Aktienmärkte
Börse: Die „Hexen“ sind los

Alle drei Monate herrscht an der Börse Ausnahmezustand: An jedem dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember ist großer Verfallstag bei Derivaten, auch Hexensabbat genannt. Dann spielen die Märkte verrückt. Heute ist es wieder soweit. Der Dax wird in Bewegung kommen. Kleinanleger sollten vorsichtig sein.

HB FRANKFURT. Die Nervosität am Markt ist groß. „Die Stimmung ist angespannt, die Anleger sind vor dem Verfall am Freitag hyperhektisch“, sagt Mirko Pillep von der Helaba. Unter Hexensabbat verstehen die Börsenkenner den großen Verfall am Terminmarkt. Der Begriff stammt aus dem Englischen von „Witch Day“.

Gleich mehrere große Gruppen von Derivaten werden am Montag fällig und daher heute zum letzten Mal gehandelt. Es geht dabei um Optionen und Futures auf Basis einzelner Aktien und Indizes. Der Wert dieser Papiere hängt vom Kurs der entsprechenden Aktie oder des Indexes ab. Für Käufer und Verkäufer der Derivate entscheidet also der heutige Handelstag über Gewinn und Verlust aus dem Geschäft.

Der große Verfall wird heute das Handelsgeschehen bestimmen. Von den Unternehmen selbst dürften dagegen kaum Impulse für den Aktienmarkt ausgehen, sagt Pillep. Einige Firmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe laden zu Hauptversammlungen ein, mehr nicht.

Keiner der Investoren will am Ende als Verlierer dastehen; also kaufen oder verkaufen sie Aktienpakete, um den Wert ihrer Derivate zu beeinflussen. Anleger, die wollen, dass ihre Kaufoption kräftig an Wert gewinnt, werden den Basiswert kaufen und damit den Preis der Option nach oben treiben. Das lohnt sich; schließlich steigt der Preis einer Option wegen der Hebelwirkung prozentual deutlich stärker als der Aktienkurs. Der Verkäufer will genau das Gegenteil. Er macht mit seiner Option nur dann Kasse, wenn der Kurs der jeweiligen Aktie oder des Indexes fällt.

Die Kurse werden deshalb kräftig in Bewegung kommen. Im Fokus stehen besonders die Dax-Schwergewichte Siemens, Eon oder Deutsche Telekom. Sie machen einen Großteil des Dax aus. Investoren, die den Leitindex in die eine oder andere Richtung schieben wollen, um am Terminmarkt kräftig abzukassieren, kommen nicht um die Aktien dieser Unternehmen herum.

Kleinanleger sollten heute vorsichtig sein. Der Markt ist am Hexensabbat noch unberechenbarer als an gewöhnlichen Handelstagen. Niemand kann abschätzen, wie viele Spekulanten am Terminmarkt ihre Wettgeschäfte verfallen lassen oder sich weiter engagieren. Innerhalb weniger Minuten schwanken die Indizes rasant.

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