Aktienmarkt bricht ein
Politische Instabilität in Griechenland besorgt Anleger

Weil sich Regierungschef Samaras kaum durchsetzt und ein politischer Wechsel in Griechenland möglich scheint, ziehen sich Anleger zurück, der Markt schlingert. Eine linke Regierung wäre ein Härtetest für die Europolitik.
  • 3

Die Innertages-Volatilität beim griechischen Benchmark- Aktienindex ASE und beim breiteren Stoxx Europe 600 Index hat sich in der vergangenen Woche auf das Doppelte des jährlichen Durchschnitts erhöht. Im ersten Wahlgang war es Ministerpräsident Antonis Samaras nicht gelungen, im Parlament die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit von 200 Stimmen für seinen Präsidentschaftskandidaten Stavros Dimas zu erhalten.

Um 12 Uhr mittags findet am heutigen Dienstag der zweite Wahlgang statt, für den Samaras wiederum 200 Stimmen benötigt. Seine Koalitionsregierung verfügt nur über 155 Sitze. Fällt Dimas auch heute durch, folgt am 29. Dezember ein dritter Wahlgang, bei dem nur noch 180 Ja-Stimmen erforderlich sind. Gelingt die Wahl auch dann nicht, wird das Parlament aufgelöst und es müssen Neuwahlen stattfinden.

Die Sorge, dass die Wähler dann Politiker aus dem Amt jagen werden, die sich dem Rettungs- und Reformprogramm für Griechenland verpflichtet fühlen, hatte in diesem Monat zu einem Kurseinbruch am Aktienmarkt geführt - der ASE brach um 20 Prozent weg. Das war der größte wöchentliche Verlust seit 1987. Die Oppositionspartei Syriza befürwortet Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen, die von der Europäischen Zentralbank und anderen Gläubigern gehalten werden.

Griechenland

Bruttoinlandsprodukt von 2008 bis 2014

%-Veränderung zum Vorjahr


Die Bestrebungen von Syriza „beinhalten ein beträchtliches Risiko für einen Ausstieg Griechenlands: ein realer Test für die EU und Mario Draghis 'was immer erforderlich ist'“, sagt Manish Singh, Leiter Investments bei Crossbridge Capital in London, mit Bezug auf die Äußerung des EZB-Präsidenten, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu bewahren.

Der ASE, der im März noch auf ein Plus von 18 Prozent kam, hat in diesem Jahr nunmehr 25 Prozent verloren und weist damit die drittschlechteste Entwicklung weltweit hinter Russland und Portugal auf. Der Stoxx 600 befindet sich mitten in der größten Rally seit zwei Monaten, doch die Besorgnis wächst, dass die griechische Politik die geldpolitischen Anreize der EZB zur Konjunkturankurbelung, wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen, gefährden könnte.

„Das Problem sind jetzt die möglichen Auswirkungen auf die Politik der EZB, zumal wir so nahe an einem QE sind“, sagte Singh. „Eine Verzögerung beim Ankauf von Staatsanleihen wird die europäische Aktienrally abbremsen.“

„Wenn der griechische Aktienmarkt ausreichend bestraft wird, könnte Samaras seinen Kandidaten im dritten Wahlgang durchbekommen, so dass keine der potenziellen Katastrophen eintritt“, sagt Max Breier, Leitender Aktien-Derivate-Händler bei bei BMO Capital Markets Corp. in New York. „Sollte Syriza gewinnen, dürfte die EZB eine sehr komplizierte Aufgabe vor sich haben, wenn die Dinge nicht in ihrem Sinne laufen. Es gibt schon genügend Fragen um QE. Dann kommt ein weiterer erschwerender Faktor hinzu.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aktienmarkt bricht ein: Politische Instabilität in Griechenland besorgt Anleger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Wahl in Griechenland wäre ökonomisch normalerweise so bedeutend, wie Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier geht es nur um die Interessen einiger (französischer) Großbanken. Und das schöne ist doch, dass Finanzmedien, wie das Handelsblatt die nächsten Wochen Griechenland abwechseln als Grund für steigende/fallende Kurse verwenden können.

  • Herr Schäfer,

    schön, dass Sie noch Träume haben.

    Das ist ein viel zu lukratives Geschäft für die großen Banken, weshalb Yellen & Draghi auch fester im Sattel sitzen als alle Politiker dieser Welt zusammen.

  • Für den deutschen Steuerzahler ist Alexis Tsipras besser: dann geht alles schneller. Der ohnehin notwendige Euro-Austritt Griechenlands wird nach einer chaotischen Übergangsphase wie ein reinigendes Gewitter wirken. Es wird dann hoffentlich dem letzten Regierungsanhänger klar, dass mit QE keine Strukturprobleme zu lösen sind. Vielleicht besteht dann die Möglichkeit, Mario Draghi endlich abzulösen und durch einen seriösen Ökonomen zu ersetzen, der in marktwirtschaftlichen Kategorien denkt, der nicht der angelsächsischen Finanzindustrie verpflichtet ist und sich gegen diese zu behaupten weiß.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%