren waren überrascht von dieser ungewöhnlich klaren Ansage. „Die Fed hat die rund um ihre Pläne kursierende Unsicherheit deutlich reduziert, und das war wahrscheinlich die größte Überraschung für die Märkte“, sagte Fondsmanager Ken Dickson von Standard Life.

Der Dax rutschte unter die 8.000-Punkte-Marke, er verlor bei ungewöhnlich hohen Umsätzen 3,3 Prozent auf 7.928 Zähler und schloss auf dem tiefsten Stand seit Anfang Mai. Vor etwa einem Monat hatte der deutsche Leitindex noch ein Rekordhoch bei 8.557,86 Zählern markiert. Der EuroStoxx50 sackte um 3,4 Prozent auf 2594 Punkte ab.

Am Nachmittag hatten die Börsen in Reaktion auf als schwach empfundene US-Daten ihre Talfahrt noch einmal beschleunigt. So stieg die Zahl der wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe und die Statistik zu den Frühindikatoren enttäuschte. „Die Daten wurden schlicht als Vorwand benutzt, um den Druck noch einmal zu erhöhen“, sagte ein Börsianer. Der Dow-Jones-Index verlor an der Wall Street 1,6 Prozent, nachdem er schon am Mittwoch in Reaktion auf die Fed-Aussagen nachgegeben hatte.

Besonders heftig sanken die Kurse in den Schwellenländern, wo die Börsen in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich von der durch die Notenbanken verursachten Liquiditätsflut profitiert hatten. Der MSCI-Aktienindex für die Schwellenländer fiel um mehr als vier Prozent auf den tiefsten Stand seit Juli 2012.

Edelmetalle verlieren an Glanz

Die Geldschwemme der Notenbanken hatte die Börsen über Monate nach oben getrieben, das billige Geld war vor allem in Aktien geflossen. Bis Ende Mai waren Dax, Dow und Nikkei von einem Höchststand zum nächsten geeilt.

Derzeit kauft die US-Notenbank Fed monatlich für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere. Auch die Bank von Japan schleust riesige Summen ins Finanzsystem - in der Hoffnung, dass die Banken mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben und so die Investitionen ankurbeln. Die EZB denkt derzeit über eine weitere Zinssenkung und den Einsatz neuer, unorthodoxer Instrumente im Kampf gegen Rezession und Kreditklemme nach.

Nachdem Fed-Chef Bernanke für die weltweit liquideste Währung die Weichen nun neu gestellt hat, gerieten am Donnerstag auch die Preise für Edelmetalle in den Abwärtsstrudel. Mit einem Ende der Geldflut in den USA dürften die Inflationsängste für die weltgrößte Volkswirtschaft etwas schwinden. Somit fällt ein wichtiges Argument für die Gold- oder Silberanlage fort. Gold verbilligte sich um bis zu knapp vier Prozent und notierte auf dem niedrigsten Niveau seit Ende September 2010. Der Silberpreis brach um fast sechs Prozent ein.

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  • @deltaone - sehe ich nicht so. Leibeigene/Sklaven waren "teuer" und man schaute, dass es ihnen gut geht. Oder wuerden Sie ihr Auto kaputt fahren, dass Sie taeglich fuer die Arbeit brauchen?

    Der heutige Kapitalismus versklavt Menschen en masse, allerdings subtiler - und die Menschen glauben auch noch, sie tun es freiwillig.

    Beispiel: Ein Haus kostet 300.000 Euro (Standard z.B. in England). Der Kaeufer verdient durchschnittlich, d.h. hat 1350 Euro/Monat zur Verfuegung. Ohne Zinsen "darf" der Kaeufer also schlappe 18.5 Jahre "freiwillig" arbeiten. Mit Zinsen dann eben ein Leben lang.

    Der technische Fortschritt hat also nicht geholfen, billiger zu einem Haus zu kommen. Wo bleibt die ganze Effiziensteigerung hier?
    Oder liegt da das Problem des Kapitalismus, dass Landbesitzer und Arbeitgeber einen Reibach machen und andere de-facto versklaven?

  • @Drahtseilakt: Die Werte finde ich auch interessant. Leider kann man nie alles gewünschte im Depot haben. CSCO ist mir im Moment ja auch zu teuer zum Nachkaufen aber der nächste US-Crash kommt bestimmt. Ich bin mir natürlich nicht sicher, ob CSCO dann auch unter den rauchenden Trümmern liegt...mal sehen.

    Noch interessant und auf der Watchlist habe ich u.a. OAK und VGR. MO habe ich schon im Bestand. Riskant aber nicht uninteressant finde ich STON und HCLP.

  • Na denn: Gute Nacht! Ggf. findet sich ja eine andere Kontaktmöglichkeit in Zukunft. Bis dann, leser...

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