Aktienmärkte
Europas Börsen legen zu

Das Hilfspaket für den US-Finanzsektor hat den Börsen in Europa deutliche Kursgewinne beschert, obwohl es bis zum Abend und Handelsschluss der Märkte noch gar nicht verabschiedet war. Doch auch andere Nachrichten beflügelten die Stimmung der Anleger.

HB FRANKFURT. Die europäischen Indizes haben am Freitag sehr fest geschlossen, wobei es im späten Handel massiv nach oben ging. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 3,5 Prozent oder 106 Punkte auf 3 114, der Stoxx-50 legte 3,7 Prozent bzw 98 Zähler auf 2 727 zu. Händler sprachen von einer kräftigen Gegenbewegung, nachdem sich die Zeichen verdichtet hatten, dass das Hilfspaket für den US-Finanzsektor im zweiten Anlauf doch noch durchkommt. "Vor diesem Hintergrund ist es bei den Verlierern der vergangenen Wochen zu massiven Erholungen gekommen", sagte ein Händler.

"Die Frage nach dem Sinn und der Wirksamkeit des Hilfspakets scheint mittlerweile zweitrangig zu sein. Es dreht sich nur noch darum, ob das Paket durchkommt oder nicht", so der Marktteilnehmer. Außerdem stützten auch Rückgänge bei Ölpreis und Eurokurs. Angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung sei eine Trendwende aber nicht in Sicht, warnte ein Händler. Dass eine Rezession in den USA nicht ausgeschlossen werden kann, zeigten einmal mehr die Arbeitsmarktdaten, die deutlich unter den Erwartungen lagen. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor bewegte sich dagegen im Rahmen der Prognosen, fand aber wegen der bevorstehenden Abstimmung über das Hilfspaket keine allzu große Beachtung.

Die europäischen Banken legten im Vorfeld der Entscheidung des US-Repräsentantenhauses zum Rettungspaket für die Banken sechs Prozent zu. Einige Volkswirte gehen davon aus, dass mit einer Verabschiedung des Rettungspaketes die großen Notenbanken Anfang kommender Woche in einer konzertierten Aktion die Leitzinsen senken könnten.

Am Mittag hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Regierungen der europäischen Länder aufgefordert, ihre Reaktionen auf die Finanzmarktkrise gegenseitig abzustimmen. Am Samstag wird in Paris ein Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der europäischen G-8-Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien abgehalten. Bei dem Sondertreffen solle eine "gemeinsame Richtung" erarbeitet werden, sagte Trichet im Gespräch mit dem Sender "Europe1".

UBS gewannen dabei 12,6 Prozent auf 23,98 Schweizer Franken. Die schweizerische Bank plant eine Neuausrichtung der Investmentsparte sowie Stellenkürzungen. Nach UBS-Angaben wird die Investmentbank ihr Geschäftsportfolio zukünftig anders gewichten. In der Investmentbankingsparte soll der Personalbestand um weitere 2 000 Mitarbeiter reduziert werden.

Auch die volatilen Rohstoffwerte verbuchten deutliche Gewinne. Hier ging es um 6,3 Prozent nach oben. Händler sprachen von Shorteindeckungen, nachdem der Sektor wegen der befürchteten konjunkturellen Abschwächung unter Druck gestanden hatte. Mit der Gesamtmarkterholung sei es hier zu Rückkäufen gekommen. Xstrata etwa legten 3,9 Prozent auf 1 680 Pence zu. Noch dynamischer ging es mit den Stahlwerten nach oben, so schossen etwa Arcelor Mittal um 9,7 Prozent auf 33,24 Euro empor.

Nicht ganz so dynamisch ging es mit den zyklischen Sektoren nach oben. Eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums dürfte zunächst die Geschäftsentwicklung dieses Bereichs belasten. Erst am Donnerstag hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer Studie darauf verwiesen, dass Finanzturbulenzen, die ihren Ursprung im Bankensektor haben, zu schwereren und länger andauernden wirtschaftlichen Abschwüngen oder Rezessionen führen. Die europäischen Bauwerte legten nach anfänglichen Verlusten 2,2 Prozent zu, Technologiewerte verloren sogar 0,1 Prozent.

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