Aktienmarkt Frankfurt
Dax: ZEW liefert „Ausrede“ für Gewinnmitnahmen

Nach den Kursgewinnen der vergangenen Tage haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag eine Verschnaufpause eingelegt. "Der überraschende Rückgang des ZEW-Index gab einigen eine perfekte Ausrede, um Gewinne mitzunehmen", sagte ein Händler. Der Dax schloss mit 8 033,52 (minus 2,60) Zählern nahezu unverändert.

HB FRANKFURT. Vor der Veröffentlichung des ZEW-Konjunkturindexes hatte er 0,5 Prozent höher notiert. Der Indikator, der die Erwartungen der Finanzprofis misst, war überraschend gefallen. "Jetzt muss man schauen, ob sich dieses Bild in den nächsten Monaten fortsetzt, aber ich würde nicht davon ausgehen", ist Volkswirt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt zuversichtlich. Die Rahmendaten für Deutschland seien weiterhin positiv.

Börsianer erwarten einen baldigen Test des Allzeithochs von 8 136 Punkten, das der Dax im März 2000 aufgestellt hatte. "Der Markt will das Hoch herausnehmen, aber danach würde ich verkaufen", erklärte ein Händler. Ein anderer hofft eher auf eine Konsolidierung: "Es wäre gesund, wenn der Dax mal ein paar Tage in einer engen Spanne von 8 000 bis 8 100 bleiben würde, um dann mit neuem Schwung das Allzeithoch zu knacken."

Auf den Einkaufslisten der Anleger standen erneut die Aktien von SAP ganz oben. Die Papiere des Softwarekonzerns kletterten um 1,6 Prozent auf 37,89 Euro. Börsianer führten dies auf charttechnische Faktoren zurück. "Endlich haben sie den Ausbruch geschafft, das hat Käufe ausgelöst", sagte ein Händler. "Eine deutsche Großbank ist außerdem mit einer Kaufempfehlung unterwegs", begründete ein weiterer Händler den Kursanstieg. Zudem hätten SAP im Vergleich zum Dax Nachholbedarf. Die Aktien des Softwarekonzerns sind mit Kursverlusten von mehr als sieben Prozent seit Anfang Januar das Schlusslicht in der ersten Börsenliga.

Zu den größten Gewinnern zählten auch die Aktien von Bayer mit einem Kursplus von gut einem Prozent auf 55,68 Euro. Die milliardenschwere Schering-Übernahme im letzten Jahr erweist sich für dem Pharma- und Chemiekonzern als ein stärkerer Ertragsmotor als bisher gedacht.

Zeitweise größter Dax-Verlierer mit einem Minus von fünf Prozent waren die Aktien von Fresenius Medical Care (FMC). Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach dem Dialysespezialisten in den USA eine Zivilklage drohen könnte. FMC hatte bei der Ankündigung einer Anleihe erklärt, ein US-Staatsanwalt erwäge eine Zivilklage gegen die Tochter Renal Care im Zusammenhang mit einer bestimmten Abrechnungsform. Bis Handelsschluss erholten sich FMC. Die Aktien gingen mit einem moderaten Abschlag von 0,3 Prozent aus dem Handel.

Gewinnmitnahmen drückten Händlern zufolge die Aktien von Thyssen-Krupp um 1,5 Prozent. Die Versorger Eon und RWE verloren je rund ein Prozent. Händler verwiesen auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs, wonach Gasnetzbetreiber der Bundesnetzagentur künftig auf Verlangen Geschäftsgeheimnisse offen legen müssen. "Das könnte unangenehm für die Versorger werden. Entweder müssen sie offen legen oder ihre Preise senken", kommentierte ein Händler.

Im Kleinwerteindex SDax rutschten die Aktien von Air Berlin zeitweise um 7,8 Prozent, holten bis Handelsschluss aber auf und schlossen mit 16,13 Euro 2,8 Prozent niedriger. Der Chef der Fluggesellschaft, Joachim Hunold, und weitere Manager werden des illegalen Insiderhandels mit Aktien verdächtigt. Die Staatsanwaltschaft ließ zehn Geschäftsräume und Privatwohnungen durchsuchen. Air Berlin wies die Vorwürfe zurück.

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